Mit dem Titel "Schon wieder was mit Sex" schürte Martina Brandl im Publikum doch so manche Erwartungshaltung. "Mit Sex kann man alles verkaufen", sagte sie – und mit diesem ältesten Trick der Welt hätte sie eben auch Besucher in ihre Vorstellung in die "Alte Fabrik" in Mühlhofen gelockt, verriet die Kabarettistin und Sängerin mit einem Augenzwinkern. Den Etikettenschwindel nahm ihr im Publikum wohl niemand übel. Statt lahmem Klamauk über die Partnerwahl, Wechseljahre und gebrochene Herzen freuten sich die Zuschauer über Brandls Wortwitz, Gesangskünste sowie versteckte Gesellschaftskritik.

Ihr Touralltag inklusive Käsebrötchenphobie, Frauenquote, Flüchtlingsproblematik und Handysucht bot den Rahmen für einen unterhaltsamen Abend, der mit seinen musikalischen Ohrwürmen vielen im Gedächtnis bleibt. In ihrem Lied "Reiner, du hast dich in mein Herz geputzt" spielt sie mit dem Klischee des Programmtitels und begeistert mit einer zweideutigen Wortwahl. Ein Ohrwurm, den das Publikum noch nach Programmende singt. "Der Reiner war ein klasse Lied. Diese frische Frivolität gefällt mir", meinte Rubi Inderbitzin aus Sursee/Luzern.

Uhldingen-Mühlhofen bezeichnet das schwäbische Multitalent Martina Brandl als ihre zweite Heimat. "Vielleicht werde ich ja noch Ehrenbürgerin", hofft Brandl. In der "Alten Fabrik" präsentiert sie seit drei Jahren den "Fabrik Kabarett Klub". Mit seinen Kronleuchtern und ihrem Stammpublikum habe "der Laden einfach Seele" und es sei immer, als würde sie nach Hause kommen. Einen Vorteil hebt sie besonders hervor: "Hier sind die einzigen Veranstalter, die mich satt bekommen", freut sich Brandl, die in ihrer Show deutlich machte: "Käse ist mein Feind." Während sie sich auf der Bühne abmühe, warten in der Garderobe sonst nur schwitzende Käsebrötchen. "Ich brauche noch eine Darmprothese, wenn ich noch mehr Laktose esse."

 

Brandl kann auch ernstere Töne anschlagen

 

In ihrem Programm wird deutlich: So ein Comedian hat es nicht leicht. Ob Fans, die sie mit ihren Fragen bis auf die Toilette verfolgen oder einsame Nächte im Hotelzimmer. Hier hat Brandl aber schon eine Lösung gefunden: Ihr neuer Begleiter ist ihre Ukuleke Uke. In ihrem Lied "Ich brauche vom Hiersein eine Pause" schlägt sie, begleitet von Uke, nachdenklichere Töne an. "Mir gefällt, dass sie authentisch ist und so eine schöne Stimme hat", sagt Susanne Kossmann aus Sipplingen.

Ernster wird Brandl auch, wenn das Thema auf ihre jungen Kollegen kommt: Frischlinge im Comedy-Business, Menschen mit Newcomer- Hintergrund. "Die nehmen Jobs weg und arbeiten für Dumpinggagen, die müssen lernen, wie man sich zu benehmen hat": Die Parallele zwischen Stammtischargumenten in der Flüchtlings- und der Frischlingsdebatte sind gewollt und schaffen Stille im Raum.

"Genau diese Mischung aus plumpen Gags und nachdenklicher Sozialkritik machen einen gelungenen Abend aus. Die klaren Pointen faszinieren mich", resümierte Angelika Held aus Uhldingen-Mühlhofen. Ein Abend mit Martina Brandl sei wie nach Hause kommen. "Man fühlt sich in ihrer Gesellschaft einfach wohl", bestätigt Jürgen Held.