Auf großen Zuspruch stieß die Informationsveranstaltung zur Zukunft des alten Schul- und Rathauses in Uhldingen. Rund 300 Bürger interessierten sich am Montagabend zum einen für die Konzepte, die zwei Kaufinteressenten eingereicht hatten (siehe unten). Deutlich mehr Raum nahm die Diskussion darüber ein, ob der von der Gemeinde geplante Verkauf des historischen Gebäudes im Ortskern von Uhldingen der richtige Weg ist. Die Mehrheit im Welterbesaal ließ nach zweieinhalb Stunden Meinungsaustausch auch per Abstimmung keinen Zweifel am Bürgerwillen: Der Verkauf wird abgelehnt.

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Das alte Schul- und Rathaus in Uhldingen: Ist der von der Gemeinde geplante Verkauf des historischen Gebäudes im Ortskern von Uhldingen der richtige Weg?
Das alte Schul- und Rathaus in Uhldingen: Ist der von der Gemeinde geplante Verkauf des historischen Gebäudes im Ortskern von Uhldingen der richtige Weg? | Bild: Kleinstück, Holger

Dieses Votum hat bei Bürgermeister Edgar Lamm offensichtlich Eindruck hinterlassen. Er teilte am Dienstag Nachmittag überraschend mit, dass er für Mittwoch, 19. Dezember, eine Sondersitzung des Gemeinderates einberufen werde – mit einem einzigen öffentlichen Tagesordnungspunkt: "Antrag des Bürgermeisters auf einen Bürgerentscheid zur Schulstraße 12", so Lamm in der Mitteilung an unsere Zeitung. In der Versammlung hatte er noch klar zum Ausdruck gebracht, dass der Gemeinderat noch vor der Kommunalwahl im Mai nächsten Jahres über den Verkauf beschließen soll. Einen Bürgerentscheid würde es dann geben, wenn ihn zwei Drittel der Gemeinderäte beschließen. Bis dato habe es dafür keine Mehrheit im Rat gegeben, hatte Edgar Lamm noch am Montagabend erklärt.

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Viele Fragen und klare Statements der Bürger

Rund 20 Bürger waren da ans Mikrofon getreten, hatte viele Fragen und klare Statements formuliert. Herbert Maerz vom Gastgeberverein erhielt Beifall für den Satz: "Tafelsilber verkauft man nicht." Er forderte einen Verkaufsstopp und einen Ratsbeschluss erst dann, wenn mit den Bürgern ein Konzept für das Haus entwickelt wurde. Martina Seliger erklärte, sie stehe für alle Bürger vor der Versammlung, denen man versprochen habe, dass alte Schul- und Rathaus nicht zu verkaufen. SPD-Gemeinderat Wolfram Klaar fragte, ob denn nicht auch ein Erbpacht-Vertrag eine Lösung für die Schulstraße 12 wäre, dann blieben Grundstück und Gebäude im Eigentum der Gemeinde.

Rechtsanwalt Johannes Gmeinder will im alten Schul- und Rathaus neben dem Tai-Chi-Zentrum eine Musikakademie einrichten.
Rechtsanwalt Johannes Gmeinder will im alten Schul- und Rathaus neben dem Tai-Chi-Zentrum eine Musikakademie einrichten. | Bild: Cuko, Katy

Wieder ein Stück Heimat, das verloren geht

Gunter Schöbel, Leiter des Pfahlbaumuseums, wollte wissen, warum sich der Gemeinderat keine Alternativen zum Verkauf überlegt habe. Darauf erklärte Bürgermeister Lamm, dass das Gebäude mit dem historischen Schul- und Rathaus durch zahlreiche Umbauten nichts mehr zu tun habe; es sei vor seiner Zeit als Schultes "regelrecht verhunzt" worden. Auflagen zum Brandschutz und zur Barrierefreiheit "würden uns bei der Sanierung heute erschlagen", sagte Lamm. Der ehemalige Gemeinderat Stefan Knoblauch kritisierte, dass man kein Haus zum Verkauf ausschreibe und dann schaue, was einem an Konzepten präsentiert werde, sondern genau anders herum. Für den 28-jährigen Marco Knoblauch ist nicht nachvollziehbar, warum die Gemeinde mit dem Verkauf eines der ältesten Uhldingen Häuser nur "die einfachste Lösung" will. Für Andreas Geiger ist das Haus, wo Eltern und Großeltern zur Schule gingen, wieder ein Stück Heimat, die verloren gehe. Immer wieder kam die Sorge zur Sprache, der Ort entwickle sich außerhalb der Tourismussaison weiter zur Schlafsiedlung.

Die Finanzkanzlei am See aus Überlingen und die MBI Real Estate GmbH München wollen in zwei Wohn-Neubauten auf dem Grundstück Schulstraße 12 investieren.
Die Finanzkanzlei am See aus Überlingen und die MBI Real Estate GmbH München wollen in zwei Wohn-Neubauten auf dem Grundstück Schulstraße 12 investieren. | Bild: Cuko, Katy

Fast ebenso viele Bürger sprachen sich aber auch dafür aus, dass das "Wu Taichi Medical Zentrum" im alten Schul- und Rathaus bleiben soll. Für Ullrich Gössler läuft der Mietvertrag zum Jahresende aus. Was danach kommt, ist unklar. Bürgermeister Lamm musste sich sagen lassen, dass man das Zentrum derzeit "am langen Arm verhungern" lasse.

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Zwei Konzepte für das alte Schul- und Rathaus

 

Ursprünglich gingen elf Kaufangebote bei der Gemeinde auf die Ausschreibung zum Verkauf des Grundstücks Schulstraße 12 ein. Zwei Bieter stellten ihre Konzepte vor.

  • "Wu Taichi Medical Zentrum Bodensee" und Musikakademie: Das Konzept stellte Johannes Diether Gmeinder vor. Der Uhldinger Rechtsanwalt möchte Grundstück und Haus kaufen und so erhalten, wie das Gebäude heute ist. Er habe „kein primäres Interesse an Profit“, sagte er, sondern eine emotionale Bindung an sein altes Schulhaus. Er will das Haus außen so belassen und innen renovieren. Nach Schätzungen von Handwerkern wären dafür rund 500 000 bis 700 000 Euro nötig. Basis des Konzepts sei ein langfristiger Mietvertrag mit dem "Wu Taichi Medical Zentrum" von Ulrich Gössler, der Mieter des Hauses seit 2014 ist. Der Mietvertrag mit der Gemeinde läuft zum Jahresende aus. Parallel plant Gmeinder die Einrichtung einer Musikakademie durch seinen Sohn Johannes Martin Gmeinder. Der international renommierte Klarinettist ist Professor seines Fachs und will in Uhldingen klassische Meisterkurse geben, die er bisher weit verstreut in der Welt anbietet. Das wäre keine Konkurrenz zur Musikschule, betonte Gmeinder.
  • Gemeinsam Wohnen im Alter: Abriss und Neubau am Standort Schulstraße 12 planen die Finanzkanzlei am See Überlingen zusammen mit der MBI Real Estate GmbH in München. Das Konzept stellten Achim Niess und Joachim Muscheid vor. Das alte Gebäude soll zwei Neubauten mit zwei Vollgeschossen, einem Dachgeschoss und einer Tiefgarage mit 25 Stellplätzen weichen. Den markanten Giebel des Schulhauses wollen die Investoren nachbauen lassen. Auf dem rund 2000 Quadratmeter großen Grundstück sind rund 1400 Quadratmeter Wohnfläche geplant, darunter auf 620 Quadratmeter 14 Wohnungen für betreutes Wohnen mit einer Wohnfläche von 45 bis 70 Quadratmeter. Uhdlinger sollen bei der Belegung bevorzugt werden. Wer die Betreuung übernehmen soll, ist unklar. Die restliche Wohnfläche (780 Quadratmeter) sollen Mietwohnungen werden, da kein Teileigentum auf dem Grundstück gebildet werden darf. Als Mietpreis gab Achim Niess 10 bis 12 Euro pro Quadratmeter an. (kck)