Langsam aber sicher etabliert sich die Bodensee-Fightnight der Thaiboxer zum einer zentralen und wichtigen internationalen Veranstaltung, sowohl für die Kämpfer als auch für die Zuschauer. Insgesamt 16 Kämpfe standen Samstagabend auf der Fightcard der fünften Bodensee-Fightnight und die Zuschauer mussten sich aufgrund des Andrangs in Geduld üben, um in die nahezu ausverkaufte Sporthalle in Mühlhofen zu kommen.

Der Einlauf aller Kämpfer zu Beginn der Bodensee Fightnight mit Moderator Reiner Jäckle. Bild: Dieter Leder
Der Einlauf aller Kämpfer zu Beginn der Bodensee Fightnight mit Moderator Reiner Jäckle. Bild: Dieter Leder

Doch das Warten wurde mit einer grandiosen sechsstündigen Gladiatorenshow belohnt, die alles zu bieten hatte, was eine Thaiboxgala zu bieten hat. Und als der letzte Weltmeistergürtel vergeben war, war es gerade 1 Uhr: und es hätte noch später werden können, denn nicht wenige Kämpfe endeten vorzeitig durch technisches K.O. Zwei davon sogar recht schnell in der ersten Runde. Und dennoch, die Cutmen und Ärzte am Ring hatten nicht allzu viel zu tun am Samstag: Es gab nur Prellungen, Beulen, Schürfwunden und die obligaten Platzwunden über den Augen. Kleinigkeiten in dem Business, am Samstag blieben glücklicherweise ernste Verletzungen aus.

Im Freiflug: Sebastian Harms Mendez vom Überlinger Muay Thai Gym Mendez (rote Handschuhe) geht mit seinem Gegner Philipp Häfeli zu Boden. Bild: Dieter Leder
Im Freiflug: Sebastian Harms Mendez vom Überlinger Muay Thai Gym Mendez (rote Handschuhe) geht mit seinem Gegner Philipp Häfeli zu Boden. Bild: Dieter Leder

Eine geplatzte Augenbraue durfte auch Thomas Schindele vom lokalen Team Muay Thai Gym Mendez als Andenken mit nach Hause nehmen, ebenso wie den AFSO Intercontinental Champion-Gürtel: Es war seine letzte Platzwunde und sein letzter Titel, er verabschiedet sich aus dem Ring und hielt noch im Ring eine emotionale und oscarverleihungsreife Abschiedsrede: „Ich danke meiner Frau!“ sagte er gerührt, er dankte aber auch allen Fans und Freunden, die ihn in all den Jahren begleitet haben. Als ehemaliger Kämpfer wird er aber dem Sport nicht ganz den Rücken kehren, nicht mehr im Ring aber am Ring als Betreuer wird er weiterhin da sein.

Eindrücke der Fightnight im Video
 

Video: Manuel Dobisch

 

Auch Chanell Reinhardt stand schon in Mühlhofen bei der Bodensee-Fightnight im Ring. Sie verabschiedete sich in den reinen Boxsport, kehrte jetzt aber wieder zum Thaiboxen zurück und war als Betreuer für ihr Team MG Sports Weingarten am Ring. „Ja“ sagt sie auf die Frage, ob sie auch aktiv wieder in den Ring steigen werde, sie habe schon wieder mit dem Training angefangen.

Unter den Zuschauern fand sich noch ein ehemaliger Bodensee-Fightnight-Kämpfer: Nicolai Pinkes war gekommen. Eine kleine Narbe ziert jetzt sein linkes Auge, ein Andenken an seinen letztjährigen Kampf, der mit einer ernsten Verletzung endete. Dass er dieses Jahr nicht kämpft, hat aber auch mit seinem Studium und den Abschlussprüfungen zu tun. „Es motiviert“ sagt er zu der Gala am Samstag, nach der Studiums- und Verletzungspause hat er gerade wieder mit dem Training begonnen, in sechs Wochen steht er in Freiburg erstmalig wieder im Ring.

Omer Kurt hängt in den Ringseilen, der Ringrichter beendet nach technischem KO den Kampf. Bild: Dieter Leder
Omer Kurz hängt in den Ringseilen, der Ringrichter beendet nach technischem KO den Kampf. Bild: Dieter Leder

Derweil wurde in Mühlhofen hart und auch sehr fair gekämpft, und das erfreute die Besucher, die lautstark ihre Favoriten anfeuerten und gute Aktionen und Kämpfe mit Applaus quittierten, so etwa den Kampf zwischen Mohammed Balli aus Holland und dem Italiener Maldin Mogos. Bei den Titelkämpfen kochte die Halle verständlicherweise, obwohl nicht alle Überlinger Muay Thai Gym Mendez-Kämpfer ihre Kämpfe gewonnen haben: Kristin Schwer, Diana Köhne, Ramon Kübler, Vincent Froschiani, Sebastian Harms Mendez und Thomas Schinde duften Goldpokale mit nach Hause nehmen, Dimitros Sapanazidis und Alexander Epp nur Silberpokale. Letzterer wurde von seinem Team und den Fans zwar noch lautstark angefeuert, aber sein enttäuschter Abgang nach der Ringrichterentscheidung war dann sehr leise.

Omer Kurz bringt Ramon Kübler vom Überlinger Muay Thai Gym Mendez (rote Handschuhe) zu Fall, für den Sieg hat es dennoch nicht gereicht für Kurt. Bild: Dieter Leder
Omer Kurz bringt Ramon Kübler vom Überlinger Muay Thai Gym Mendez (rote Handschuhe) zu Fall, für den Sieg hat es dennoch nicht gereicht für Kurt. Bild: Dieter Leder

Am Ende wurde dann noch lang gemeinsam gefeiert, und da spielte es keine Rolle, von welchen Verein der Fan oder Kämpfer kam, und ob er gewonnen oder verloren hatte. „Es war eine gelungene Veranstaltung“ resümierte Veranstalter Sebastian Harms Mendez und dankte insbesondere den vielen Fans: „Die haben allen Kämpfern Respekt gezollt, das war fantastisch.“