Mit einem fulminanten Konzert in der völlig ausverkauften Basilika Birnau hat die Birnauer Kantorei unter der Leitung von Thomas Gropper das Jubiläumsjahr "50 Jahre Birnauer Kantorei" festlich abgerundet. Wie bereits im Juli mit Händels "Saul" griff die Kantorei mit dem Oratorium "Elias" op. 70 von Felix Mendelssohn Bartholdy erneut zu einer alttestamentarischen Vertonung als Lieferant fesselnder Dramatik, die das Werk mit groß angelegten Chören, Rezitativen, Arien und Turbachören durchzieht.

Kein Zweifel: Mendelssohn hatte ein unglaubliches Talent im Umgang mit Vokalstimmen sowie im Erfinden traumhaft schöner Melodien. Nicht ohne Grund gehört Elias zu den beliebtesten Oratorien. Überdies sind Auszüge aus diesem Oratorium im Repertoire vieler Kirchenchöre anzutreffen. Die Spannung des Werks wird, ungewöhnlich genug, schlagartig bereits in den ersten Takten mit drei markanten, abwärts gerichteten Tritoni aufgebaut. Der Kantorei ist es vollends gelungen, mit packender Dynamik, aufmerksamer Präsenz und lupenreiner Intonation diese Spannung über die gut zweistündige Spielzeit des Oratoriums bis zur opulent-triumphalen Schlussfuge aufrecht zu erhalten.

Die durchaus diametral auseinanderliegenden Rollen, die der Chor mal als lamentierendes (Hilf, Herr!), mal als zorniges Volk (Wehe ihm, er muss sterben) einnehmen muss, um dann wieder im Duktus quasi engelsgleich zu sein, erfordert vom Chor eine Wandelbarkeit, die den Sängern bravourös gelang. Bestens gelungen war nicht nur Elias' kraftvolle, furiose Himmelfahrt, sondern auch der demütige Satz "Wirf dein Anliegen auf den Herrn" sowie der traumhaft schöne Choral "Wer bis an das Ende beharrt".

Wandelbarkeit bewies auch Markus Oberholzer (Bariton). Er sang mit raumfüllender Bassstimme den starken, zornigen Elias genauso überzeugend wie den frustrierten Propheten, der sich nur noch den Tod wünscht, im zweiten Teil. Mechthild Bach füllte mit lyrischer Stärke als Engel und Witwe sowie als Königin Iesebel aufs Beste die verschiedenen Sopranparts mit ihrer klaren, schönen Stimme aus. Tenor Christian Zenker wandte sich als Elias' Gefährte Obadjah mit betörendem Stimmklang sowohl den "Volk", als auch mit Ratschlägen dem Propheten Elias zu. Die in der Birnau keineswegs unbekannte Altistin Regine Jurda war mit klangfarbiger Stimme kurzfristig für die erkrankte Ulrike Malotta eingesprungen. In solistischen Nebenrollen überzeugten die Kantoreimitglieder Pia Gold und Irene Albrecht. Für den Part des Knaben, der souverän vom Berg (hier: Kanzel) aus mit klarer Sopranstimme den herannahenden Regen ankündigt, konnte Chorleiter Gropper auf seinen Sohn Enrico zurückgreifen. Das Orchester der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz folgte geschmeidig Groppers Dirigat, der am Pult mit ganzem Körpereinsatz simultan Dynamikanweisungen und Choreinsätze gab.

Der Klang der Glocke nach dem Schlussakkord war nur knapp verklungen, da brandete ein großer und langer Applaus des Publikums auf, vielleicht ähnlich wie bei der Uraufführung 1846 in Birmingham: "Die letzte Note des Elijah ging unter in einem Unisono von nicht enden wollenden Applaussalven von tosendem Lärm" schrieb damals der Rezensent der London Times.

 

Uraufführung

Für die erfolgreiche Uraufführung des "Elias" am 26. August 1846 in Birmingham stand dem Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy ein vergleichsweise riesiger Chor mit fast 300 Sängern beziehungsweise insgesamt rund 400 Mitwirkenden zur Verfügung. Er erzielte damit einen grandiosen Erfolg. Die erste deutsche Aufführung fand ohne Mendelssohn am 29. August 1847 in Köln statt. Für den Herbst 1847 hatte Mendelssohn Aufführungen in Berlin und Leipzig geplant, konnte sie aber aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr realisieren und hat deshalb die deutsche Version nie gehört. Am 4. November 1847 starb Mendelssohn an den Folgen mehrerer Schlaganfälle. (bc)