Bewährungsstrafen zwischen acht Monaten und zwei Jahren hat das Schöffengericht am Amtsgericht Konstanz über ein Ehepaar und dessen Nachbarn verhängt. Die drei schossen kurz vor Weihnachten 2016 mitten in einem Wohngebiet mit scharfer Munition aus dem Fenster eines Anwesens in Uhldingen-Mühlhofen.

Alle drei wurden jetzt vom Amtsgericht Konstanz wegen verschiedener Verstöße gegen das Waffengesetz verurteilt. Über den 38-jährigen Ehemann, dessen Schuss im Wohnzimmer der Rentner landete, verhängte das Gericht mit zwei Jahren die höchste Bewährungsstrafe. Er wurde wegen illegalen Waffenbesitzes und versuchter gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Seinen gleichaltrigen Bekannten verurteilte das Gericht wegen Führens einer geladenen Waffe zu eineinhalb Jahren. Beide müssen als Bewährungsauflage je 3000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung bezahlen. Die 40-jährige Ehefrau kam, ebenfalls wegen illegalen Waffenbesitzes, mit acht Monaten plus einer Geldbuße von 1500 Euro davon. Den Schaden in Höhe von rund 600 Euro hat das Ehepaar bereits beglichen. Die Geschädigten verzichteten auf weitere Schadenswiedergutmachung. Das Urteil ist rechtskräftig.

Es war am späten Abend des 23. Dezember 2017. Reichlich alkoholisiert, aber laut Sachverständigen-Gutachten an Alkohol gewöhnt, gab das Ehepaar je zwei Schüsse aus dem Küchenfenster des Hauses ab, das mitten in einem bebauten Wohngebiet liegt. Der Bekannte, 38 Jahre alt wie der Hausherr, gab noch einen fünften Schuss ab. Er hatte an jenem Abend seine neu erworbene halbautomatische Selbstladepistole der Marke Glock mit 17 Schuss Munition mitgebracht. Damals war er noch Mitglied eines Schützenvereins und hatte auch für diese Pistole eine Waffenbesitzkarte. Verurteilt wurde er jetzt, weil er mit der geladenen und jederzeit einsatzbereiten Waffe außerhalb seines Anwesens unterwegs war. Vor Gericht berichteten er und seine Bekannten, man sei nach einer Fachsimpelei über seine neue „Glock“ auf die Idee, die Funktionen der neuen Waffe mit der Mauser des Ehepaars zu vergleichen, die ungeladen in deren Schlafzimmerschrank versteckt war. Der 38-jährige Hausbesitzer gab zu, einige Patronen aus der Glock in das Magazin seiner Mauser gefüllt zu haben.

Bereits das erste Geschoss, das von dem Ehemann und Hausbesitzer abgefeuert worden war, drang durch Rollladen und Isolierglasfenster in das Wohnzimmer des Rentnerpaares. Die Senioren saßen am Tag vor Heiligabend vor dem Fernseher, als das Projektil nur wenige Zentimeter an ihnen vorbei an eine Wand knallte und als Querschläger weitere drei Meter zurücklegte. Der Schreck war für den 76-jährigen Mann vor Gericht kaum zu beschreiben: "Es gab einen Donnerschlag", berichtete der Mann. Er und seine Frau seien aus ihren Sesseln hochgefahren. Als sie dann das Projektil auf dem Boden liegen sahen und den Schaden am Fenster bemerkten, hätten sie sofort die 110 gewählt. Vor Gericht trugen sie dem Täter nichts nach: „Wir haben früher auch viel Unsinn gemacht“, meinte der 76-Jährige.

Die Polizeibeamten trafen ein, noch während aus dem Haus die letzten drei von insgesamt fünf Schüssen fielen. Das Gebäude wurde umstellt, wovon die Schützen zunächst nicht bemerkten. Als ein Freund des Ehepaars per WhatsApp nachfragte, warum denn Polizei vor ihrem Haus sei, versteckte die Frau beide Pistolen schnell im Schlafzimmer. Ein Futteral landete im Backofen. Kurz nachdem sie mit dem Bekannten vor das Haus getreten war, um zu rauchen, erfolgte der Zugriff der Polizei. Das Haus wurde gestürmt, der Ehemann drinnen ebenfalls festgenommen. Die zehn und 15 Jahre alten Kinder des Ehepaars mussten zu Verwandten gebracht werden.

Die drei Erwachsenen landeten zunächst im Krankenhaus, um Blutproben zu entnehmen. Im Blut des 38-jährigen Familienvaters fand man nach Aussage eines Gerichtsmediziners außer reichlich Alkohol auch Spuren eines Muskelaufbaupräparats. Während er erst am ersten Weihnachtstag wieder auf freien Fuß kam, konnten seine Frau und der Bekannte nach ihren Vernehmungen wieder nach Hause gehen.

Der 38-jährige Sportschütze trat danach sofort freiwillig aus dem Schützenverein aus, die Waffenbesitzkarte wurde ihm vom Landratsamt entzogen. Zuvor konnte er durch den Verkauf seiner übrigen Waffen noch 1200 Euro Gewinn machen. Großen Ärger bekam er vor Gericht, weil er seinen zehnjährigen Sohn mit zwei echten Pistolen in den Händen fotografiert hatte. Als "Waffennarr" wollte er sich von der Vorsitzenden Richterin dennoch nicht gerne bezeichnen lassen.

Auch die 40-jährige Ehefrau und Mutter wurde vom Gericht schwer gerügt. Bei der Überprüfung ihres Handys war die Kripo auf ein Foto gestoßen, das bei der Richterin und ihren Schöffen Entsetzen auslöste. Die Frau hatte ihre Kinder vor dem mit Hakenkreuz versehenen Geburtstagskuchen des Vaters abgelichtet. Zerknirscht gab sie zu, dass das ein Fehler war. Ihre gemurmelten Entschuldigungen waren für die Öffentlichkeit nicht verständlich. Dass sie die Polizisten bei ihrer Festnahme unter anderem als "Judenpack" bezeichnet hatte, fand sie weniger schlimm als das Gericht: "Das hört man doch oft bei uns als Schimpfwort", meinte sie. Man erfuhr, dass sie sich nach ihrer Ernüchterung sofort bei den Beamten entschuldigt hatte. Damit war sie einer Anzeige wegen Beleidigung entgangen.

Geschossen habe sie aufgrund ihrer Alkoholisierung, sagt die Frau. „Ich war einfach enthemmt.“ Sie habe immer nur nach oben gezielt, erklärte sie kleinlaut. Denn eigentlich seien ihr Waffen nicht geheuer. Ihr Ehemann behauptete zunächst, der Schuss ins Wohnzimmer des Rentnerehepaares müsse von seiner Frau abgefeuert worden sein. Erst als die Indizien und die Analyse des Ablaufs der Ereignisse eindeutig für seine Schuld sprachen, gab er zögerlich klein bei. Vor Gericht kam auch zur Sprache, dass er als Jugendlicher im rechtsradikalen Umfeld mehrfach straffällig geworden sei, als Erwachsener bis zur Schießerei aber nie mehr. Er habe sich längst von diesen Kreisen distanziert, behauptete er. Zum Hakenkreuz-Geburtstagskuchen sagte aber nichts.