Das Pfahlbaumuseum in Unteruhldingen beendet das Jahr 2016 mit einem Besucherrekor. Trotz schlechter Bedingungen wie dem extremen Hochwasser im Frühjahr konnte mit deutlich über 300 000 Gästen das beste Ergebnis seit der Museumsgründung 1922 erreicht werden, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung. Damit sei das Pfahlbaumuseum das besucherstärkste Archäologiemuseum in Baden-Württemberg. Die Zahl der Besucher stieg im Vorjahresvergleich um zwölf Prozent an, erläutert Matthias Baumhauer auf Nachfrage und beziffert den Durchschnitt der jährlichen Besucher für die vergangene Dekade auf "250 000 bis 300 000".

"Wir rätseln immer noch ein bisschen herum, was für diese neue Höchstmarke verantwortlich ist", sagt Museumsdirektor Professor Gunter Schöbel. Ein wichtiger Faktor sei aber sicher, dass die Deutschen wieder vermehrt im eigenen Land Urlaub machten. Was der Museumsleiter daran festmacht, wie das Jahr verlief: Bis Juni nämlich habe die Besucherfrequenz "keine hohen Sprünge" gemacht und dann drohte sogar ein Einbruch durch das Hochwasser. "Erst ab Juli kam der Schwung und der allerbeste Monat war der Oktober." Daraus und aus der Besucherbefragungen interpretiert Schöbel, dass der Trend zum Urlaub zuhause sich auch in den Pfahlbauten niederschlug. Außerdem seien Zuwächse bei den Schülern zu verzeichnen gewesen. "Wir haben über 5000 Schulen angeschrieben rund um den Bodensee", erläutert er, "in Baden-Württemberg, Bayern, Vorarlberg, und der Nordschweiz bis Zürich und Basel".

Insgesamt lockt das Pfahlbaumuseum ein sehr junges Publikum an. Eine Evaluation habe ergeben, erläutert Museumsmitarbeiter Baumhauer, dass der Besucherschnitt bei unter 40 Jahren liege. Darunter seien viele Familien, mehr Frauen als Männer und immer häufiger Mehrfachbesucher, die das dritte, vierte oder gar fünfte Mal einen Ausflug in die Vor- und Frühgeschichte machten. Deren Anteil beträgt laut Schöbel rund 40 Prozent. Auch bei den Gästen mit Handicap habe das Museum einen Zuwachs verzeichnen können, da es durch seine behindertenfreundliche Anlage in den entsprechenden Foren als gutes Ziel bezeichnet werde. Besonder gut habe in den Besucherbefragungen das im Mai 2013 eröffnete multimediale "Archaeorama" zum Weltkulturerbe Pfahlbauten abgeschnitten. Den stärksten Eindruck jedoch hätten nach wie vor die Rekonstruktionen der originalgetreuen Rekonstruktionen der Pfahlbauhäuser im Bodensee hinterlassen.

Im kommenden Jahr geht die Erweiterlung des Museums im Rahmen des bestehenden Masterplans in die nächste Stufe. Die entsprechende Bauvoranfrage liegt bei der Gemeinde. In Angriff genommen werden soll der Umbau des Eingansbereiches zu einer "lichten, hellen Piazza", wie Schöbel beschreibt. Ebenso sind "zwei bis drei neue pädagogische Räume" geplant, mit denen eine Stärkung der Schulgruppen im „außerschulischen Lernort Pfahlbauten“ erreicht werden solle.

Und es solle eine verstärkte Kooperation mit den "Kollegen der Denkmalpflege" geben, um das Welterbe besser im Museum zu präsentieren, erläutert Schöbel. Er ist zuversichtlich, Artefakte von Landesamt für Denkmalpflege aus Hemmenhofen zur Ausstellung zu erhalten, um sie im Pfahlbaumseum zeigen zu können.


Aktuelle Auszeichnungen

Die Beliebtheit des Pfahlbaumuseums zeigen drei Auszeichnungen aus diesem Jahr, heißt es in der Pressemitteilung des Museums. Nach einer Befragung der "Deutschen Zentrale für Tourismus" nimmt der Bodensee mit der Insel Mainau und den Pfahlbauten Rang sechs unter den 100 beliebtesten Reisezielen Deutschlands ein. Das Internetportal "FamilyChecks", das jährlich die Topp-Ziele auswählt, zeichnete das Museum als besonders familienfreundlich aus. Die dritte Empfehlung wurde von der "Tourismus Marketing Baden-Württemberg" verliehen. Mit der Auszeichnung „familien-ferien“ finden sich die Pfahlbauten im Kreis von Freizeiteinrichtungen wie dem Europapark Rust.


Öffnungszeiten im Winter: Das Pfahlbaumuseum ist auch außerhalb der Saison geöffnet, bis zum kommenden Freitag gibt es täglich um 14.30 Uhr eine Führung. Am zweiten Weihnachtsfeiertag (26.12.), an Neujahr (1.1.2017) und an Dreikönig (6.1.) ist es von 10 bis 16 Uhr (letzte Führung) geöffnet. Ab dem 9. Januar gibt es dann wieder Montag bis Freitag um 14.30 Uhr eine Führung. Die neue Saison startet am 1. April, dann ist das Museum wieder täglich geöffnet.