Einträchtig sitzen Hans-Jürgen Weber und Günther Sick im Clubheim nebeneinander. Zwei Minuten dauert der Weg von hier bis zum Steg im Unteruhldinger Hafen. Dort liegen die Boote der beiden. Und die 78 Boote des Segelclubs Unteruhldingen. Die Männer am Holztisch des Gastraums vertreten zwei Generationen des Segelsports, beide sind mit dem Verein verbunden: Günther Sick gründete am 12. April 1958 mit 13 Seglern den Verein, Hans-Jürgen Weber ist seit 2007 der Vorsitzende. Nun feiert der Segelclub sein 60-jähriges Bestehen. Die Geschichte des Vereins zeigt, wie sich die Sportart entwickelt hat.

Einst Segel im Treppenhaus getrocknet

Günther Sick kennt die Anfänge, er erinnert sich an seine auf dem Wasser. Es war die Zeit des Zweiten Weltkriegs. In Friedrichshafen fielen Bomben auf die Bootshallen: "Viele Schiffe sind dort verbrannt. Mit vier oder fünf Jahren war ich dann das erste Mal auf dem Wasser. Wir haben eine Jolle aus Holz gehabt. Und die Segel waren damals aus Baumwolle. Meine Mutter hat immer geschimpft, wenn ich sie im Treppenhaus aufgehängt habe."

Konstanzer Club löst Vereinsgründung aus

Die Leidenschaft aus den Anfängen setzte sich bei ihm als Erwachsener fort – ohne einen Segelclub im Uhldinger Teilort. Es war erst ein Affront nötig, damit im April 1958 der Verein entstehen konnte – ein Motorbootclub aus Konstanz wollte sich im heimischen Hafen in Unteruhldingen niederlassen. "14 Segler haben sich getroffen und noch am selben Abend den Segelclub gegründet, damit uns der Hafen zusteht. Wir haben ein paar Bojen bekommen und unsere Jollen waren sehr bescheiden", sagt Sick.

Glasfaser oder Carbon dominieren

Seitdem hat sich viel verändert, im Segelsport und im Verein. Es wird zwar immer noch mit Wind und menschlichem Geschick gesegelt, doch die Technik lässt sich immer weiter verfeinern. Mittlerweile sind die die Segel aus Kunstfasern oder Folien gefertigt, der Rumpf bei vielen Booten aus glasfaser- oder carbonfaserverstärktem Kunststoff. Ein Boot aus Mahagoni-Holz bauen zu lassen, sei heute nicht mehr bezahlbar und quasi ein Oldtimer für Liebhaber, meint der Vorsitzende Hans-Jürgen Weber. Die Gegenwart: Auf den Booten regiert Hightech, besonders im Wettkampf. "Heute ist alles auf Leicht gemacht, das ist auch ein finanzielles Thema. Bei den extremen Regatta-Seglern geht der Wettkampf in eine Materialschlacht über. Bei normalen Seglern, so wie wir es sind, da muss das Segel halt auch acht oder zehn Jahre halten."

Guter Mix aus Freizeitseglern und sportlich Ambitionierten

Doch der Wettkampf auf dem See ist auch beim Segelclub Unteruhldingen früher wie heute ein Ansporn für viele Mitglieder: Vier interne Regatten gibt es im Jahr. Von den aktuell 145 Mitgliedern sind Segler dabei, die sich gerne miteinander messen. Andere genießen das Fahrtensegel. Ein guter Mix, denn der See sei für jeden da, meint Weber.

Auch auf die Nachwuchsförderung wird heute viel Wert gelegt. Es gibt einen eigenen Jugendtrainer. "Wir haben viele Kinder von Seglern, die bei uns ihre ersten Erfahrungen machen. Sowohl in der Vergangenheit als auch heute. Ich selbst gehöre dazu", sagt Weber. Sein Vater, Hans Weber, ist ebenfalls Gründungsmitglied.

Im Jahr 1976 Clubhaus gebaut

Für die nächsten 60 Jahre stellt sich die Frage, wie weit der Segelclub in Unteruhldingen wachsen kann. "Das hängt mit der Anzahl der Liegeplätze zusammen und das ist momentan schwierig", sagt Weber. "Gibt es keine Plätze, nimmt das Einfluss auf unsere Größe." Günther Sick ergänzt: "Früher gab es nicht einmal 30 bis 40 Liegeplätze. Erst durch den Hafenbau konnten wir mehr Mitglieder aufnehmen." Und die brauchen Platz – im Jahr 1976 wurde das Clubhaus im Alten Bahnhof eingeweiht. Es ist seitdem der Treffpunkt für die Segler, direkt an der Uferpromenade. Hier sitzen heute Hans-Jürgen Weber und Günther Sick nebeneinander. Sie gehören zwei Segel-Generationen an, doch die Faszination an der Sportart kennt keinen Unterschied. Oder wie Günther Sick es ausdrückt: "Man hat es einfach im Blut."