Ein vorzeitiges Geburtstaggeschenk hat das im kommenden Jahr 100 Jahre alt werdende Pfahlbaumuseum Unteruhldingen erhalten: Der Bund fördert das in Baden-Württemberg besucherstärkste archäologische Freilichtmuseum mit 1,5 Millionen Euro in den nächsten drei Jahren.

Geld für Erweiterungsbau

Das Geld soll mit dafür verwendet werden, den Erweiterungsbau und den Umbau des Bestandsgebäudes zu verwirklichen und um das Museum zeit- und besuchergerecht umzugestalten.

Gunter Schöbel, Museumsdirektor: „Es ist das erste Mal in 99 Jahren Vereinsarbeit, dass wir aus Berlin Investitionsmittel für eine Baumaßnahme in Unteruhldingen erhalten.“
Gunter Schöbel, Museumsdirektor: „Es ist das erste Mal in 99 Jahren Vereinsarbeit, dass wir aus Berlin Investitionsmittel für eine Baumaßnahme in Unteruhldingen erhalten.“ | Bild: Kleinstück, Holger

„Es ist das erste Mal in 99 Jahren Vereinsarbeit, dass wir aus Berlin Investitionsmittel für eine Baumaßnahme in Unteruhldingen erhalten. Es ist wirklich eine Sensation, dass ein dezentrales Museum so etwas bekommt“, freut sich Museumsdirektor Gunter Schöbel auf SÜDKURIER-Anfrage. „Wir sind als nationale Kultureinrichtung anerkannt.“

Erhalt der kulturellen Infrastruktur

Das Geld entstammt dem Förderprogramm „Investitionen für nationale Kultureinrichtungen in Deutschland“ (INK), mit dem der Bund seit dem Vorjahr deutschlandweit Investitionen in den Erhalt und die Weiterentwicklung national bedeutsamer Kultureinrichtungen unterstützt. Mit insgesamt 32 Millionen Euro sollen mehr als 73 Projekte zur Modernisierung und Sanierung bedeutender Kultureinrichtungen gefördert werden, „die prägend für das nationale Kulturerbe des Landes sind“, so Staatsministerin Monika Grütters laut einer Pressemitteilung. „Der Erhalt unserer kulturellen Infrastruktur gehört zu den wichtigsten kulturpolitischen Zielen des Bundes – erst recht in diesen Zeiten der Krise. Denn Kultur stiftet Identität und Zusammenhalt.“

Auch auf diesem Parkplatz, den die Mitarbeiter des Pfahlbaumuseums zurzeit nutzen, soll der Anbau des Freilichtmuseums entstehen.
Auch auf diesem Parkplatz, den die Mitarbeiter des Pfahlbaumuseums zurzeit nutzen, soll der Anbau des Freilichtmuseums entstehen. | Bild: Kleinstück, Holger

Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst, äußert sich ebenfalls in einer Mitteilung zur Förderung des Pfahlbaumuseums und betont die nationale Bedeutung des Museums. Diese „ergibt sich aus der zentralen Aufgabe der Vermittlung des Unesco-Weltkulturerbes – über Generationen und alle Bevölkerungsschichten hinweg“.

Weitere Unterstützung erhofft

Schöbel zeigte sich „sehr froh, in diesen Zeiten Unterstützung und Anerkennung für unsere Vereinsziele im Rahmen des Erweiterungsbaus im Museum zu erhalten“. Es sei eine große Ehre, am dezentralen Standort am Bodensee gemeinsam mit der alten Pinakothek in München, dem Schauspielhaus in Hamburg und anderen größeren Einrichtungen eine solche Berücksichtigung zu erfahren. „Wir wollen das Geld wie beantragt in den Erweiterungsbau stecken und hoffen, dass wir vielleicht noch weitere Förderungen der öffentlichen Hand oder von privater Seite erhalten, um diese große Aufgabe für das Weltkulturerbe Pfahlbauten sicher gestalten zu können“, sagte er.

Blick auf das Pfahlbaumuseum im Schnee: Auch im Winter in der Steinzeit sicherlich von Vorteil, wenn man sein Haus über dem eisfreien Bodensee baut.
Blick auf das Pfahlbaumuseum im Schnee: Auch im Winter in der Steinzeit sicherlich von Vorteil, wenn man sein Haus über dem eisfreien Bodensee baut. | Bild: Hilser, Stefan

Übrigens: Trotz der Corona-Pandemie ist das Museum im Vorjahr „mit einem blauen Auge davongekommen“, wie Schöbel weiter erläuterte. Die Öffnungszeiten habe man zwar um 35 Prozent kürzen müssen, die Besucheranzahl sei aber „nur“ um rund 20 Prozent zurückgegangen. Knapp 300 000 Besucher werden gewöhnlich jährlich im Pfahlbaumuseum gezählt. Während Schulklassen aufgrund Covid-19 so gut wie ausgeblieben seien, „sind besonders viele Kinder und Familien gekommen“, so der Archäologe.

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Sie alle sollen sich in zwei Jahren über den ersten Flügel des Erweiterungsbaus freuen können – allerdings ein Jahr später als geplant. Denn ursprünglich wollte der Heimat- und Pfahlbauverein, Träger des Vorhabens, zum 100-jährigen Bestehen im kommenden Jahr eröffnen. Die Unerlässlichkeit des Erweiterungsbaues hatte Schöbel bereits im Oktober des Vorjahres herausgestellt. „Es geht um die Zukunft für den international wirksamen Bildungs- und Tourismusstandort Uhldingen-Mühlhofen. Es braucht eine Investition in die Zukunft, eine ganzjährig wirksame, und eine, die allen Bürgerinnen und Bürgern dient.“