Es ist kurz nach 13 Uhr, die Sonne scheint und die Überlinger Schulstraße liegt wie ausgestorben da. Keine zwei Gehminuten entfernt an der Uferpromenade herrscht reger Betrieb, auch die Außengastronomie ist gut besucht. Nina Burazor, die in der Schulstraße eine Corona-Teststation betreibt, kommentiert: „Bei dem guten Wetter sitzen die Menschen in der Sonne am See; dafür brauchen sie eben auch keinen Test.“ Sie lacht und erklärt, dass die Arbeit im Testzentrum wellenartig komme. Mal herrsche komplett Flaute, wie gerade, dann wieder bilde sich innerhalb von zehn Minuten eine Warteschlange. Gerade durch die Pool-Testungen an Schulen – also der Auswertung der Proben mehrerer Schüler gemeinsam – kämen häufig acht bis zehn Schüler auf einmal zu ihnen ins Testzentrum. „Das macht es schlecht planbar und nicht immer haben wir einen Mitarbeiter direkt auf Abruf.“

Für den PCR-Test im Labor wird zusätzlich zum Nasenabstrich auch ein Rachenabstrich durchgeführt.
Für den PCR-Test im Labor wird zusätzlich zum Nasenabstrich auch ein Rachenabstrich durchgeführt. | Bild: Lena Reiner

Schon Schokolade und Blumen für die Tester

Allerdings seien diejenigen, die sich hier testen ließen, meist verständnisvoll, wenn sie mal kurz warten müssten. „Im Gegenteil, ich bekomme sogar sehr positive Rückmeldungen: Neulich brachte mir eine Dame sogar eine Tafel Schokolade, eine andere einen Blumenstrauß, da war ich wirklich gerührt“, schildert die gelernte Krankenschwester. Bei ihrer Arbeit auf einer Intensivstation sei sie einen solchen Umgang gewohnt gewesen, in einem Testzentrum habe sie eine solch große Dankbarkeit nicht erwartet.

Nach der Schulung noch eine Einweisung für Mitarbeiter

Testzentren kamen teilweise in Verruf, da Mitarbeiter dort nach einer einfachen Schulung Tests durchführen können. Bei Nina Burazor arbeitet zwar auch nicht ausschließlich medizinisches Personal, sie führt nach der vorgeschriebenen Schulung aber zusätzlich eine Einweisung durch: „Da schauen die Neuen dann zwei bis drei Stunden jemandem von uns über die Schulter.“ Außerdem stehe sie am ersten Arbeitstag beratend zur Seite. Meist gehe es aber da nur mehr um Details und Fragen zur Software. „Den Abstrich selbst üben wir so oft, dass den alle im Schlaf durchführen könnten.“

Nina Burazor leitet als gelernte Krankenschwester das Testzentrum in der Überlinger Schulstraße.
Nina Burazor leitet als gelernte Krankenschwester das Testzentrum in der Überlinger Schulstraße. | Bild: Lena Reiner

Am Vortrag 15 Schnelltests von insgesamt 100 Tests positiv

An dem Nachmittag jedenfalls bleibt es lange ruhig. Ein Termin für 14.30 Uhr steht im Kalender, was aber keinerlei Indiz für die tatsächliche Nachfrage sein muss. „Wir bieten auch Tests für Spontane an“, erklärt die Betreiberin. Bis zur Mittagszeit habe das Team bereits knapp 30 Tests durchgeführt. Drei Tests waren an diesem Tag schon positiv, keine schlechte Quote. „Gestern war ein verrückter Tag“, schildert die Teststationsleiterin. 100 Tests hätten sie durchgeführt, 15 davon waren positiv. Das heißt, 15 der Schnelltests waren positiv. Bei den PCR-Tests warte sie noch auf die Labor-Ergebnisse. Die erreichten sie immer etwa einen Tag später; das Labor hole zweimal täglich die Proben ab.

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Dabei sei das Verhältnis von PCR-Tests und Schnelltests ganz unterschiedlich: „Das ist von Woche zu Woche und Stunde zu Stunde anders, genau wie die generelle Nachfrage. An einer Teststation ist nichts planbar.“

Für Spontane gibt‘s draußen vor der Teststation Formulare.
Für Spontane gibt‘s draußen vor der Teststation Formulare. | Bild: Lena Reiner

Bei positivem Schnelltest auch gleich ein PCR-Test möglich

Dann, um 14.20 Uhr, stehen auf einmal nicht nur der Testkunde mit Termin vor der Tür, sondern noch drei weitere Personen, die sich testen lassen möchten. Drei von ihnen haben bereits ein positives Schnelltestergebnis vorliegen; zwei davon haben Selbsttests zuhause gemacht. Bei ihnen wird zunächst ein Schnelltest vor Ort durchgeführt. Bestätigt sich hier das positive Ergebnis, kann sofort ein PCR-Test zusätzlich durchgeführt werden. Der Selbsttest von zuhause spielt vor Ort keine Rolle, ist aber ein guter Hinweis. Burazor betont: „Man sollte ein positives Schnelltestergebnis nicht ignorieren. Unsere Erfahrung zeigt, dass ein Schnelltest, sofern er korrekt durchgeführt wird, sehr zuverlässig ist. Ein positives Schnelltestergebnis bedeutete bei uns bisher eigentlich immer auch ein positives Ergebnis aus dem Labor.“ Bei negativen Testergebnissen sei nicht dieselbe Zuverlässigkeit gegeben.

Das Testergebnis, das sich keiner wünscht, das aber seit Omikron deutlich häufiger auftritt: Zwei Striche stehen für „positiv“.
Das Testergebnis, das sich keiner wünscht, das aber seit Omikron deutlich häufiger auftritt: Zwei Striche stehen für „positiv“. | Bild: Lena Reiner

Für die Mitarbeiter vor Ort beginnt jeder Test mit demselben Vorgang: Die Personalien der zu Testenden werden gründlich überprüft.

Da müssen alle durch: Die Identität aller wird überprüft, damit das Testergebnis auch der richtigen Person zugewiesen ist.
Da müssen alle durch: Die Identität aller wird überprüft, damit das Testergebnis auch der richtigen Person zugewiesen ist. | Bild: Lena Reiner

Für einen PCR-Test wird der Abstrich in Nase und Mund beziehungsweise Rachen entnommen. Dann wird die Probe direkt in einem Röhrchen sicher verschlossen und für die Abholung durch den Kurierfahrer des Labors verpackt.

Erst ab ins Röhrchen, dann ab in die Tüte und dann ab ins Labor geht‘s für diesen Abstrich.
Erst ab ins Röhrchen, dann ab in die Tüte und dann ab ins Labor geht‘s für diesen Abstrich. | Bild: Lena Reiner

Für den PCR-Test im Labor ist der bürokratische Aufwand deutlich höher. Für den Schnelltest genügt ein Abstrich im vorderen Nasenbereich. Dieser Abstrich wird dann nicht in ein Röhrchen gepackt, sondern direkt aufgeträufelt und ausgewertet.

Der Schnelltest wird sofort nach der Entnahme der Probe ausgewertet.
Der Schnelltest wird sofort nach der Entnahme der Probe ausgewertet. | Bild: Lena Reiner

In der Teststation muss es auf einmal ganz schnell gehen. Denn wie Nina Burazor zuvor beschrieben hatte, steht nun direkt eine kleine Traube vor der Tür. Die meisten (Schnell-)Tests – auf die vier genannten folgen zeitnah noch einige mehr – bleiben an diesem Nachmittag negativ.

Lob für die Mitarbeiter, weil sie Abstrich vorsichtig entnehmen

Länger auf die Sicherheit warten muss Zeynep Yücel, da sie auf das Labor-Ergebnis angewiesen ist. Die Schülerin ist bereits zum zweiten Mal hier. Vater Can Yücel erzählt, während der Abstrich bei ihr entnommen wird: „Der Pooltest in der Schule ist positiv ausgefallen; da weiß man dann ja nie, wer von den Schülern eigentlich positiv ist.“ Vor genau einer Woche sei dieser Fall schon einmal eingetreten. Der PCR-Test seiner Tochter sei negativ ausgefallen, nun stünden sie erneut hier.

Er lacht: „Wahrscheinlich kommen wir bald jede Woche hierher.“ Etwas anstrengend sei das schon, schließlich müsse er sich extra frei nehmen, um seine minderjährige Tochter zu begleiten. Die Teststation jedenfalls könnten sie empfehlen, hier werde der Abstrich sehr vorsichtig entnommen: „Anderswo hat das meiner Tochter schon wehgetan; das muss ja nicht sein.“