Normalerweise herrscht in den Werkstätten von Skid (Sozialkulturelle Integrationsdienste) für Menschen mit Behinderungen reger Betrieb. Draußen wird Holz verarbeitet, drinnen gewerkelt und gezeichnet. Einige sitzen konzentriert für sich an detailreichen Arbeiten, andere sammeln sich um den großen Tisch und packen ihre Malutensilien aus. Doch seit Wochen herrscht hier Stille. Die 30 Menschen mit einer sogenannten geistigen Behinderung, die sonst hier ihren Alltag verbringen, gehören zur Risikogruppe. Sie werden jetzt in ihren Wohngruppen betreut oder leben bei den Eltern oder Verwandten. „Das ist für viele Klienten sehr schwer, da ihre Hauptstruktur wegbricht“, betont Irene Fechau, Leiterin des Kunstateliers. „Strukturen und eine verlässliche Routine sind für viele sehr wichtig und natürlich auch die sozialen Kontakte, die mit dem Arbeiten in den Werkstätten verbunden sind.“

Wegfall der Routine löst Ängste aus

Da die kunsttherapeutische Arbeit gerade nicht möglich ist, teilt sie sich mit ihren Kollegen die Betreuung in den Wohngruppen. Dort steht weniger die kreative Betätigung im Vordergrund, weil das nicht allen liegt, sondern mehr normale Verrichtungen im Haushalt wie kochen und backen. Zu den wichtigen Aufgaben der Betreuer dort gehört auch die Information der Klienten. „In Gesprächen vermitteln wir die aktuellen Corona-Regeln und versuchen sie möglichst verständlich runter zu brechen“, so Fechau weiter. Das Thema löse zusammen mit dem plötzlichen Wegfall der Routine auch Ängste aus. Einige der Klienten seien in den sozialen Netzwerken unterwegs und könnten manche der dort verbreiteten Infos nicht einordnen. Ihre Aufgabe ist es dann, Fehlinformationen richtigzustellen und Ängste zu nehmen. „Je größer die Unsicherheit, desto anfälliger sind die Leute für krude Theorien“, ergänzt Irene Fechau.

Verkauf der Nudeln geht weiter

Das könnte Sie auch interessieren

Die erzwungene Leere in den Werkstätten nutzen die Skid-Mitarbeiter gerade, um dort zu renovieren. Auch die Herstellung und der Verkauf von Nudeln sowie der Außer-Haus Verkauf des Bistros werden von den Angestellten aufrechterhalten.

Veranstaltungen sind derzeit nicht möglich

Das könnte Sie auch interessieren

Als der Lockdown alle Veranstaltungen unmöglich machte, war Irene Fechau mitten in den Vorbereitungen für die inklusive Schreibwerkstatt „Heraus mit den Sprachen“. Die Initiative stammt von dem Verein „Die Wortfinder“. Als Ersatz öffneten die Organisatoren den Literaturwettbewerb „Licht & Schatten, Hell & Dunkel, Tag & Nacht „ für alle Menschen mit einer Behinderung. Die Preisträger stehen noch nicht fest.

Jetzt wieder verfügbar: die Digitale Zeitung mit dem neuen iPad und 0 €* Zuzahlung

*SÜDKURIER Digital inkl. Digitaler Zeitung und unbegrenztem Zugang zu allen Inhalten und Services auf SÜDKURIER Online für 34,99 €/Monat und ein iPad 10,2“ (32 GB, WiFi) für 0 €. Mindestlaufzeit 24 Monate. Das Angebot ist gültig bis zum 12.07.2020 und gilt nur, solange der Vorrat reicht. Ein Angebot der SÜDKURIER GmbH, Medienhaus, Max-Stromeyer-Straße 178, 78467 Konstanz.