Auf ein „sehr volles Jahr“ an Themen, Aktionen und Herausforderung blickte Integrationsbeauftragte Elke Dachauer in ihrem Bericht im Ausschuss Bildung, Kultur und Soziales in Überlingen zurück. Ihre Übersicht reichte von einem erlebnisreichen Tag der Vielfalt bei der Landesgartenschau und einer Neuauflage des Formats „Deutsch to go“ bis zu virtuellen und persönlichen Netzwerktreffen mit haupt- und ehrenamtlichen Helfern. Dazu kamen Aufgaben in Zusammenhang mit der Pandemie. „Corona hat viel Aufwand gekostet“, sagte Elke Dachauer. Geflüchtete Menschen zu informieren und nach Infektionen zu isolieren, habe allen Beteiligten viel abverlangt.

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Angespannter Wohnungsmarkt schafft besondere Herausforderungen

Zu den Hauptaufgaben des Sachgebiets Integration gehört die Unterbringung von Flüchtlingen in einer Anschlussunterkunft (AU). Hier stellten der angespannte Wohnungsmarkt und eine veränderte Situation, was den familiären und rechtlichen Status der Migranten angehe, das Team vor besondere Herausforderung. Es gebe in Überlingen 79 vor allem alleinstehende Menschen mit unsicherem Aufenthaltstitel und wenig Bleibeperspektive in Deutschland. Diese Flüchtlinge hätten kein Anrecht auf einen Sprachkurs und dürften nicht arbeiten. „Die sind hier nicht angekommen, die kann ich nicht integrieren!“

Elke Dachhauer, hier auf einem Archivbild von 2018: „Die Menschen haben keine Bleibeperspektive und oft eine traumatische Flucht hinter sich. Die Unterkunft ist die einzige Sicherheit in ihrem Leben.“
Elke Dachhauer, hier auf einem Archivbild von 2018: „Die Menschen haben keine Bleibeperspektive und oft eine traumatische Flucht hinter sich. Die Unterkunft ist die einzige Sicherheit in ihrem Leben.“ | Bild: Archiv

Anschlussunterbringung entspricht nicht mehr dem Bedarf

In Überlingen gibt es zehn Wohngruppen, in denen Flüchtlinge sich die Wohnung und zum Teil auch die Schlafzimmer teilen. Als Beispiel nannte Elke Dachauer die temporäre Anschlussunterbringung am Schättlisberg. Hier stehen bis zu vier Erwachsenen ein Schlafraum, eine Küche und ein Bad zur Verfügung. „Die kleinen Wohneinheiten in der AU entsprechen nicht mehr dem Bedarf“, erläuterte Dachauer. „Heute würde man einen Bau anders planen. Die Leute brauchen Rückzugsmöglichkeiten.“

Wohngruppen müssen immer wieder neu zusammengestellt werden

Die Integrationsbeauftragte schilderte, dass sie bei Neuankünften oder Auszügen immer wieder Anpassungen bei der Zusammenstellung der Gruppen vornehmen müssten. Das löse bei den Betroffenen zum Teil existentielle Ängste und nicht selten dramatische Szenen aus. „Die Menschen haben keine Bleibeperspektive und oft eine traumatische Flucht hinter sich. Die Unterkunft ist die einzige Sicherheit in ihrem Leben.“

Überlingen muss kommendes Jahr wieder mehr Menschen aufnehmen

Zwar hätten sich die Zuweisungen an neuen Flüchtlingen aus dem Bodenseekreis im vergangenen Jahr nicht zuletzt wegen der Pandemie in Grenzen gehalten, sagte Dachauer, dennoch müsse in diesem Jahr noch für 20 Menschen eine Unterkunft gefunden werden. Wegen der momentan allgemein steigenden Flüchtlingszahlen werden es im nächsten Jahr wieder mehr Menschen sein, die die Stadt Überlingen aufnehmen muss, sagte die Integrationsbeauftragte. „Wir brauchen dringend Wohnungen oder Grundstücke für den Bau von Anschlussunterkünften.“

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Zeitler hält Erweiterung am Schättlisberg für wenig sinnvoll

Sitzungsleiter Oberbürgermeister Jan Zeitler bestätigte, dass man momentan mit dem Fortschritt der Suche nach Wohnraum nicht zufrieden sein könne: „Wir sind in der Defensive und müssen Wohnraum schaffen.“ Eine Erweiterung der temporären Unterkunft auf dem Schättlisberg um einen zweiten Bauabschnitt halte er für wenig sinnvoll, da die Genehmigung auf zehn Jahre begrenzt sei.

Im Januar 2020 waren die ersten Bewohner eingezogen. Kurz zuvor hatte die bauliche Abnahme stattgefunden. Seit diesem Tag läuft die Frist inklusive eines möglichen zweiten Bauabschnitts. Zeitlers Resümee lautete: „Anmietung ist besser als neu bauen.“

Verwaltung „in Gesprächen“ zu möglichen Wohnobjekten

Die Stadträte zeigten Betroffenheit ob der Zustände. Ulf Janicke (LBU/Grüne) bezeichnete die Situation von Flüchtlingen ohne Bleibeperspektive als unhaltbaren Zustand. Dazu erschwere Corona gerade die Situation. „Die Menschen leben auf engem Raum, es gibt keine Impfpflicht. Das ist eine extrem schwere Situation, auf die wir im Grunde keine Antwort haben.“

Günter Hornstein (CDU) meinte: „Es gibt viele leerstehende Liegenschaften, die Stadt muss auf die Eigentümer zugehen.“ Dem schloss sich Kristin Müller-Hausser an, die vorschlug, sich zum Beispiel um eine wenn auch temporäre Anmietung der Kramer-Häuser in der Nussdorfer Straße zu bemühen. Jan Zeitler wollte das nicht kommentieren oder mögliche Objekte öffentlich benennen, um die Verhandlungsposition nicht zu beeinflussen. „Wir sind in Gesprächen“, lautete seine Antwort.