Der kleine Moritz macht große Augen: Beharrlich hat sich Mathilda durch den Raum geschoben und zupft nun an seiner Decke. Vom sicheren Schoß seiner Mutter aus genießt er die Kontaktaufnahme des Mädchens. „Den ganzen Tag daheim zu sein, ist ihm zu langweilig“, sagt Charlotte Adam. Daher ist die junge Mutter froh, dass der Familientreff Kunkelhaus einen Schwangeren- und Babytreff anbietet. Anja Traube, Mathildas Mutter, ist ebenfalls dankbar für das Angebot: „Ich glaube, dass es schön ist für die Babys, andere Babys zu sehen.“

Junge Eltern finden schnell Anschluss

Auch für die Mütter ist die von Sarah Schneider geleitete Gruppe eine wichtige Anlaufstelle: Hier tauschen sie sich über Themen wie Beikost und schlaflose Nächte aus und knüpfen Kontakte. Mina Schumacher ist erst vor einigen Wochen nach Überlingen gezogen und kam bei ihrer Suche nach Anschluss schnell auf den Familientreff.

„Es ist gut, wenn es ein Angebot wie den Babytreff gibt, wo man andere in derselben Situation trifft“, sagt sie. Dass das in den vergangenen zwei Jahren nicht so einfach war, bestätigt Maria Angeles Martínez Page: „Als ich von Spanien hergezogen bin, hat Corona gerade begonnen. Da war es nicht leicht, jemanden kennenzulernen.“

Freya Kölble, Vorsitzende des Vereins, mit ihrer Tochter Sara und Treffleiterin Martina Fahlbusch-Nährig.
Freya Kölble, Vorsitzende des Vereins, mit ihrer Tochter Sara und Treffleiterin Martina Fahlbusch-Nährig. | Bild: Miriam Altmann

Land unterstützt Arbeit durch Programm Stärke

Martina Fahlbusch-Nährig, die den Familientreff leitet, beschreibt ihn als erste wohnortnahe Anlaufstelle für Familien, wo Freundschaften fürs Leben entständen. „Um dies auch in Corona-Zeiten zu ermöglichen, haben die Familientreffs im Bodenseekreis ein Hygienekonzept und tun alles, damit die Angebote vor Ort möglich sind“, hebt die Sozialpädagogin hervor.

Im ersten Lockdown habe man schnell versucht, auf online umzustellen. „Onlinegruppen sind zwar eine Krücke, aber wir wollten es ausprobieren, um zu sagen: Du bist nicht allein in deiner Wohnung.“ Das Landesprogramm Stärke eröffne Familientreffs weitere finanzielle Möglichkeiten, um die Auswirkungen der Pandemie auf Familien abzupuffern, fügt Martina Fahlbusch-Nährig hinzu.

Erfolg mit abendlichen Online-Angeboten für Eltern

Manches, was sich aus der Pandemie heraus entwickelte, sei sehr erfolgreich gewesen: „Was sich gut bewährt hat, sind die Online-Elternbildungsangebote am Abend.“ Die wolle man als Ergänzung zu den Präsenzangeboten beibehalten. Durch die Pandemie habe sich allerdings eine Entwicklung verstärkt, die sich schon seit Jahren abzeichne: „Es ist immer schwieriger geworden, Menschen zu finden, die sich ehrenamtlich einbringen.“ Da Mütter heute wieder früher nach der Geburt arbeiten gehen, verkürze sich die Zeitspanne, in der sie sich engagieren könnten.

Der neu gewählte Vorstand (von links): Stephi Weber (stellvertretende Vorsitzende), Susi Fischler (Kassiererin A), Sandra Heuser ...
Der neu gewählte Vorstand (von links): Stephi Weber (stellvertretende Vorsitzende), Susi Fischler (Kassiererin A), Sandra Heuser (Kassiererin B), Yvonne Jekat (Schriftführerin) und Freya Kölble (Vorsitzende). | Bild: Miriam Altmann

Schwierig, Ämter im Vorstand neu zu besetzen

Freya Kölble, neu gewählte Vorsitzende des Vereins im Familientreff, ergänzt: „Aus dieser Situation heraus und weil in den letzten beiden Jahren weniger persönlicher Kontakt möglich war, war es auch schwieriger, neue Vorstandsmitglieder zu finden.“ Kölble war die vergangenen drei Jahre für die Finanzen zuständig und sprang nun in die Bresche, als das Amt der Vorsitzenden frei wurde. „Ich habe jetzt viele Aufgaben, von denen ich nicht wusste, dass es sie gibt“, sagt Freya Kölble lachend. Aber sie habe Lust auf etwas Neues gehabt und es mache Spaß.

Der Raum für die Vormittagsbetreuung wurde 2019 neu möbliert und kann nun genutzt werden.
Der Raum für die Vormittagsbetreuung wurde 2019 neu möbliert und kann nun genutzt werden. | Bild: Miriam Altmann

Nach einem Jahr Pause wieder Ferienbetreuung möglich

Dass das Vorstandsteam in dieser Amtszeit nur aus fünf Personen besteht, sei kein Problem. „Wir haben uns zusammen überlegt, welche Aufgaben wir bewältigen können und was am Wichtigsten ist“, erläutert die dreifache Mutter. „Wenn wir uns richtig eingearbeitet haben, werden wir uns darum kümmern, neue Angebote und Ideen zu entwickeln.“

Bereits jetzt sei ein Bewegungsangebot für Eltern mit Kindern ab dem Laufalter im Programm und im Herbst starte ein Kreativangebot für Eltern mit Kindern im Kindergartenalter, teilt Martina Fahlbusch-Nährig mit. Auch die Ferienbetreuung des Vereins finde nach einem Jahr Pause nun wieder statt. „Wir freuen uns, dass wir wieder mehr Kontakt haben und Angebote in Präsenz stattfinden lassen können“, bilanziert die Treffleiterin.