Fahrlehrer Carlo Kracheel kann in seinem Theorieraum aktuell nur elf statt der sonst üblichen rund 20 Schüler unterrichten. Siegfried Matutis hat in seiner Fahrschule aufgrund der Corona-Abstandsregeln nur zehn Plätze sowie zwei Notsitze für Schüler, die kurz vor ihrer Prüfung stehen. Ohne Anmeldung für den Theorieunterricht geht derzeit in der Regel nichts.

Siegfried Matutis in seinem Raum für den Theorieunterricht.
Siegfried Matutis in seinem Raum für den Theorieunterricht. | Bild: Timm Lechler

Dass in Fahrschulen die Teilnehmerzahl begrenzt ist, ist aber nicht das einzige Problem. Der Ansturm an neuen Fahrschülern ist groß, die Kapazitäten der wenigen Fahrlehrer sind, genauso wie auch die Prüfplätze des TÜV, begrenzt, berichtet etwa Fahrschulinhaber Carlo Kracheel. „Fahrlehrer zu finden ist schwierig“, sagt er. Die Folge: Zum einen müssen sich Fahrschüler teils gedulden, bis sie mit der Ausbildung überhaupt starten können. Zum anderen kann sich der Kurs in die Länge ziehen.

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Der eine oder andere Fahrschüler stellt sich da die Frage: Wie komme ich trotz des großen Andrangs in den Fahrschulen so schnell wie möglich an meinen Führerschein? Die Überlinger Inhaber Holger Wieland, Siegfried Matutis und Carlo Kracheel geben Ratschläge.

Seine Kollegen Carlo Kracheel und Holger Wieland, mit denen sich Matutis immer wieder austausche, seien aktuell genau wie er intensiv ausgelastet. „Darüber sind sich die Schüler größtenteils bewusst“, stellt Matutis fest.

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Ein junger Mann sei aber beispielsweise kürzlich auf ihn zugekommen und habe gesagt, dass er den Führerschein gerne innerhalb von zehn Wochen durchziehen möchte: „Ich habe ihm sofort klar gemacht, dass das bei mir nicht funktionieren wird. Es ist schlichtweg nicht machbar.“ Transparenz sei da unheimlich wichtig.

Matutis will Wiederholungsprüfungen vermeiden

Zumal die Ausbildung in den vergangenen Jahren angezogen habe: „Das Lernen darf man auf keinen Fall auf die leichte Schulter nehmen. Die Fragen müssen dauerhaft wiederholt werden.“

Weil Matutis vermeiden will, dass Schüler die Theorie unterschätzen, gibt es bei ihm eine, wie er selbst findet, strenge Regel: Erst wenn ein Schüler einen Lernstatus von 97 Prozent erreicht hat – also so gut wie alle Fragen richtig beantworten kann – darf er sich zur Prüfung anmelden. Damit wolle er Wiederholungsprüfungen vermeiden, sagt Matutis.

Holger Wieland darf wegen der Abstandsregeln derzeit nur zwölf Schüler pro Einheit unterrichten.
Holger Wieland darf wegen der Abstandsregeln derzeit nur zwölf Schüler pro Einheit unterrichten. | Bild: Julian Widmann

Kracheel: „Um den Papierkram kümmern“

Sich bevor man überhaupt anfängt „um den Papierkram kümmern“ – diesen Tipp gibt Carlo Kracheel Fahrschülern. Denn man dürfe es nicht unterschätzen, wie viele Unterlagen eingereicht werden müssen. „Es kommt nicht selten vor, dass beispielsweise der Erste-Hilfe-Kurs von Fahrschülern vergessen wird“, sagt er.

In der Fahrschule Kracheel geht es in der Praxis mit dem Automatikwagen los. Erst wenn die Grundaufgaben beherrscht werden, erfolgt der Wechsel auf den Schaltwagen.
In der Fahrschule Kracheel geht es in der Praxis mit dem Automatikwagen los. Erst wenn die Grundaufgaben beherrscht werden, erfolgt der Wechsel auf den Schaltwagen. | Bild: Julian Widmann

Daher rät er gerade aktuell, längerfristig zu planen. Ein halbes Jahr vor dem Geburtstag könne man ja bereits anfangen. Dieses Angebot würden auch einige nutzen. Grundsätzlich stellt Kracheel fest: „Bei mir normalisiert sich so langsam alles wieder.“

Unterschiedliche Konzepte der Fahrschulen

Sowohl für die Theorie als auch die Praxis haben Fahrschulen verschiedene Konzepte. Einige haben zum Beispiel einen Fahrschulsimulator, mit dem die Fahrschüler zu Beginn der Praxisphase trainieren können. Ein Überblick der Überlinger Fahrschulen:

  • Kracheel: Bei Carlo Kracheel werden die 14 notwendigen Theorie-Einheiten innerhalb von einer Woche durchgezogen. Im Anschluss daran findet vier Wochen lang kein Theorieunterricht statt, dann startet der nächste Kurs. In der Praxis beginnen die Fahrschüler bei ihm mit einem Automatikauto. Erst wenn die Grundaufgaben beherrscht werden, erfolgt der Wechsel auf einen Schaltwagen.
  • Wieland: Die Fahrschule bietet viermal pro Woche Theorieunterricht an. Zudem kann durch die eigene Erste-Hilfe Ausbilderin der Erste Hilfe-Kurs in der Fahrschule absolviert werden. Bei Holger Wieland ist, im Gegensatz zu vielen anderen Fahrschulen, der Übergang zwischen Theorie und Praxis fließend – sprich: praktische Fahrstunden sind vor der bestandenen Theorieprüfung möglich.
  • Matutis: Für die ersten praktischen Fahrstunden der Schüler hat sich Siegfried Matutis einen Fahrschulsimulator angeschafft. Bevor sie am Straßenverkehr teilnehmen, lernen sie mit diesem die Grundlagen. Für die Gestaltung des Theorieunterrichts setzt er sich, wie er selbst sagt, immer wieder mit modernen technischen Hilfsmitteln auseinander.