Die Lakewood Green Olive High School ist eine Sekundarschule in Tezo im kenianischen Distrikt Kilifi. Das Besondere an ihr ist, dass sie durch zahlreiche Spendengelder aus der Bodenseeregion aufgebaut wurde. Sie bietet mittlerweile etwa 150 Kindern und Jugendlichen die Chance auf eine aussichtsreiche Zukunft. „Das Motto dabei lautet von Beginn an: Hilfe zur Selbsthilfe“, erklärt Franz Seehuber aus Überlingen, der 2006 gemeinsam mit seinem Bruder Johann den Verein Green Olive gründete und sich seit 2007 maßgeblich für den Aufbau und Weiterentwicklung der Schule und das Internat einsetzt.

Einheimische sind in alle Schritte eingebunden

Dabei werden in alle Entscheidungen und Aktivitäten Einheimische eingebunden. „Mittlerweile sind bei Neubau-Projekten Architekten von vor Ort dabei“, sagt Franz Seehuber. „Auch die Finanzplanung und Umsetzung findet mit Spezialisten und Handwerkern aus Kenia statt.“ Selbst die Schule wird bereits von Einheimischen geführt. Das Management hat Ruth Wanyiru Seehuber inne. Sie ist Kenianerin und wurde vom Überlinger und seiner Frau Anita adoptiert. „Es ist zwingend notwendig, dass wir nicht nur Geld geben, sondern die Kenianer beschäftigen“, betont Franz Seehuber. Gemeinsam mit ihrem Mann Thomas Engelhart, der ebenfalls Kenianer ist, sorgt Ruth Wanyiru Seehuber für das Wohl der Schule. Und diesbezüglich haben sie einiges zu tun.

Der Überlinger Franz Seehuber (rechts) bei seinem letzten Besuch im Januar 2020 in der Lakewood Green Olive High School bei der Planung ...
Der Überlinger Franz Seehuber (rechts) bei seinem letzten Besuch im Januar 2020 in der Lakewood Green Olive High School bei der Planung des Wasserturms mit einem Mitarbeiter vor Ort. | Bild: Green Olive

Neues Schulsystem erfordert große Umstellungen

In den vergangenen eineinhalb Jahren wurden zwei neue Gebäude gebaut. Zum einen ist ein Wasserturm zur besseren Versorgung entstanden, in dem auch eine Corona-Quarantäne-Station integriert ist, und zum anderen wurde ein zweistöckiges Gebäude mit Krankenstation sowie Verwaltungs- und Administrationsbereich aufgebaut. Nun warten aber noch gravierendere Umstellungen auf die Schulmanagerin, denn in Kenia wird das komplette Schulsystem geändert. Ab dem Schuljahr 2024 sind die Schüler sechs Jahre anstatt bislang vier in der Sekundarschule. Dies bedeutet für die Lakewood Green Olive High School, dass die Anzahl der Schüler von etwa 150 auf über 200 steigen wird.

Schülerinnen und Schüler der Lakewood Green Olive Highschool freuen sich über das neue Gebäude, das im vergangenen Jahr gebaut wurde.
Schülerinnen und Schüler der Lakewood Green Olive Highschool freuen sich über das neue Gebäude, das im vergangenen Jahr gebaut wurde. | Bild: Green Olive

„Das stellt uns natürlich vor riesige Herausforderungen“, erklärt Ruth Wanyiru Seehuber. „Wir benötigen vor allem neue Schlafplätze für die Mädchen.“ Deshalb gibt es erneut ganz konkrete Baupläne. Entstehen soll ein weiteres zweistöckiges Gebäude, in dem es mehr als 50 Schlafplätze für Mädchen sowie einen Computerraum und eine Bibliothek geben wird. „Baubeginn ist in der letzten Januarwoche“, berichtet die Schul-Managerin. Während der Examenszeit im März werden die Bauarbeiten etwa vier Wochen ruhen, danach soll es weitergehen, so dass das Gebäude bis spätestens im Herbst bezugsfertig ist.

Finanzierung für neues Fußballfeld steht noch nicht

Der Bau des zweistöckigen Hauses, das mit knapp 100 000 Euro veranschlagt ist, ist aber nur ein Teil der großen Umstellungen, denn: „Wir haben zwar schon ein Basketball- und ein Volleyballfeld“, so Ruth Wanyiru Seehuber. „Das kenianische Schulministerium schreibt aber auch ein Fußballfeld vor, damit wir als Sekundarschule weiterarbeiten können.“ Die ersten Pläne gibt es zwar bereits, aber die Umsetzung steht noch in den Sternen. „Wir würden natürlich sehr gerne einen guten und ordentlichen Fußballplatz bauen“, erklärt Franz Seehuber. „Allerdings steht die Finanzierung bislang noch nicht.“ Da der Verein ausschließlich auf Spenden angewiesen ist, erhofft sich der Initiator weitere Unterstützung.

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Dabei steht der Überlinger in sehr engem Kontakt mit seiner Adoptivtochter und dem Team. „Sie sind der Garant dafür, dass alle Spendengelder auch ankommen und vor allem sinnvoll investiert werden“, betont er. „Da wir ein kleiner Verein sind, haben wir auch kaum Verwaltungskosten. Diese sind geringer als ein Prozent.“ Zudem lobt Franz Seehuber die gute Koordination und Disziplin vor Ort. Dies helfe auch in puncto Corona.

Ruth Wanyiru Seehuber und Thomas Engelhart managen die Lakewood Green Olive Highschool in Tezo im Distrikt Kilifi.
Ruth Wanyiru Seehuber und Thomas Engelhart managen die Lakewood Green Olive Highschool in Tezo im Distrikt Kilifi. | Bild: Green Olive

Konsequenter Umgang mit der Corona-Pandemie

„Wir haben uns im seit 2020 sehr gut auf die Situation eingestellt“, erklärt die Schul-Managerin. „Jeder trägt einen Mundschutz, wir messen täglich zwei Mal Fieber bei den Schülerinnen und Schülern, und es gibt zahlreiche Desinfektionsspender und Waschmöglichkeiten auf dem Gelände.“ Auch wenn es aktuell keinen Fall an der Lakewood Green Olive High School gibt, wurde eine eigene Quarantänestation eingerichtet, um sofort reagieren zu können.

Zu Verein und Hilfsmöglichkeiten

Selbst als die Schule wegen der Pandemie schließen musste, konnten die Lehrer durch den Verein Green Olive weiterbezahlt werden. „Die Hilfe aus Deutschland ist vor allem in der jetzigen Zeit unglaublich wichtig“, erzählt Ruth Wanyiru Seehuber. „Nicht nur wegen der Pandemie, sondern auch wegen der Neuausrichtung des Schulsystems.“ Und diesbezüglich setzt sich Franz Seehuber weiterhin mit aller Kraft ein. „Wir verteilen Flyer und informieren vielerorts über unseren Verein“, erklärt der Büchsenmachermeister und staatlich geprüfte Schießlehrer. „Ich kenne viele Jäger und Schützen durch mein Hobby. Von ihnen kommen sehr viele Spenden, worüber ich sehr dankbar bin.“

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