August Kästner und seine Frau Edeltraud warten seit fünf Monaten darauf, dass der Tennisclub Salem wieder seine Türen öffnen darf. Seit November ist das Training im Verein eingestellt. Grund ist die aktuelle Corona-Verordnung, die den Betrieb von Sportvereinen verbietet. Für das Ehepaar Kästner ist das eine kleine Katastrophe, wie sie dem SÜDKURIER erzählen.

Etwa zwei bis drei Tage pro Woche verbrachten die Senioren zuvor auf dem Tennisplatz. Nun fehlen ihnen die Bewegung und der Kontakt zu den anderen Vereinsmitgliedern. „Es heißt nicht umsonst: wer rastet, der rostet“, sagt August Kästner. „Wir müssen uns bewegen. Das ist für die gesamte geistige und körperliche Fitness wichtig.“

Diese Regeln gelten für den Sport

Bis November trainierte August Kästner mindestens zwei Mal wöchentlich mit seinen Mannschaftskollegen, bis die Corona-Pandemie den Alltag der Menschen bestimmte, nahm er außerdem an Wettkämpfen der sogenannten Nebenrunde teil. „Tennis fehlt mir total“, betont der 73-Jährige.

Auch seine Frau Edeltraud Kästner vermisst die Bewegung. „Sport ist gut für die Seele und Psyche. Es tut mir einfach gut“, sagt die Hobbyspielerin. Ein wichtiger Aspekt für die 71-Jährige sei auch der generationsübergreifende Kontakt: „Normalerweise haben wir Senioren auch viel mit den Kindern im Verein zu tun und kümmern uns gerne. Das fehlt natürlich auch.“

Norbert Asprion (von links), Edeltraud und August Kästner vermissen das Tennisspielen auf der Anlage in Salem. In Zeiten fernab von Corona sind die Senioren zwei bis drei Mal pro Woche auf dem Tennisplatz.
Norbert Asprion (von links), Edeltraud und August Kästner vermissen das Tennisspielen auf der Anlage in Salem. In Zeiten fernab von Corona sind die Senioren zwei bis drei Mal pro Woche auf dem Tennisplatz. | Bild: Mona Lippisch

Edeltraud Kästner wisse, dass auch die Kleinen unter der aktuellen Sportpause leiden. „Kinder müssen daheim bleiben, während die Eltern im Homeoffice sind. Sie haben keine Abwechslung mehr, keinen Ausgleich“, sagt die Seniorin. Für sie sei es „unlogisch“, dass im Supermarkt zahlreiche Menschen einkaufen und Sport unter Einhaltung der Abstandsregeln nicht stattfinden darf.

Ihrem Mann August Kästner geht es ähnlich. Er versteht die Einschränkungen des Landes nicht, die es aktuell für seinen Lieblingssport gibt. Vergangenes Jahr habe das Training in den Hallen und auf den Außenplätzen unter Auflagen auch funktioniert, erzählt der Senior. „Wir hatten auf dem Weg in die Halle Masken an und haben Abstand gehalten. Das ist ja kein Problem beim Tennisspielen.“

Edeltraud und August Kästner sowie Norbert Asprion (von links) hoffen, dass sie nach etwa vier Monaten Corona-Zwangspause bald wieder Tennis spielen dürfen.
Edeltraud und August Kästner sowie Norbert Asprion (von links) hoffen, dass sie nach etwa vier Monaten Corona-Zwangspause bald wieder Tennis spielen dürfen. | Bild: Mona Lippisch

Auch August Kästners Mannschaftskollege Norbert Asprion leidet unter dem fehlenden Tennissport. Er sagt deutlich: „Der Sport zwei bis drei Mal wöchentlich fehlt mir.“ Statt Tennis müssen nun Alternativen her. Asprion erzählt, dass er zurzeit gerne Spaziergänge mit seiner Frau macht.

Denn auch das Fitnessstudio, das er normalerweise besucht, ist momentan coronabedingt geschlossen. „Und Skifahren war diesen Winter auch nicht möglich. Dabei hatten wir so tollen Schnee“, sagt der 74-Jährige. Immerhin würde er die neu gewonnene Zeit nutzen, um neue Rezepte auszuprobieren. „Dafür hatte ich sonst nie Zeit“, sagt Asprion und lächelt.

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Tennisspieler des Clubs in Überlingen vermissen besonders die Geselligkeit

Ähnliche Erfahrungen wie die Senioren im Salemer Tennisclub machen auch die älteren Spieler im TC 1902 Überlingen. Für Reiner Nägele und Michael Durban sind die Tennisplätze des Clubs ihr zweites Zuhause. Gewöhnlich verbringen sie mehrere Tage pro Woche auf oder an den roten Plätzen.

„So eine lange Pause hatten wir noch nie. Für uns alte Menschen ist es jämmerlich, dass wir kein Tennis spielen können“, sagt Durban. Er ist 76 Jahre alt und schätzt an dem Ballsport besonders, dass er das Tempo des Spiels selbst steuern kann. „Es ist der ideale Sport für Senioren.“ Doch Michael Durban weiß auch: „Corona ist Corona. Und eine Ausnahmegenehmigung, damit wir Tennisspielen können, würde ja auch blöd ankommen.“

Michael Durban, Mitglied im TC 1902 Überlingen: „Corona ist Corona. Und eine Ausnahmegenehmigung, damit wir Tennisspielen können würde ja auch blöd ankommen.“
Michael Durban, Mitglied im TC 1902 Überlingen: „Corona ist Corona. Und eine Ausnahmegenehmigung, damit wir Tennisspielen können würde ja auch blöd ankommen.“ | Bild: Mona Lippisch

Doch Tennis sei weitaus mehr, als nur Bewegung, betont Durban. „Der Sport hat einen sozialen Faktor“, sagt er. Und Reiner Nägele ergänzt, dass ihm die Geselligkeit fehle, die das Tennisspielen mit sich bringe. „Wenn wir zwei Stunden spielen, wollen wir danach mindestens zwei Stunden zusammen sitzen“, sagt Nägele und lacht.

Rainer Nägele, Mitglied im TC 1902 Überlingen: „Wenn wir zwei Stunden Spielen, wollen wir danach mindestens zwei Stunden zusammen sitzen.“
Rainer Nägele, Mitglied im TC 1902 Überlingen: „Wenn wir zwei Stunden Spielen, wollen wir danach mindestens zwei Stunden zusammen sitzen.“ | Bild: Mona Lippisch
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Trainingsraum des Karateclubs Dojo in Überlingen ist seit November ungenutzt

Auch die Mitglieder der Ü-50-Gruppe im Karateclub Dojo in Überlingen vermissen die regelmäßigen Trainingseinheiten – und das gemeinsame Plaudern in geselliger Runde nach dem Sport. Christine Winter ist zwar mit 57 Jahren noch keine Seniorin, merkt aber bereits, wie die fehlende Bewegung an ihr nagt.

Christine Winter (57), Mitglied im Karateclub Dojo in Überlingen: „Ab einem gewissen Alter baut die Muskulatur einfach schneller ab.“
Christine Winter (57), Mitglied im Karateclub Dojo in Überlingen: „Ab einem gewissen Alter baut die Muskulatur einfach schneller ab.“ | Bild: Mona Lippisch

„Ab einem gewissen Alter baut die Muskulatur einfach schneller ab und man kann sich auch nicht mehr so schnell regenerieren wie in jungen Jahren“, sagt sie. Bereits vorhandene „Zipperlein“ – Arthrose in den Knien oder Rückenbeschwerden – würden durch fehlende Bewegung ebenfalls verstärkt. „Da lässt sich sonst mit Sport viel kompensieren“, weiß Winter aus Erfahrung.

Umso mehr fehlen der 57-Jährigen die regelmäßigen Karatestunden im Überlinger Haus der Vereine. Selbst, wenn die Motivation manchmal nicht besonders groß war, habe sich Winter stets überwunden und sei zum Training erschienen. „Alleine, um die Leute zu sehen und am Ball zu bleiben“, sagt sie.

Normalerweise findet in diesem Raum fast täglich Karatetraining statt. Seit November bleibt die Halle leer, weil das Training coronabedingt verboten ist.
Normalerweise findet in diesem Raum fast täglich Karatetraining statt. Seit November bleibt die Halle leer, weil das Training coronabedingt verboten ist. | Bild: Mona Lippisch

Auch Erich Heggenberger betont, dass die Gruppe ihn motiviert. Der 63-Jährige ist seit etwa 40 Jahren im Karatesport aktiv und leitet selbst einen Anfängerkurs. „Das Training zu Hause, das Spazierengehen und Fahrradfahren – das alles ersetzt Karate nicht“, sagt er.

Erich Heggenberger (63), Trainer und Sportler Karateclub Dojo in Überlingen: „Das Training zu Hause, das Spazierengehen und Fahrradfahren ersetzt Karate nicht.“
Erich Heggenberger (63), Trainer und Sportler Karateclub Dojo in Überlingen: „Das Training zu Hause, das Spazierengehen und Fahrradfahren ersetzt Karate nicht.“ | Bild: Mona Lippisch

Für Heggenberger wäre ein Training momentan unter Einhaltung einiger Maßnahmen durchaus möglich. Bevor der Vereinssport im November verboten wurde, habe das Training schließlich auch regelmäßig stattgefunden. „Das Duschen war verboten, die Kontaktdaten wurden registriert und wir haben Bereiche in der Halle abgeklebt, damit der Abstand eingehalten wird“, zählt Heggenberger auf.

So wie Christine Winter und Erich Heggenberger gehe es laut Walter Schneider allen Mitgliedern der Ü-50-Gruppe im Karateverein. Der 69-Jährige ist Leiter der Gruppe und weiß, wie sehr der Sport den Teilnehmern fehlt. „Gerade die feste Taktung des Trainings ist für ältere Menschen eine wichtige Struktur im Alltag“, sagt Schneider.

Walter Schneider, Trainer der Ü-50-Gruppe im Karateclub Dojo in Überlingen: „Ich telefoniere regelmäßig mit den Gruppenteilnehmern, um zu hören, wie es ihnen geht.“
Walter Schneider, Trainer der Ü-50-Gruppe im Karateclub Dojo in Überlingen: „Ich telefoniere regelmäßig mit den Gruppenteilnehmern, um zu hören, wie es ihnen geht.“ | Bild: Mona Lippisch

„Ich telefoniere regelmäßig mit den Gruppenteilnehmern, um zu hören, wie es ihnen geht. Alle vermissen das Training und das Team“, erzählt Schneider. „Wir können nur hoffen, dass die Corona-Regeln für den Sport im Verein bald gelockert werden.“

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