Von den vier Anbietern, die sich als Veranstalter für das Sommertheater 2021 bis 2023 beworben hatten, schälten sich im Kulturausschuss zwei Favoriten heraus, die das Gremium dem Gesamtgemeinderat einstimmig empfiehlt: RAW Veranstaltungen von Reinhard A. Weigelt sowie Simeon Blaesis Bühne gGmbH in Kooperation mit dem Förderverein Sommertheater Überlingen.

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Beide Bewerber sind als Kulturveranstalter in Überlingen seit langem bekannt: So stellt Weigelt seit über zehn Jahren in Eigenregie das Kleinkunstfestival Kultur im Kapuziner auf die Beine. Weigelt möchte diese Veranstaltung mit dem Sommertheater verschmelzen und visiert von Mitte Juni bis Ende August insgesamt rund 40 Veranstaltungen an. Die „Bühne“ hat unter anderem bereits etliche Open-Air-Kino-Festivals organisiert und arbeitete schon beim Sommertheater 2017 und 2018 mit dem Förderverein zusammen. Ihr Profil fürs Sommertheater, für das sie sechs bis zwölf Aufführungen vorsieht, beinhaltet Schauspiel, Musik und Tanz. Der Förderverein unterstützt das Sommertheater seit 1985, erst in Meersburg, seit 2003 dann in Überlingen, 2019 trat der Verein sogar als alleiniger Veranstalter auf.

Mitbewerber aus Melchingen und Salem

Die beiden weiteren Bewerber waren die Stiftung Theater Lindenhof aus Melchingen und der Kulturverein AffenArt mit seinem Leiter Jonathan Skawski aus Salem. Das Theater Lindenhof würde fürs Sommertheater hohe Landeszuschüsse erhalten: jährlich 60.000 Euro zuzüglich zu den 30.000 Euro von der Stadt. Dafür sei aber eine Vertragslaufzeit mit der Stadt von mindestens drei Jahren zwingend. Außerdem brauche man „eine weitreichende organisatorische Unterstützung“ durch die Stadt und den Förderverein. Skawski hingegen hatte versichert, er komme für die in Aussicht gestellten sechs bis acht Aufführungen – Musik- und Improvisationstheater – mit 9000 Euro an städtischem Zuschuss aus. Kulturamtsleiter Michael Brunner, der die Angebote vorstellte, meinte: „Es sind alle vier gute Bewerbungen, man möchte eigentlich alles haben.“

Heimvorteil für RAW und Blaesi

Doch Bekanntheitsgrad und Heimvorteil von RAW und „Bühne“ spielten für die Präferenzen im Ausschuss eine erhebliche Rolle. So meinte Günter Hornstein (CDU), der RAW „einen leichten Vorsprung“ vor Blaesi gab, mit beiden habe man gute Erfahrungen gemacht. Der Vorteil bei RAW wäre laut Hornstein: „Wir hätten ein Sommerprogramm aus einem Guss.“ Für RAW als Top-Favoriten sprachen sich auch Peter Vögele (FDP) und Udo Pursche (SPD) aus. Vögele sagte, seine Fraktion sei sich einig, dass RAW die erste Wahl sei. „Wenn es einer in der Hand hätte, hätten wir echt einen Vorteil. Da können wir ein tolles Programm haben, ohne Angst, dass da was aus dem Ruder läuft.“

Pursche meinte, AffenArt komme für ihn nicht in Frage. Das Theater Lindenhof habe „sicher ein sehr gutes Programm“, aber „zu viele Ansprüche an die Stadtverwaltung“. Die Kooperation Bühne / Förderverein „haben wir erlebt, das war ganz ordentlich.“ RAW mache alles, inklusive Bestuhlung, selbst. „Ich finde es toll, wenn wir über viele Wochen ein durchgehendes Programm aus erster Hand haben.“

Ralf Mittelmeier (FWV / ÜfA) sagte: „Ich denke, dass alle vier möglich wären.“ Für ihn und seine Fraktion sei die „Bühne“ aber die erste Wahl, da sie mit dem Förderverein kooperiere, in dem Ehrenamtliche „jahrelang sehr viel für Kunst und Kultur getan haben“ und sie bereits gezeigt hätten, dass ihre Zusammenarbeit funktioniere.

Bettina Dreiseitl-Wanschura (LBU/Die Grünen) erklärte: „Wir sehen das relativ ähnlich.“ Für ihre Fraktion spielten drei Kriterien eine Rolle: hohes künstlerisches Niveau, Ergänzung bestehender Angebote und Verbindung zu Ehrenamtlichen. Auf ihre Nachfrage bestätigte Blaesi, dass auch das Theater Lindenhof mit dem Förderverein kooperieren würde.

Kristin Müller-Hausser (BÜB+) meinte, AffenArt sei „noch ein bisschen zu klein und ich weiß nicht, ob das bei den Überlingern so gut ankommt.“ Dann sei da „unser Tausendsassa“ (RAW). „Sie machen Ihre Sache wunderbar“, sagte sie zu Weigelt, der unter den Zuschauern saß. Aber: „Das ist mir zu gemischt.“ Sie favorisiere das Theater Lindenhof in Kooperation mit „Bühne“ und / oder Förderverein. Benedikt Kitt (LBU / Die Grünen) meinte: „Bei RAW besteht die Gefahr, dass das Sommertheater ein bisschen untergeht.“
OB Jan Zeitler stellte fest, dass sich RAW und Bühne / Förderverein als Favoriten herauskristallisierten und sagte: „Wir haben einen langen Sommer. Ich möchte die Marke Sommertheater weiterführen, aber auch gerne Kultur im Kapuziner und die kleine Oper. Das können beide Favoriten garantieren.“

Offene Fragen

Allerdings sollen, bevor der Rat voraussichtlich im Juni eine Entscheidung trifft, noch einige offene Fragen geklärt werden, etwa welches Repertoire fürs Sommertheater sich die Bewerber vorstellen. Auch die Angebote, die bereits im Januar abgegeben worden waren, solle man, nochmal, wo nötig, aktuell abklopfen, so der Wunsch des Gremiums an die Verwaltung.

OB Zeitler hält an Zuschusshöhe fest

Udo Pursche hatte zuvor, angesichts der seither verschlechterten städtischen Finanzsituation, auch die Höhe des städtischen Zuschuss von 30.000 Euro in Frage gestellt. Vielleicht mache es ja auch jemand für weniger. Doch OB Zeitler erinnerte daran, dass die Stadt 2016 ihren Zuschuss von 60.000 Euro halbiert hatte und unterstrich: „Wir haben als Stadt gesagt, diese 30.000 Euro ist uns unser Sommertheater wert.“ Er ergänzte: „Ich denke, das ist ein Betrag, der eine ordentliche Qualität bietet, aber auch als solcher gesetzt sein sollte.“ Mittelmeier meinte zu Pursche: „Das ist der falsche Ansatzpunkt: Kunstschaffende haben momentan mehr Probleme als wir als Stadt.“

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