„Im Moment läuft es gut!“, freut sich Uwe Zscherp. In seinem Schuhgeschäft herrscht Betrieb. Auch beim Textilhandel ziehe die Nachfrage an, sagt der Sprecher des Wirtschaftsverbund Überlingen (WVÜ) weiter. Motor für diese positive Entwicklung nach dem langen Lockdown sei vor allem die Landesgartenschau und deren viele Besucher in der Stadt. Während des Lockdowns hatte Uwe Zscherp über Soziale Medien und unterschiedliche Online-Kanäle Kontakt zu seinen Kunden gehalten. Dazu bot er einen Lieferservice sowie Einzeltermine an. Auf diese Weise sei er einigermaßen durch die Krise gekommen.

Zscherp: Händler können bis zu 40 Sonntage im Jahr öffnen

Im März hatte die FDP-Fraktion im Gemeinderat mehr verkaufsoffene Sonntage gefordert, um den gebeutelten Einzelhandel zu unterstützen. Das Gremium lehnte den Antrag ab. Uwe Zscherp sieht das nicht als verpasste Chance, da viele Geschäfte in Überlingen dank einer Sonderregelung für Kur- und Erholungsorte sowieso an 40 Sonntagen im Jahr die Ladentüren öffnen dürfen. Voraussetzung ist, dass sie Artikel für den touristischen Bedarf im Sortiment führen. Beim Schuhgeschäft sind es zum Beispiel Wanderschuhe und Sandalen.

Ordnungsamt: Händler zeigen bislang nicht mehr Sonntagsöffnungen an

Demnach können viele Einzelhändler in der Innenstadt dieses Instrument nutzen. Sie müssten das lediglich beim Ordnungsamt anzeigen, sagt der WVÜ Sprecher. Die Pressestelle der Stadt schreibt dazu, dass es im vergangenen Jahr „eine vermehrte Anzahl von Anzeigen einer beabsichtigten Öffnung an Sonntagen“ gegeben habe. Sie antwortete auf die Anfrage des SÜDKURIER stellvertretend für die Wirtschaftsförderung und die Überlinger Marketing und Tourismus GmbH (ÜMT). „Im Jahre 2021 ist bisher die Anzahl der Anzeigen nicht erhöht“, so die Pressestelle weiter.

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Stadtverwaltung: Läden sollen bei „Highlight-Veranstaltungen“ der LGS öffnen

Im Rahmen der Diskussion um mehr Zeit zum Shoppen hatte der Verbund von Wirtschaftsförderung und ÜMT bezweifelt, ob zusätzliche verkaufsoffene Sonntage den gewünschten Effekt bringen. Der Gegenvorschlag zum FDP-Antrag lautete: „Stattdessen erachtet es die Stadtverwaltung als sinnvoll, an denjenigen Tagen, an denen bei der Landesgartenschau die elf geplanten, sogenannten Highlight-Veranstaltungen stattfinden, die Geschäfte des Einzelhandels nach den bereits bestehenden, rechtlich zulässigen Möglichkeiten an diesen Sonntagen zu öffnen.“

Aber: Was und wann sind diese „Highlight-Veranstaltungen“?

Die Termine ließen sich aktuell auf Nachfrage bei der Stadtverwaltung nicht ergründen und auch bei der LGS GmbH ist die genannte Menge unbekannt. „Highlight-Veranstaltungen finden bei uns am Donnerstag, Freitag, Samstag oder Sonntag statt. Und die Zahl elf ist von uns nicht benannt worden“, antwortete LGS-Pressesprecherin Petra Pintscher.

Einige Einzelhändler haben die Plakate in die Schaufenster gehängt, wie in diesem Antiquitätengeschäft.
Einige Einzelhändler haben die Plakate in die Schaufenster gehängt, wie in diesem Antiquitätengeschäft. | Bild: Sabine Busse

Plakate aus angekündigter Restart-Kampagne fallen im Stadtbild kaum ins Auge

Als weiteres Instrument zur Unterstützung kündigten Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung eine Restart-Kampagne an. „Die Kampagne beinhaltet Plakate, die sowohl in den Betrieben direkt als auch im Stadtgebiet, zum Beispiel auf den Plakatierungstafeln der ÜMT, ausgehängt wurden“, schreibt die Pressestelle der Stadt. Man muss etwas suchen, um die dezenten Ausdrucke mit Slogans wie „Schaufenster statt Bildschirm“ im Stadtbild zu entdecken. Die meisten Plakate hängen in den Geschäften oder in Schaufenstern. Dort werden sie vor allem von denen gesehen, die sich bereits vom Computer weg in die Innenstadt begeben haben.

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Wunsch nach Liberalisierung der Parkzeiten im Herbst und Winter

Auf die Frage, welche Art der Unterstützung durch die Stadt sich der Einzelhandel wünschen würde, über eine Plakataktion hinaus, antwortet Uwe Zscherp: „Im Herbst und Winter die Parkzeiten zu liberalisieren, das würde helfen!“ Nach der Touristensaison, wenn sie wieder mehr auf Kunden aus der Region angewiesen seien, wären Maßnahmen hilfreich, wie beispielsweise Kurzzeitparken auf sonst gesperrten Arealen. „In Radolfzell sind die ersten zwei Stunden im Parkhaus kostenfrei. Da unterstützt die Stadt aktiv den Einzelhandel“, nennt Zscherp ein konkretes Beispiel. „Das wären tolle Signale für den Handel und die Gastronomie!“