„Der Plan war eigentlich ein anderer“, sagt Martina Wabro, die normalerweise den Laden „Fährstyle“ in der Nähe des Meersburger Fähranlegers betreibt. Aktuell besteht ihr Hauptgeschäft aus einer Schnellteststation direkt vor dem kleinen Geschäft, in dem sie unter anderem Hundemode führt.

Teststation für den Winter mit Boden und Heizung ausgestattet

Seit Mai betreibt sie das Testen professionell, seit Kurzem hat sie baulich aufgerüstet. „Im Sommer hatten wir hier nur einen Pavillon stehen, jetzt haben wir ein Zelt mit festem Boden und Heizung“, erklärt sie, während ein eisiger Wind vom Seeufer her weht. Aktuell mache die Arbeit Spaß, die Leute seien dankbar dafür, dass es das Testangebot hier gebe, schildert sie. „Es gab aber auch eine Zeit, da wurden wir hier regelrecht verbal angegriffen“, blickt sie zurück. Das sei aktuell nicht der Fall, im Gegenteil, man kenne sich inzwischen und es gehe äußerst freundlich zu.

Jasmin Paulmann und Senal Acin führen die Tests an der Station beim Fähranleger in Meersburg durch und erklären auch gern die App zur Registrierung.
Jasmin Paulmann und Senal Acin führen die Tests an der Station beim Fähranleger in Meersburg durch und erklären auch gern die App zur Registrierung. | Bild: Lena Reiner

Testwillige warten in Meersburg geduldig auf ihren Abstrich

Bereits kurz vor 9 Uhr, dem eigentlichen Beginn der Testzeit, am letzten Freitag vor Einführung der 2G-Plus-Regelung kommen die ersten Testwilligen und warten geduldig auf ihren Abstrich. Roland Severin ist einer von ihnen. Er benötigt den Test beruflich, da er als Grenzgänger immer wieder nach Österreich müsse: „Ich bin zwar geimpft, aber wir sollen uns dennoch testen lassen.“ Er kennt die Mitarbeiter hier schon, grüßt gut gelaunt und bezeichnet sich selbst als „fröhlichen Getesteten“, mag aber auch mit seiner Meinung nicht hinterm Berg halten: „Ich habe mich ja nicht freiwillig impfen lassen, sondern sollte das arbeitstechnisch eben tun.“ Aber, das betont er ebenfalls: „Ich lasse mir von dem ganzen Corona-Kruschd nicht die Laune verderben.“

Roland Severin kommt häufiger an die Schnellteststation in Meersburg: „Ich bin zwar geimpft, aber muss getestet zur Arbeit und auch öfter mal nach Österreich.“
Roland Severin kommt häufiger an die Schnellteststation in Meersburg: „Ich bin zwar geimpft, aber muss getestet zur Arbeit und auch öfter mal nach Österreich.“ | Bild: Lena Reiner

Begriffe wie „Spaltung“ und „regierungsgesteuert“ fallen in der Warteschlange

Die, die sich nach ihm testen lassen, sind zwar zum Gespräch bereit, möchten aber nicht namentlich genannt oder überhaupt zitiert werden. Es fallen Begriffe wie „Spaltung“ und „regierungsgesteuert“ sowie mehrfach die Unterstellung, dass Zitate durch „die Medien“ sowieso nicht korrekt wiedergegeben würden. „Sie dürften eh nicht schreiben, was ich Ihnen zu sagen habe“, meint ein Wartender in Handwerkermontur sogar; mehr möchte er dann nicht verraten. Dennoch bleibt es ruhig, den Mitarbeitern im Testzelt gegenüber wird während des einstündigen Besuchs kein Vorwurf laut.

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In Überlingen Wortgefechte zwischen Wartenden mit und ohne Termin

Selbe Uhrzeit, diesmal zu Wochenbeginn in der Überlinger Münsterstraße: Auch hier hat sich bereits direkt zu Beginn der Öffnungszeiten vor der Teststation eine Schlange gebildet. Anders als in Meersburg geht es hier allerdings nicht ruhig zu. „Was bilden Sie sich ein?“, schallt es über die Straße. Es entsteht ein Wortgefecht. Einer der Wartenden ist überzeugt, dass diejenigen, die vorgeben, einen Termin gebucht zu haben, gar keinen gebucht haben. „Hier steht doch überall ‚ohne Termin‘, also erzählen Sie keinen Quatsch!“, verweist er auf die Beschilderung der Fenster des ehemaligen Gastronomiebetriebs, der aktuell als Teststation fungiert.

An diesem Morgen ist durchweg Betrieb an der Teststation in Überlingen.
An diesem Morgen ist durchweg Betrieb an der Teststation in Überlingen. | Bild: Lena Reiner

Tatsächlich steht hier in großen Buchstaben „ohne Termin“ zu lesen. Gleichzeitig lässt sich über die Webseite der Teststation aber sehr wohl gezielt ein Termin buchen. Immer mehr Wartende mischen sich ein, versuchen zu erklären und zu schlichten, ihre Buchung auf dem Handy als Beweis vorzuzeigen: ohne Erfolg. Ruhiger wird es erst, als der kritische Geist selbst an der Reihe ist und nach drinnen gehen kann.

Wenn es kalt ist, schaukelt sich die Stimmung unter den Wartenden manchmal hoch

Almina Heric, Leiterin der Teststation, ist an diesem Morgen nicht vor Ort, äußert sich aber telefonisch zu der angespannten Stimmung vor Ort. „Ich muss sagen, dass das nicht der Regelfall ist. Meist sind die Menschen, die zu uns kommen, sehr freundlich. Wir haben auch viele Stammkunden, die immer zu uns kommen“, schildert sie. Jedoch gebe es Tage und Momente, da schaukle sich die Stimmung unter den Wartenden hoch. „Gerade wenn es so kalt ist und die Menschen in der Warteschlange frieren, reicht es, wenn einer der Wartenden irgendetwas Negatives sagt, dass andere sofort mitmachen. Da fällt dann auf einmal allen etwas ein, was sie noch sagen wollen“, beschreibt sie die Gruppendynamik vor Ort. Allerdings seien ihre Mitarbeiter angehalten, dann schlichtend einzugreifen, und zumeist gelinge das auch sehr zügig.

Teststation weitet Angebot aus, um Warteschlangen zu vermeiden

Damit sich überhaupt keine langen Schlangen bilden könnten, hätten sie auch kürzlich von einer Teststation auf mindestens zwei und zu Stoßzeiten auch drei erweitert: „Dabei schauen wir, dass die mit Termin pünktlich an die Reihe kommen und wir freie Pufferzeiten für all diejenigen nutzen, die ohne Vorabbuchung zu uns kommen.“

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