Mit einem Packen Briefe unter dem Arm schlendert Paula Gschlecht durch die Überlinger Altstadt, gleicht Hausnummern ab und wirft Sendungen in Briefkästen. Ab und zu nehmen die Empfänger Briefe direkt entgegen, wenn sie die Arriva-Botin kommen sehen. Weil die 24-Jährige den Bezirk in der Überlinger Innenstadt noch nicht lange bedient, muss sie ab und an noch Hausnummern suchen. Manch ein Passant aus der Nachbarschaft bietet dabei seine Hilfe an.

Freundlicher, als vor Corona

Von Ablehnung oder Angst vor Kontakt – keine Spur. Im Gegenteil: „Ich habe eher die Erfahrung gemacht, dass die Menschen jetzt freundlicher und dankbarer sind, als noch vor der Corona-Krise“, so die Arriva-Botin. Erst vor Kurzem habe ihr eine ältere Frau aus Dankbarkeit ein Stück Schokolade geschenkt. Das habe sie davor noch nie gehabt. Dass gerade ältere Menschen auch einmal für ein kleines Schwätzchen mit der Briefträgerin zu haben sind, sei vor Corona schon so gewesen und habe sich auch durch das Virus und die veränderte Lebenswelt vieler Menschen nicht verändert.

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Wenig anders verläuft auch ihr Arbeitsalltag. „Ich muss in manchen Geschäften, die ich betreten muss, weil es keinen Briefkasten gibt, einen Mundschutz tragen und ich habe auch immer ein Desinfektionsmittel dabei. Das war es dann aber auch schon“, so die 24-Jährige. Andere Kollegen würden zusätzlich noch Einweghandschuhe tragen. Dass jemals jemand verlangt hätte, dass sie beim Überreichen der Post einen Mundschutz trägt, sei ihr noch nie passiert.

Kaum etwas erinnert an die Krise

Und auch beim Botengang durch die Überlinger Innenstadt erinnert zunächst kaum etwas an die Corona-Pandemie. Lediglich ein älterer Herr zieht sich im Vorbeigehen mürrisch vor sich hin murmelnd, die Maske vom Gesicht. Deswegen gibt Gschlecht zu: Ich habe die Corona-Krise zunehmend gar nicht mehr auf dem Schirm.“ Außerdem freue sie sich, bei ihren Touren zu sehen, wie das Leben in der Innenstadt langsam wieder an Fahrt aufnimmt. Beim Gang über die Seepromenade wird das deutlich. Gastronomen bereiten gerade die Tische für ihre Tagesgäste vor, vereinzelte Gäste machen es sich schon auf den freien Plätzen bequem. Die Läden in der Altstadt sind wieder geöffnet und warten auf Kunden. „Das finde ich toll“, sagt Gschlecht.

Mehr Arbeit hat sie seit Corona nicht. Das liege aber daran, dass sie generell nur Briefe und keine Päckchen austrägt. Und der Briefverkehr habe, zumindest in ihren Bezirken, nicht zugenommen.

Corona trifft sie doch

Eigentlich ist Gschlecht Studentin. Sie studiert Psychologie an einer Fernuniversität in Bremen. Als Arriva-Botin möchte sie sich etwas dazu verdienen. Obwohl die Studentin schon vor rund zwei Jahren als Arriva-Botin gearbeitet hat, ist sie erst vor knapp einem Monat wieder in den Bringdienst eingestiegen. Denn, auch wenn sich bei ihrer Arbeit für sie durch die Corona-Krise nicht sehr viel verändert hat, hat sie die Konsequenzen der Krise dennoch am eigenen Leib zu spüren bekommen. „Bevor ich wieder bei Arriva angefangen habe, habe ich in einem Café gearbeitet“, sagt Gschlecht. Doch durch die Corona-Krise blieben Cafés geschlossen und sie verlor den Job in der Gastronomie. Und weil sie die Freiheit, die ihr der Job als Arriva-Botin bietet, vermisste, trägt sie jetzt wieder Briefe aus, genießt die frische Luft und freut sich über die Rückkehr von ein klein bisschen Normalität in Zeiten der Krise.

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