In einem Poem seines alemannischen Gedichtbandes „Doo woni wohn“ gärtelt Bruno Epple vor seinem Haus in Wangen auf der Höri so vor sich hin, „do himmlet de See om a“. Der Dichter hat dabei die Ägäis vor Augen und reist gedanklich bis nach Griechenland, Rom und Jerusalem.

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Epple, zwei Tage zuvor, am 1. Juli, 90 Jahre alt geworden, trägt diese Verse auf der Landesgartenschau vor, während einer Lesung, die anlässlich seines runden Geburtstages im Rahmen der Reihe „Literatur unter Bäumen – Lesen am See“ stattfindet. Peter Reifsteck und Oswald Burger haben sie entwickelt und Burger fungiert auch als Moderator. Als Überraschungsgast tritt der renommierte Jazzsaxofonist und -klarinettist Bernd Konrad auf, zu dessen Fans auch Woody Allen zählt, und entlockt seinen Instrumenten derart vielseitige Töne, dass es so mancher Besucher gar nicht fassen kann, dass der Mann da ganz alleine auf der Bühne spielt. Konrad war in Konstanz einst Schüler Epples, der früher als Gymnasiallehrer arbeitete.

Heimatverbundenheit und Weltläufigkeit in einer Person

Die Künstler Epple und Konrad sind schlagende Beweise dafür, dass Heimatverbundenheit und Weltläufigkeit kein Widerspruch sein müssen. „Griechenland isch, wa mer suecht, au uff de Höri“, heißt es, in Anlehnung an Goethes „Iphigenie“, denn auch treffend in Epples Gedicht.

Zum Auftakt hat Epple ein Stück aus seinem Buch „Im Zug zurück – Stationen einer Kindheit“ gelesen. „Mit der Eisenbahn nach Friedrichshafen, das war in meiner Kindheit ein Erlebnis.“ Epple lässt die einzelnen Stationen und ihre Besonderheiten bildhaft Revue passieren. Tatsächlich kann Epple ja nicht nur mit Worten malen. Doch an diesem Nachmittag steht sein literarisches Schaffen im Vordergrund. Trennen lassen sich die doppelten künstlerischen Talente aber sowieso nicht.

Den 90-jährigen Bruno Epple nehmen bei dessen Lesung auf der Landesgartenschau in Überlingen Moderator Oswald Burger (links) und Jazzmusiker Bernd Konrad in die Mitte.
Den 90-jährigen Bruno Epple nehmen bei dessen Lesung auf der Landesgartenschau in Überlingen Moderator Oswald Burger (links) und Jazzmusiker Bernd Konrad in die Mitte. | Bild: Sylvia Floetemeyer

So war denn auch Epples Bild „Rund um Sipplingen“ der Auslöser für ein außergewöhnliches Bändchen, das Joachim Scholz herausgab, und mit dem die literarische Gesellschaft Forum Allmende Epple zum 90. gratuliert: Epple hat sechs Lieder des einst in Sipplingen beheimateten Minnesängers Burkhart von Hohenfels vom Mittelhochdeutschen kongenial in die alemannische Mundart übersetzt sowie selbst ein alemannisches Gedicht auf den Minnesänger verfasst. Im Grunde sei das Bändchen „jetzt Brunos Geburtstagsgeschenk an uns“, leitet Burger dessen Präsentation ein.

Epple trägt dann auch vor, „was ich ihm (Burkhart), in seiner Art zu reimen, geschrieben habe“. Denn: „Alle riefet kumm, verzells, wa wosch du vum Minnesänger, Burkhart, Herr vum Hohenfels?“ Erhalten sind von Burkhart, der um 1220 gelebt haben soll, insgesamt 18 Lieder, die einzig im Codex Manesse bewahrt wurden. Wer weiß, wieviel verloren ging? Heute hat man mehr Möglichkeiten, literarische Nachlässe für die Nachwelt zu erhalten. So liegt Epples Werk als Vorlass zum großen Teil bereits im Archiv des Bodenseekreise, das sich später einmal auch des Nachlasses annehmen wird. Epples Lesung wohnten denn auch Landrat Lothar Wölfle sowie Kreiskulturamtsleiter Stefan Feucht bei.

Landesgartenschau wird zum Treffpunkt alter Bekannter

Und auch ein ganz alter Freund und Begleiter Epples war unter den Gästen: Der 91-jährige Pfarrer Herbert Duffner, der im vergangenen Mai in Überlingen sein 65. Priesterjubiläum feierte. Die Beiden kennen sich seit ihrer in Radolfzell verbrachten Kindheit. Als Duffner Theologie studierte, hörte Epple ihn einst in Hebräisch ab, wie Burger erzählt. Und 1960 traute Duffner Bruno Epple mit seiner im Sommer letzten Jahres verstorbenen Frau Doris – in der Goldbacher Kapelle, die ganz in der Nähe liegt und ebenfalls ins Gelände der Landesgartenschau einbezogen wurde.

Nach der Lesung stehen die Besucher dann Schlange, um sich von Epple dessen Werke signieren zu lassen – in einer wunderbaren Zierschrift, die an mittelalterliche Schreibkunst erinnert.

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