„Die Polizeipräsenz war für uns die beste Werbung, da wurden dann schlagartig Leute auf die Aktion aufmerksam, die sonst nichts gemerkt hätten.“ Eric Hueber von der Nachbarschaftsinitiative Fischerhäuservorstadt zeigt sich drei Tage nach ihrer zweiten Ballonaktion vergnügt am Telefon. Bislang hat er auch vom Ordnungsamt der Stadt nichts mehr gehört, das diese Visualisierung der geplanten Bebauung im Vorfeld wegen der Corona-Verordnung untersagt hatte.

Das könnte Sie auch interessieren

Hueber hatte eine ungewöhnlich hybride Begründung dafür parat, dass über dem Stadtquartier schon zum zweiten Mal binnen weniger Wochen große Ballons schwebten. „Noch bunter als beim ersten nahezu nicht öffentlichen Versuch“, sollten mit dieser Aktion die Ausmaße de nach den aktuellen Vorstellungen der Verwaltung mögliche Baudimensionen anschaulich transparent gemacht werden.

Blick über die Fischerhäuservorstadt in Richtung Bodenseeufer, die Ballons zeigen auch hier die Höhe und das Volumen der geplanten Bebauung – nach Berechnungen der Anwohner der Fischerhäuservorstadt.
Blick über die Fischerhäuservorstadt in Richtung Bodenseeufer, die Ballons zeigen auch hier die Höhe und das Volumen der geplanten Bebauung – nach Berechnungen der Anwohner der Fischerhäuservorstadt. | Bild: Hanspeter Walter

Dass die Initiative dieses mal Vertreter der Gemeinderatsfraktionen persönlich zu einem coronakonformen Besuch eingeladen hatte, wollte dem Amt für öffentliche Ordnung, dem die Pläne der Ballonaktion ganz offensichtlich zu Ohren gekommen war, gar nicht gefallen. Es könne sicher nicht im Interesse der Initiative sein, hieß es aus dem Rathaus, Gemeinderäte möglicherweise zu einem „Verstoß gegen die Corona-Verordnung zu verleiten“. Deshalb untersage das Amt die angekündigte „Veranstaltung“, für die es „sicher keinen triftigen Grund“ geben könne.

Warum blieb die Initiative bei ihrem Plan?

Die Argumentation der aktiven Bürger, weshalb sie die Ballons erneut steigen ließen, war vielschichtig. Zum einen sei Fastnachtssonntag, erklärte Eric Hueber, als er die bunten Ballons am Morgen steigen ließ, zum anderen „muss die Demokratie ja weitergehen“. Und die ganze Aktion spiele sich ja auf privatem Gelände ab, das zu betreten er anderen ausdrücklich untersage, um so Verstöße gegen die Verordnung zu vermeiden.

Eric Hueber ließ sich vom Ordnungsamt nicht von der Ballonaktion abhalten. „Die Demokratie muss weitergehen“, kommentiert der streitbare Bürger aus der Fischerhäuservorstadt.
Eric Hueber ließ sich vom Ordnungsamt nicht von der Ballonaktion abhalten. „Die Demokratie muss weitergehen“, kommentiert der streitbare Bürger aus der Fischerhäuservorstadt. | Bild: Martin Baur
Das könnte Sie auch interessieren

So hatte Hueber auch nach dem Verbot in Richtung Rathaus argumentiert: „Da es durch die Ballon-Aktion zu keinem Konflikt mit den gesetzlichen Vorschriften kommt, kann die zweite Ballon-Aktion wie geplant durchgeführt werden. Die Ballone werden auf einem privaten Grundstück installiert, auf dem die aktuellen Vorschriften uneingeschränkt eingehalten werden.“ Im Gegensatz zur Ortspolizeibehörde gehe man nicht davon aus, „dass die Überlinger Gemeinderäte sich durch den Anblick von bunten Ballonen dazu verleiten lassen, die aktuell gültigen Pandemie-Vorschriften zu missachten“.

Gemeinderäte eingeschüchtert?

Rückmeldung von Gemeinderäten, für die die Aktion gedacht war, habe er zwar keine erhalten, sagte Hueber vor der Aktion: „Ich bin mal gespannt, ob jemand kommt.“ Die eine oder andere Fraktion hatte spätestens abgewunken, nachdem die Untersagung durch das Ordnungsamt ruchbar geworden war. Lediglich Stadträtin Kristin Müller-Hausser (BÜB+) wollte es sich nicht nehmen lassen, bei einem Spaziergang durch die Stadt einen Blick auf die Ballons zu werfen. Und sie hatte dabei sogar die Gelegenheit, nach einem Disput von Ordnungshütern mit Rechtsanwalt Hermann-Josef Faupel als beruhigender Pol gegenüber einer Polizeistreife aufzutreten und zu fragen: „Ist denn hier ein Kindergeburtstag?“

Nein, es war kein Kindergeburtstag, wie Stadträtin Kristin Müller-Hauser (BÜB+) beim Vorbei-Spaziergang süffisant bemerkte, sondern die zweite Ballonaktion der Nachbarschaft Fischerhäuservorstadt.
Nein, es war kein Kindergeburtstag, wie Stadträtin Kristin Müller-Hauser (BÜB+) beim Vorbei-Spaziergang süffisant bemerkte, sondern die zweite Ballonaktion der Nachbarschaft Fischerhäuservorstadt. | Bild: Hanspeter Walter

Auf die Nachfrage des SÜDKURIER, ob es sich denn nun aus Sicht der Ordnungshüter um eine unzulässige Veranstaltung handle, wollte sich ein sehr freundlicher Polizeibeamter nicht endgültig festlegen: „Das kommt auf den Betrachter an.“ Eric Hueber lobt die Streifenbeamten für deren Verhalten. Sie seien am späten Nachmittag nochmals gekommen, hätten ihr Verständnis für die Aktion bekundet und zum wiederholten Male bestätigt, dass sie keinen Verstoß gegen die Corona-Verordnung hätten feststellen können.

Das könnte Sie auch interessieren

Einige Passanten informierten sich mit Distanz

Die Gelegenheit, sich quasi im Vorübergehen ein Bild von der Aktion zu machen, nutzten im Laufe des Tages einige zufälligen Passanten. Zu einem Massenauflauf an Menschen kam es nie.

Einige Spaziergänger informierten sich an der Stellwand auf dem abgesperrten Privatgelände.
Einige Spaziergänger informierten sich an der Stellwand auf dem abgesperrten Privatgelände. | Bild: Hanspeter Walter

Rechtlich sahen sich Hueber und seine Mitstreiter von der Nachbarschaft Fischerhäuservorstadt selbst auf der sicheren Seite, auch weil sich alles auf privatem Gelände abspielte. Das Informationstableau an dem sich Passanten mit der gebotenen Distanz von der Straße aus informieren konnten, war auf Privatgrund an der Grenze zur Straße aufgestellt.