Der erste Urlaubstag führt unsere Urlaubstesterin Katharina Gouders nicht an den Bodensee, sondern in das Hinterland nach Heiligenberg. Schon auf dem historischen Postplatz entdeckt die 79-Jährige, die lange als Sekretärin für Aachener Stadtgarten und Friedhofsamt arbeitete, die dortige Gerichtslinde. Gepflanzt im 12. Jahrhundert, ist auf der beigefügten Baumscheibe zu lesen. Bewundernd nimmt Gouders den Lindenbaum näher in Augenschein. Bei 6,5 Meter Durchmesser reicht die kleine Frau nicht drumherum. „Woher so ein alter Baum die Kraft nimmt?“, fragt sich die 79-Jährige.

Mit Schwiegersohn Reinhard überlegt die Seniorin, ob das Heiligenberger Schloss noch bewohnt ist.
Mit Schwiegersohn Reinhard überlegt die Seniorin, ob das Heiligenberger Schloss noch bewohnt ist. | Bild: Martina Wolters

Weiter zum Schloss Heiligenberg: Ein Blick über die Mauer muss genügen

Weiter geht es zum nahen Schloss Heiligenberg. Wegen der Corona-Pandemie ist das Renaissance-Gebäude für den Publikumsverkehr vorübergehend geschlossen. Ein Blick über die Mauer muss genügen. „Ob die Familie Fürstenberg darin wohnt?“, fragt sich Gouders. Gleich nebenan findet die Pflanzenliebhaberin Ersatz für die derzeit unmögliche Schlossbesichtigung. Die üppig blühenden, weißen Hortensien im Schlossgarten ziehen ihre Blicke auf sich. Sie habe zuhause einen „richtigen Seniorengarten“, sagt Gouders. Da wachse alles durcheinander und so gebe es wenig Platz für Unkraut.

Bild: Bernhardt, Alexander
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Weit reicht der Blick ins Salemertal und bis zu den Alpen

Immer bergauf führt der Weg in den lichten Friedwald. Der Bellevueplatz macht seinem Namen alle Ehre. Weit reicht der Blick ins Salemertal und bis zu den Alpen. Sogleich sucht Gouders auf der Panoramatafel nach dem Standort des Häusles ihrer Tochter in Salem.

Zusammen mit Schwiegersohn Reinhard sucht Kathi Gouders ihr Salemer Domizil auf der Karte am Aussichtsplatz.
Zusammen mit Schwiegersohn Reinhard sucht Kathi Gouders ihr Salemer Domizil auf der Karte am Aussichtsplatz. | Bild: Martina Wolters
Kathi Gouders verbringt einige Zeit am Segelflughafen, um bei den Starts und Landungen zuzuschauen.
Kathi Gouders verbringt einige Zeit am Segelflughafen, um bei den Starts und Landungen zuzuschauen. | Bild: Martina Wolters

Durch den Wald und an Feldern entlang erreicht Gouders das Segelfluggelände der Fluggemeinschaft Heiligenberg. Hier herrscht reger Flugverkehr. Begeistert beobachtet die Urlauberin, wie ein Motorflugzeug nacheinander Segelflugzeuge per Seil in die Höhe befördert. „Das Schleppseil wird anschließend in den Motorflieger eingezogen“, erklärt ihr Schwiegersohn.

Der Aussichtspunkt „Bellevue“ im Friedwald trägt seinen Namen zurecht.
Der Aussichtspunkt „Bellevue“ im Friedwald trägt seinen Namen zurecht. | Bild: Martina Wolters

Kapelle Sankt Georg aus dem 18. Jahrhundert in Oberrehna

Am Himmel über dem Fluggelände gibt es noch mehr zu sehen. Mehrere Greifvögel ziehen ihre Kreise. Ein Stück weiter kreuzt ein Fuchs ein Getreidefeld. „Es ist wunderschön hier“, befindet die Touristin aus Aachen. Im Ortsteil Oberrehna macht sie in der Kapelle Sankt Georg aus dem 18. Jahrhundert am Wegesrand eine Figur des Heiligen aus. Sie zeuge von dessen Kampf gegen das Böse in Form eines Drachen, liest sie nach. Über die nur von Hand zu bedienende Bronze-Glocke macht sie im Internet noch eine Entdeckung: “Die wurde von Felix Koch aus Salem Mimmenhausen gegossen,“ liest sie vor. Beim bisher stärksten Erdbeben in Süddeutschland im Jahr 1911 sei das Kirchlein stark beschädigt und erst in den 90er Jahren restauriert worden.

Die St-Georg-Kapelle in Oberrhena kündet ist dem legendären Drachentöter gewidmet.
Die St-Georg-Kapelle in Oberrhena kündet ist dem legendären Drachentöter gewidmet. | Bild: Martina Wolters

Alles in allem ist Gouders von den Erlebnissen auf dem circa zweistündigen Rundweg ganz angetan. Vermisst hat sie ein WC in Kapellennähe. „Und eine Einkehrmöglichkeit wäre auch schön gewesen“, findet sie. Bis zum Genuss von Kaffee und Torte muss sie aber noch bis zum Ende der Tour in Heiligenberg warten.

Ein Blick in das Kirchlein in Oberrhena lohnt sich.
Ein Blick in das Kirchlein in Oberrhena lohnt sich. | Bild: Martina Wolters

 

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