Ein großes gespanntes Segel schützt die Stuhlreihen im grünen Salon auf dem Gelände der Überlinger Landesgartenschau vor dem Regen. Die Natur scheint heute nicht auf der Seite des Umweltaktivisten Markus Mauthe zu sein. Doch dieser hofft, dass trotz des kalten Wetters Menschen kommen und seinen Vortrag verfolgen. „Die, die den 14 Grad widerstehen, motivieren mich, richtig gute Schule zu machen.“

Markus Mauthe, 1969 geboren in Friedrichshafen, ist Naturfotograf und Umweltaktivist und tourt anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Umweltschutzorganisation Greenpeace mit seinem Vortrag „Die Welt im Blick“.

Waldsterben beeinflusste ihn schon als Jugendlichen

Bereits im Alter von mit 17 Jahren bereiste Markus Mauthe den afrikanischen Kontinent. Schon als Jugendlicher erkundete er die Welt. Seine Abenteuer hätten ihn schon damals geprägt. Auf seinen Reisen habe er sehr früh die Schönheit aber auch die Zerbrechlichkeit sehen dürfen, bemerkt der Fotograf im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Besonders das Waldsterben habe ihn damals in seiner Jugend beeinflusst.

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Mit seinem Vater habe er alle Artikel gesammelt, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. „Wenn man sich mal die Überschriften anguckt, könnte das alles topaktuell sein. Wir haben uns tatsächlich nicht viel weiter entwickelt“, kritisiert Mauthe in seinem Vortrag auf der Landesgartenschau.

Doch er selbst ist froh, noch eine, wie er meint, „unbelastete Kindheit“ gehabt zu haben. Er habe das Glück gehabt, in einer Zeit und Region geboren worden zu sein, in der er alle Annehmlichkeiten der Wohlstandsgesellschaft habe genießen können. Die damalige Unwissenheit habe ihm eine „Kindheit ohne Sorgen“ beschert. Das wäre für Kinder von heute nicht mehr selbstverständlich.

Trotz Nässe und Kälte sind Besucher der Landesgartenschau gekommen, um dem Vortrag von Markus Mauthe zuzuhören.
Trotz Nässe und Kälte sind Besucher der Landesgartenschau gekommen, um dem Vortrag von Markus Mauthe zuzuhören. | Bild: Lucas Peuser

Schnell fand der Fotograf zum Aktivismus

Über 20 Jahren ist es her, dass er deshalb der Umweltschutzorganisation Greenpeace seine Fähigkeiten angeboten hat. Seither ist Mauthe viel gereist, um zu fotografieren und Vorträge zu halten. Seine neuen Auftraggeber schickten ihn damals direkt in das Kongobecken im Zentrum Afrikas. Für ihn sei es ein Privileg gewesen, seine Arbeit in den Dienst der Natur zu stellen, formuliert er stolz und erinnert sich daran zurück, dass er dort das erste Mal einem Menschenaffen in die Augen sehen konnte.

„Damals wie heute kann ich es nicht verstehen, wie wir Menschen in solche Paradise eindringen und sie ohne jegliche Gefühlsregung zerstören können.“ Dafür fehle ihm jedes Verständnis.

Kopfschütteln bei den Zuhörern. Die Gäste seiner Vorträge sind teilweise entsetzt über die drastischen Eingriffe des Menschen in seine Umwelt.
Kopfschütteln bei den Zuhörern. Die Gäste seiner Vorträge sind teilweise entsetzt über die drastischen Eingriffe des Menschen in seine Umwelt. | Bild: Lucas Peuser

Mauthes Vorträge entfalten ihre Wirkung

Im Sommer 2004 trägt er mit einer seiner Erzählungen unter anderem zur Gründung der Greenpeace-Gruppierung in Friedrichshafen bei. Seine persönlichen Erlebnisse seien so eindrucksvoll gewesen, dass sich etwa 80 Menschen spontan gemeldet hätten, die selbst für den Umweltschutz aktiv werden wollten. So beschreibt es die Ortsgruppe selbst auf ihrer Internetseite.

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Trotzdem sieht er die Kraft in seinem Aktivismus realistisch: „Ich habe einen ganz kleinen Wirkungskreis, aber in dem erhoffe ich mir, dass ich die Leute sensibilisiere.“ Heute sei er aber direkter als noch vor ein paar Jahren, gibt er zu und argumentiert mit der Dringlichkeit der Klimadebatte. „Wenn man die nächsten 50 Jahre nicht handelt und das Ruder rum reißt, war es das mit dem friedlichen Zusammenleben.“ Seine Argumentation wird schärfer. Dennoch möchte er nicht anklagen, sondern auf „authentische und menschliche Weise“ den Zuhören die Dringlichkeit vermitteln.

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„Ich fahre unheimlich gerne, aber ich komme auch unheimlich gerne zurück“

Auch wenn er viel gereist ist, kehrt Mauthe immer gerne an den Bodensee zurück. „Ich habe immer hier Familie, Freunde und alles, wofür mein Herz schlägt.“ Doch bald soll Brasilien zu seinem neuen Lebensmittelpunkt werden. Vor zehn Jahren hat er dort seine Frau auf einer Kakao-Farm kennengelernt. Obwohl die Bodenseeregion, wie er selbst sagt, immer seine Heimat bleiben wird, hat er in Brasilien eine neue gefunden. Dort möchte er sich noch intensiver für den Schutz des Regenwaldes und den Erhalt der Arten einsetzen.