Das Wintertheater findet von November 2021 bis März 2022 zum vierten Mal in Kooperation der Stadt Überlingen mit dem privaten Noltes Theater statt – und geht in die zweite Corona-Saison. Doch anders als 2020, als das Wintertheater nur dank eines bis dato einzigartigen digitalen Live-Konzepts möglich war, stehen dieses Mal ausschließlich Präsenzveranstaltungen auf dem Spielplan: „Jedermann“, „Der Kontrabass“, sowie ein Knef- und ein Lyrik-Liederabend. Es gelten die 2G-Regel und Maskenpflicht während der Vorstellungen.

Denn die Pandemie kann auch im Theater nicht ausgeklammert werden. Sehr wohl aber sollen die vier geplanten Produktionen „dazu einladen, einen Perspektivwechsel vorzunehmen und die gesellschaftlichen Herausforderungen aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten“, so der Wunsch der Theatermacher Birgit und Oliver Nolte.

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Theatermacher stellen Freiheitsbegriff ins Zentrum

„Wir wollen den Begriff Freiheit nochmals ins Zentrum stellen“, betonte Oliver Nolte, als er das Programm 2021/22 bei einem Pressetermin gemeinsam mit OB Jan Zeitler und Kulturamtsleiter Michael Brunner vorstellte. Denn, hob Nolte hervor: „Es darf nicht passieren, dass man den Begriff Freiheit nicht mehr in den Mund nehmen darf und von Menschen besetzen lässt, die mit diesem Begriff nicht verantwortungsvoll umgehen können.“

Die persönliche Freiheit stoße immer da an ihre Grenzen, wo sie anderen Individuen Schaden zufüge oder das Gemeinwohl gefährde. Die Pandemie, der Klimawandel und soziale Ungerechtigkeit „konfrontieren uns schonungslos mit der Tatsache, dass wir Freiheit nur gemeinschaftlich realisieren können“. Mit den dabei entstehenden Spannungen müsse man sich permanent auseinandersetzen. „Und welcher Raum wäre dafür besser geeignet als die Theaterbühne?“

Wintertheater 2021/2022

Und welches Stück wäre passender als der „Jedermann“, der seit 1920 jährlich vor dem Salzburger Dom aufgeführt wird und den Noltes bereits beim Wintertheater 2019 spielten? Nicht der drohende Tod entsetzt den reichen Jedermann, sondern die Erkenntnis, dass er sein Leben vergeudet hat. Noltes haben das Schauspiel, in dem es auch um Freiheit und Ressourcenverbrauch gehe, auf eine Zwei-Personen-Inszenierung verdichtet, die „angesichts unserer grotesken Lebenswirklichkeit in Politik und Wirtschaft eine neue Dimension eröffnet“.

Oliver und Birgit Nolte 2019 bei ihrer „Jedermann“-Inszenierung für zwei Schauspieler, die auch 2022 wieder auf dem ...
Oliver und Birgit Nolte 2019 bei ihrer „Jedermann“-Inszenierung für zwei Schauspieler, die auch 2022 wieder auf dem Spielplan des Überlinger Wintertheaters steht. | Bild: Hanspeter Walter

Im Programm „Die Welt hochwerfen – Starke Frauen, starke Lyrik“ spielt das „Gerechtigkeitsprinzip“ im Verhältnis zwischen Mann und Frau eine Hauptrolle. Die Frage, wie sie ein selbstbestimmtes Leben führen könne, trieb auch Hildegard Knef um, der ein weiterer Gesangsabend gewidmet ist. Und das Einpersonen-Stück „Der Kontrabass“ steht laut Oliver Noltes heutigem Verständnis im Spannungsverhältnis zwischen Sicherheit und Freiheit. Letzteres gipfle im Satz des Protagonisten: „Die Freiheit macht mir solche Angst.“

Reformiertes Wintertheater in der vierten Saison

OB Jan Zeitler stellte heraus, es sei wunderbar, dass man ankündigen könne, dass „das reformierte Wintertheater“ in die vierte Saison gehe. „Denn das heißt: Es wird angenommen.“ Zeitler untermauerte dies mit einer positiven Bilanz der bisherigen Kooperation. Der Stadt sei wichtig, dass das Wintertheater ein möglichst breites Publikum anspreche, einheimische wie auswärtige. Noltes hätten auch das Potenzial, Leute aus der weiteren Umgebung nach Überlingen zu locken, so Zeitler.

Oberbürgermeister Jan Zeitler unterstrich, man habe mit Noltes Theater „eine tolle Kooperation aufgebaut“. Und dazu komme die Aussicht auf einen neuen Spielort, ergänzte er mit Blick auf die Kapuzinerkirche, die demnächst renoviert und bis 2024 ganzjährig bespielbar gemacht werden soll. Auch Oliver Nolte könnte sich durchaus vorstellen, den Kapuziner für eine Ensembleproduktion zu nutzen, denn dafür sei Noltes Kellertheater zu klein. Der OB schloss ferner auch eine künftige Spielstätte auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände nicht aus. Zwar komme eine Bühne im See kaum in Frage, aber eine Bühne an Land sei durchaus denkbar, räumte Zeitler auf Nachhaken ein.

Brunner wünscht sich langfristige Zusammenarbeit

Kulturamtschef Brunner verkündete, er habe Noltes auch eingeladen, einen Beitrag für das 1250. Stadtjubiläum beizusteuern. Oliver Nolte sagte auf Nachfrage des SÜDKURIER, dass er und seine Frau darüber nachdächten: „Es wäre schon schön, eine Geschichte aus Überlingen aufzugreifen.“

Brunner stellte zudem in Aussicht, langfristig mit Noltes Theater zusammenzuarbeiten. Oliver Nolte sagte: „Als privat finanziertes Theater müssen wir etwas anders agieren als ein staatliches Theater.“ Er betonte: „Es ist unser festes Ziel, dieses Theater zu halten.“ Zusätzlich zum Wintertheaterprogramm haben Noltes in der kommenden Saison auch noch ihre bewährten Produktionen „Hailix Nächtle“ und „Perle…“ im Repertoire. „Für neue Produktionen braucht‘s erst Planungssicherheit“, unterstrich Nolte.

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