Angekündigt war ein „Best of“ aus fünf Musicals, die die Jugendkantorei Überlingen in den vergangenen Jahren aufgeführt hat. Doch das, was die 26 Akteure auf die Bühne im Pfarrzentrum zauberten, waren fünf in sich abgeschlossene Geschichten mit jeder Menge Musik und szenischen Darbietungen. Kaum zu glauben, dass so ein Mammutprogramm in nur sieben Wochen umgeschrieben, inszeniert und einstudiert werden kann, zumal einige Darsteller gleich drei tragende Rollen übernommen haben.

Schulmusical „Lampenfieber“ zum Auftakt

Zum Auftakt wurde „Lampenfieber“ gezeigt. Vor allem bei der Premiere war das auch bei dem einen oder anderen Programm. Doch groß aufgefallen ist es nicht. Es ging um ein Casting für ein Schul-Musical. Hier stand eine sehr schwierige Aufgabe an, denn auf der Bühne absichtlich falsch singen ist eine hohe Kunst, die alle Akteure mit Bravour meisterten. Am Sonntag bei der vierten Aufführung war dann von Nervosität nichts mehr zu spüren.

Das könnte Sie auch interessieren

Bei „Max und die Käsebande“ begeisterten die jüngsten Künstler des Ensembles. Sie standen alle gemeinsam etwas mehr als 20 Minuten ununterbrochen auf der Bühne und zündeten ein wahres Feuerwerk rund um Käsesorten in der Schweiz, in England, Frankreich und in Italien. Hier stachen vor allem Emilie Fräntzki, Luisa Auer, Helena Mayer und Emma Gutemann sowie Franziska Berger als Max heraus, die immer wieder Solo-Auftritte hatten. Die Zuschauer waren von den Geschichten über Emmentaler, Cheddar, Mozzarella und Camembert sowie für die Mäuse grässliche Seite des veganen Käses fasziniert.

Anschließend ging es mit Alice ins Wunderland, das von der Herzkönigin regiert wird. Ida Hahn zeigte als Alice ihr gesangliches und schauspielerisches Können. Aber auch das Zusammenspiel von Sophie-Emilie Nicolaisen, Jule Urbansky und Maya Kauf, wie sie Alice zur „Teatime“ an der Nase herumführten war eindrucksvoll. Liv Augsten überzeugte hier zudem als Herzkönigin.

Liv Augsten überzeugt hier als Herzkönigin in „Alice im Wunderland“. Sie spielte insgesamt vier Rollen.
Liv Augsten überzeugt hier als Herzkönigin in „Alice im Wunderland“. Sie spielte insgesamt vier Rollen. | Bild: Jäckle, Reiner
Ida Hahn als Alice und Benjamin Rehfeldt als weißes Kaninchen in „Alice im Wunderland“.
Ida Hahn als Alice und Benjamin Rehfeldt als weißes Kaninchen in „Alice im Wunderland“. | Bild: Jäckle, Reiner

Bei der bekannten Geschichte von Peter Pan stach vor allem Captain Hook alias Miguel Martins heraus. Seine Gestik und vor allem sein markantes Piraten-Lachen passten perfekt zu dieser Rolle. Aber auch Johannes Berger, der den Peter Pan verkörperte, führte die drei Schwestern gekonnt und sicher durch eine fantastische Reise und wurde von Captain Hook wieder nicht gefangen.

Miguel Martins hier in der Rolle des Captain Hook in „Peter Pan“. Er spielte in vier der fünf Musicals mit.
Miguel Martins hier in der Rolle des Captain Hook in „Peter Pan“. Er spielte in vier der fünf Musicals mit. | Bild: Jäckle, Reiner
Spielen die Hauptrollen im Musical „Peter Pan“: Johannes Berger und Liv Augsten.
Spielen die Hauptrollen im Musical „Peter Pan“: Johannes Berger und Liv Augsten. | Bild: Jäckle, Reiner

Eine nicht weniger spannende Reise erlebten Maya Kauf als Greta und Benjamin Rehfeldt als Kai in „Die Schneekönigin“. Die beiden entführten durch ihre überzeugende Darstellung die Besucher gleich mit und retteten sie vor der durchaus bestehenden musikalischen Anziehungsraft von Sophie-Emilie Nicolaisen, die die Eiskönigin verkörperte. Am Ende waren alle Akteure auf der Bühne und standen am Abschlussbild unter einem goldenen Luftschlangen-Regen.

Maya Kauf als Greta und Benjamin Rehfeldt als Kai in „Die Schneekönigin“.
Maya Kauf als Greta und Benjamin Rehfeldt als Kai in „Die Schneekönigin“. | Bild: Jäckle, Reiner

Letzte Arbeiten bis kurz vor der Premiere

Mit einem breiten Grinsen betrat beim lang anhaltenden Applaus das verantwortliche Team um die Produktion die Bühne. Neben Gesamtleiterin Melanie Jäger-Waldau waren dies Regisseurin Isabell Marquardt, Choreografin Bianca Kummer und Gertrud Kemmerling, die mit ihrem Team zwei Stunden vor der Premiere die letzten Kulissen fertig gestellt hatte.

Begeisterten als verrücktes Trio in „Alice im Wunderland“ (von links): Maya Kauf, Jule Urbansky und Sophie-Emelie Nicolaisen.
Begeisterten als verrücktes Trio in „Alice im Wunderland“ (von links): Maya Kauf, Jule Urbansky und Sophie-Emelie Nicolaisen. | Bild: Jäckle, Reiner

Nach der vierten Aufführung am Sonntag, die musikalisch noch einmal deutlich besser war als die Premiere, war das Mammutprogramm der Jugendkantorei vollbracht. Zwei der vier Vorstellungen waren nicht ganz ausverkauft, doch das sei zu dieser Zeit wohl normal, wie Melanie Jäger-Waldau vermutete. Dennoch zog sie vor der Leistung der Jugendlichen den Hut und zollte ihnen größten Respekt: „Es war einfach beeindruckend, mit welcher Disziplin sie diese sieben Wochen durchgezogen haben.“

Die Macherinnen von „Best of Musicals“ (von links): Choreografin Bianca Kummer, Regisseurin Isabell Marquardt und Gesamtleiterin Melanie Jäger-Waldau.
Die Macherinnen von „Best of Musicals“ (von links): Choreografin Bianca Kummer, Regisseurin Isabell Marquardt und Gesamtleiterin Melanie Jäger-Waldau. | Bild: Jäckle, Reiner
Das könnte Sie auch interessieren