Nachdem sich eine Woche zuvor interessierte Überlinger ein Bild vom Areal machen konnten, wurde es beim zweiten Teil der Bürgerbeteiligung konkret. „Wir haben die Chance, das Umfeld eines zentralen Bereichs unserer Stadt zu gestalten“, begrüßte OB Jan Zeitler die recht zahlreich erschienen Teilnehmer. Er räumte ein, auch persönlich im Bereich Zimmerwiese – Schlachthausstraße noch „untergenutzte Bereiche“ auszumachen.

Bevor die Bürger loslegen und sich an drei Themeninseln einbringen konnten, listete Zeitler die Genese des Prozesses auf. Grundlage für die aktuelle Diskussion sei das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK), das auf „Vorstellungen und Ideen der Bürger zur Entwicklung Überlingens“ im Rahmen eines moderierten Prozesses entstand. Es wurde 2016 vom Gemeinderat als Orientierungsrahmen für künftige Maßnahmen beschlossen.

Hotelneubau schafft laut OB kein Überangebot

Zeitler erinnerte daran, dass der Hotelneubau nicht Teil der Tagesordnung sei. Trotzdem kamen später noch einige Fragen und Bemerkungen zum Hotel, die Zeitler mehrfach wieder auf das Podium holten, nachdem bereits Moderator Götz Braun übernommen hatte. Zeitler räumte Zweifel aus, ein neues Hotel würde ein Überangebot schaffen und berichtete von im Vorfeld erstellten Analysen zu den Bettenkapazitäten in Überlingen. Der Sprecher des Anfang des Jahres gestellten Einwohnerantrags, Holger Schappeler, reklamierte, die Meinung der Hotel-Gegner zu hören. Der Gemeinderat hatte im März über den Antrag beraten und als Kompromiss die gerade stattfindende Bürgerbeteiligung für das Umfeld beschlossen.

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Stadtplaner Thomas Kölschbach lenkte den Blick auf das zu betrachtende Gebiet und sein Umfeld, zu dem auch das Sanierungsgebiet Lippertsreuter Straße gehört, das im nächsten Jahr Gegenstand einer Bürgerbeteiligung sein wird. Zur rechtlichen Einordnung sagte Kölschbach: „Es gibt zwei rechtskräftige Bebauungspläne, die für den Neubau des Hotels geändert werden müssten.“

Bürger wünschen sich Belebung, aber weniger Autos

Dann ging es an drei Themeninseln um konkrete Vorschläge. Die Stationen markierten die Schwerpunkte: Nutzungsarten der Zimmerwiese sowie ein Bürgersaal, das Mobilitätszentrum mit ÖPNV und die Fuß- und Radwege. Jeweils eine Viertelstunde diskutierten die Teilnehmer an jeder Station, bevor sie zur nächsten wechselten. Dabei fielen Sätze wie „Ich träume von viel Grün, alle Autos unter die Erde und keine PKW mehr auf der Zimmerwiese.“ „Wir brauchen Räume für die Bürgerschaft, die VHS und Gruppen“, oder „Dieser Weg ist gruselig“.

Die letzte Bemerkung bezog sich auf den Fußweg neben der Feuerwehr zur Obertorstraße. Eine junge Frau bezeichnete den ZOB als Angstraum, den man beleben und beleuchten müsse. „Wir brauchen hier einen Ort, wo das Leben tobt und keinen Kiosk, der früh schließt“, ergänzte ein Bürger.

Viele Bürger brachten Erfahrungen und ganz konkrete Ideen ein.
Viele Bürger brachten Erfahrungen und ganz konkrete Ideen ein. | Bild: Sabine Busse

Nach dem engagierten Austausch wurden die Ideen im Plenum vorgestellt. Florian Kohlmann von der Abteilung Stadtplanung brachte die Wünsche auf den Punkt „Mehr Park und weniger Parken“. Die Teilnehmer möchten auf der Zimmerwiese vor allem Grün und Autos unter der Erde, auch ein Biergarten wäre schön.

Bahnhof erscheint vielen zu unheimlich und eng

Den vielen hier verkehrenden Schülern sollte eine hohe Aufenthaltsqualität geboten werden. Der Bahnhof wird als „gruselig“, zu eng und schlecht angebunden bezeichnet. Abhilfe könne eine auch für die Öffentlichkeit zugängige Tiefgarage unter dem Hotel schaffen, mit einem direkten Übergang zu den Gleisen.

Vorschläge werden dem Gemeinderat vorgelegt

Auch der Wunsch nach einem Bürgerhaus, in dem Gruppen Räume mieten können, wurde geäußert. Die kurvige Straßenführung von der Hitzlerstraße bis zum Kreisverkehr war vielen ein Dorn im Auge. Reisebusse sollten wie zu LGS-Zeiten hier nicht mehr parken dürfen und die Fuß- und Fahrradwege müssten verbessert und gut beschildert werden. Für die Schlachthausstraße reichten die Vorschläge von der Umbenennung bis zum kompletten Rückbau. Die Vorschläge werden jetzt von der Verwaltung zu einem Bericht zusammengefasst, mit dem sich erst die Koordinierungsgruppe befasst, bevor sie im kommenden Jahr dem Gemeinderat vorgestellt werden.

An jeder Station wurden die Anregungen aufgeschrieben und gesammelt. Sie fließen in den Bericht über die Beteiligung ein.
An jeder Station wurden die Anregungen aufgeschrieben und gesammelt. Sie fließen in den Bericht über die Beteiligung ein. | Bild: Sabine Busse
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