Das neue Konzept des Grünflächenamts in Überlingen zur Verbesserung der Artenvielfalt insbesondere bei den Not leidenden Insekten, aber auch bei den Wiesenpflanzen ist gut für die Natur, hat allerdings auf den ersten Blick zwei kleine Nachteile. Die ökologische Pflegestrategie sieht auf ausgewählten Flächen – unter anderem am Eglisbohl, am Schättlisberg und St. Leonhard – so genannte Mähwiesen vor.

Gekennzeichnet sind sie nicht von ungefähr durch kleine Stelen mit dem Bild einer Heuschrecke. Denn gerade die kleinen und großen Hüpfer, die sich bei einer zu häufigen Mahd und häufigem Mulchen nicht entwickeln können, profitieren hier bei der Entwicklung ihrer Eier und Larven von der Beschränkung auf zweimaliges Mähen zum richtigen Zeitpunkt. Aber auch für viele andere weniger auffällige Insekten wie Käfer, Grillen oder am Boden brütende Hummeln ist diese Strategie ein Gewinn, wie das Grünflächenamt der Stadt erläutert.

Zahlreiche kleine Heuschrecken hüpfen durchs frisch gemähte Gras.
Zahlreiche kleine Heuschrecken hüpfen durchs frisch gemähte Gras. | Bild: Hanspeter Walter
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Mähwiesen wirken nachhaltiger als Blühwiesen

Beim ersten Hinschauen sind die insektenreichen Mähwiesen optisch vielleicht nicht ganz so attraktiv wie die öffentlichkeitswirksamen und gerne geforderten Blühwiesen mit ihrer kurzfristigen Vielfalt. Doch ist die Wirkung der Mähwiesen auf die Natur wesentlich breiter und nachhaltiger. Zum einen müssen diese Blühmischungen immer wieder neu ausgesät werden, zum anderen bieten sie zwar der Honigbiene, aber sonst nur relativ wenigen Insekten eine Nahrung. Viele bodenbrütende Arten brauchen dagegen mehrjährige Wiesenpflanzen.

Der Schnitt mit dem Doppelmesserbalkenmäher schont zahlreiche Insekten. Eine nur zweimalige Mahd lässt bodenbrütenden Insekten, insbesondere Heuschrecken Zeit für die Entwicklung.
Der Schnitt mit dem Doppelmesserbalkenmäher schont zahlreiche Insekten. Eine nur zweimalige Mahd lässt bodenbrütenden Insekten, insbesondere Heuschrecken Zeit für die Entwicklung. | Bild: Hanspeter Walter

Wiesenpflanzen und Kräuter etablieren sich

Diese werden auf den rund sieben Hektar Projektflächen neuerdings mit einem Doppelmesserbalkenmähwerk zwei- bis dreimal insektenschonend geschnitten. Anders als beim regelmäßigen Mulchen wird das Mähgut großflächig abgeräumt, um den Nährstoffeintrag in den Boden zu reduzieren. Langfristig etablieren sich auf den nährstoffärmeren Flächen schließlich bunte Wiesenpflanzen und Kräuter, wie Michael Brantner vom Grünflächenamt erläutert.

Michael Brantner vom Grünflächenamt der Stadt setzt auf das neue Pflegekonzept.
Michael Brantner vom Grünflächenamt der Stadt setzt auf das neue Pflegekonzept. | Bild: Hanspeter Walter

Kühe schätzen Heu nicht, Pferde dagegen schon

Eine Schwierigkeit dieses Konzepts ist es auch, Abnehmer für das so gewonnen Heu als Futtermittel zu finden. Denn dessen Zusammensetzung ist nicht so recht nach dem Geschmack der Kühe und müsste aufwendig entsorgt werden. Glücklicherweise haben Pferde andere Vorlieben und schätzen dieses Futter. „Für das Projekt konnten wir den Reitverein Überlingen als Partner gewinnen“, berichtet Brantner. „Derzeit arbeiten wir auf rund zwei Hektar der Flächen, die sich aufgrund ihrer Beschaffenheit und Größe auch für die Gewinnung von Heu als Futtermittel eignen, zusammen.“ Diese Wiesen mäht und nutzt der Reitverein in eigener Regie.

Laufkäfer werden bei dem Vorgehen weitgehend verschont.
Laufkäfer werden bei dem Vorgehen weitgehend verschont. | Bild: Hanspeter Walter
Pferde lieben dieses Heu, Kühe weniger: Der Reitverein Überlingen mäht und pflegt die Wiese unter dem Parkhotel St. Leonhard seit diesem Jahr in Absprache mit der Stadt.
Pferde lieben dieses Heu, Kühe weniger: Der Reitverein Überlingen mäht und pflegt die Wiese unter dem Parkhotel St. Leonhard seit diesem Jahr in Absprache mit der Stadt. | Bild: Hanspeter Walter

Doch aus Sicht der Stadt wäre es „wünschenswert, wenn künftig ein noch größerer Anteil der insektenschonend gemähten Flächen zur Heugewinnung genutzt werden könnte und das Mähgut nicht nur für den Kompost taugt“. Einer Verwertung des Mähguts als Heu oder Grünfutter stehen jedoch auch die häufigen Verunreinigungen durch Müll und Hundekot auf den Flächen entgegen, erläutert Michael Brantner.

Verunreinigungen können tödliche Folgen haben

Aus diesem Grund seien bereits vor dem ersten Mähschnitt im Juni dieses Jahres an einigen Stellen Hinweistafeln angebracht worden, die auf die Verwendung des Mähguts als Futtermittel und die mitunter tödlichen Folgen für Rinder und Pferde bei Aufnahme von Hundekot hinwiesen. „Die ersten Erfahrungen mit der Kooperation sowie mit der Rücksichtnahme von Hundehaltern, Bürgerinnen und Bürgern ist sehr positiv“, zieht Brantner eine erste Bilanz, „sodass wir an dieser Stelle allen Unterstützern des Projektes herzlich danken.“

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