Mehr als 400 Menschen kamen am Samstagnachmittag zu einer Kundgebung gegen die Einschränkung der Grundrechte im Zuge der Corona-Krise auf die Hofstatt. Über dieses Echo staunten selbst die Initiatoren Udo Daecke, Marita Lauser und Gregor Baiker (alle aus Owingen).

Bei der Auslegung der Abstandsregel waren Polizei und Ordnungsamt großzügig.
Bei der Auslegung der Abstandsregel waren Polizei und Ordnungsamt großzügig. | Bild: Hanspeter Walter

Rund 50 Teilnehmer hatten sie bei der Stadt angemeldet gehabt, schließlich hängt davon die Zahl der vorgeschriebenen Ordner ab. Ohne großen öffentlichen Aufruf hatte sich die Kunde im Netz schnell verbreitet. Mit ihrem Vorstoß gegen soziale Vereinzelung, gegen den Verlust an Bildung und eine mögliche Impfpflicht hatten die Veranstalter bei vielen alternativen Gruppen in der Region offene Türen eingerannt.

Mehr oder weniger ernsthaft sorgten die Teilnehmer mit Meterstäben für den in der Einladung ausdrücklich geforderten Abstand, der in den hinteren Bereichen des Pulks allerdings nicht wirklich eingehalten wurde.

Manche Teilnehmerinnen nahmen es ganz genau mit dem Abstand.
Manche Teilnehmerinnen nahmen es ganz genau mit dem Abstand. | Bild: Hanspeter Walter

Polizisten zeigen sich nur als Beobachter

Mit Gelassenheit verfolgten Günter Hornstein, Leiter des Polizeireviers, und Hubert Wagner vom Amt für öffentliche Ordnung das Geschehen und waren mit dem ruhigen Verlauf zufrieden. „Wir können ja hier nicht überall durchgehen und nachmessen“, sagte Hornstein. „Wir gehen davon aus, dass viele der Teilnehmer, die da dichter zusammenstehen, auch zusammen gehören.“ Auch sonst konnten sich die Polizeibeamten auf den Beobachterstatus beschränken.

Alles unter Kontrolle: Zufrieden sein konnten Polizeirevierleiter Günter Hornstein und Hubert Wagner vom Ordnungsamt der Stadt (rechts).
Alles unter Kontrolle: Zufrieden sein konnten Polizeirevierleiter Günter Hornstein und Hubert Wagner vom Ordnungsamt der Stadt (rechts). | Bild: Hanspeter Walter

„Die Menschen sind frei“, intonierten Sänger Konstantin Wolff und Gitarrist Frank Waldvogel zum Auftakt eine Variante des 200 Jahre alten Volkslieds zur Gedankenfreiheit. „Wer das Grundgesetz nicht kennt, sollte sich hier eines mitnehmen“, sagte Udo Daecke, der ehemalige Leiter der Waldorfschule, und verwies auf die gelben Behälter um ihn herum.

„Die Menschen sind frei“: Mit einem Lied begann und endete die Demo am Samstag. Im Bild Versammlungsleiter Udo Daecke, der Sänger Konstantin Wolff und Nadeen Althoff.
„Die Menschen sind frei“: Mit einem Lied begann und endete die Demo am Samstag. Im Bild Versammlungsleiter Udo Daecke, der Sänger Konstantin Wolff und Nadeen Althoff. | Bild: Hanspeter Walter

Daecke kritisierte die Wortwahl der Politik, dass das Land „im Kriegszustand“ gegen Corona sei, und nannte die verordneten Einschränkungen eine „Nacht- und Nebel-Aktion“. Beifall und bekräftigende Pfiffe unterstützten seine Kritik am Aufruf des Innenministeriums, Verstöße gegen verordnete Quarantäne und die Verordnungen der Polizei zu melden. „Das ist Denunziation“, sagte er und fühlte sich an „dunkle Zeiten“ erinnert.

Klagen über „Gesundheitsfaschismus“

Er mache sich in der Tat Sorgen, dass die verordneten Einschränkungen der Grundrechte nicht mehr voll und ganz zurückgenommen werden würden, erklärte Daecke. Grund zu dieser Befürchtung sah er in Äußerungen, dass Normalität erst wieder einkehren könne, wenn es einen Impfstoff gebe. Darauf aber wollen die zahlreichen Impfkritiker unter den Teilnehmern ohnehin nicht warten, deren Anklage im zur Schau getragenen Vorwurf eines „Gesundheitsfaschismus“ gipfelte.

Erinnerung an das Grundrecht und markige Worte.
Erinnerung an das Grundrecht und markige Worte. | Bild: Hanspeter Walter

Bestärkt in ihrer Haltung wurden sie einmal mehr von dem ehemaligen Tierarzt Wilhelm Höfer, der seine Parallelen bei der Maul- und Klauenseuche begann und sich über die Desinfektion der Überlinger Promenade wegen einer toten Ente zu Zeiten der Vogelgrippe amüsierte. Viel war auch vom sozialen Entzug die Rede, der Menschen krank mache und von den Ängsten, die von den Medien viel zu sehr geschürt würden. „Auch an Ängsten kann man sterben.“

Virus begrenzt gefährlich, weil Intensivbetten leer?

Wenig war die Rede von den Menschen, die an Corona gestorben sind oder möglicherweise bedroht werden. Eher verwiesen die Rednerinnen und Redner auf die derzeit leeren Intensivbetten, in denen sie ein Argument für die begrenzte Gefährlichkeit des Virus erkannten. Vom „Naturrecht des Menschen“, dem Risiko zu begegnen, sprach der Überlinger Student Ardito Stichnote und zitierte Albert Schweitzer.

Das könnte Sie auch interessieren

Auch Autor Thomas Kuphal beklagte „Hysterie“ und „Maskenball“, doch tauchte bei ihm erstmals der Begriff der Solidarität auf. So reichten die Beiträge, die die Veranstalter selbst im Vorfeld nicht alle gekannt hatten, von literarischen Quellen wie George Orwells düsteren Prophezeiungen bis hin zur Esoterik der Energiezustände und Schwingungen von Virus, Mensch und Erde.

Auch von kräftigen Regenschauern ließen sich die Aktivisten nicht beeindrucken.
Auch von kräftigen Regenschauern ließen sich die Aktivisten nicht beeindrucken. | Bild: Hanspeter Walter