Sie hätten das Projekt nicht vom Ende her gedacht – und damit hat Gabriel Kiefer nun ein Problem, jetzt, wo das Ende für „ÜB hilft“ erreicht ist. Es handelt sich nur um eine lose Gruppierung von engagierten Frauen und Männern, die bei Kriegsausbruch sofort helfend tätig werden wollten. Mittlerweile ging ihnen aber die Luft aus.

Ihr Ziel, akut Hilfe zu leisten, hätten sie erreicht. Rund 60.000 Euro setzte die Gruppierung um und leistete im Durchschnitt mit rund 30 Leuten Hilfe in der Ukraine, aber auch Integrationsarbeit in Überlingen. Der von Anfang an formulierte Grundsatz, dann aufzuhören, wenn ihnen die Lust und die Kraft abhanden kommt, sei jetzt eben erreicht, sagt Kiefer ohne große Emotionen.

Wenn nach der Auflösung von „ÜB hilft“ noch Spendengeld übrig ist, wird es an eine von Tankred Kauf (links) mitbegründete ...
Wenn nach der Auflösung von „ÜB hilft“ noch Spendengeld übrig ist, wird es an eine von Tankred Kauf (links) mitbegründete Organisation übergeben. | Bild: Hilser, Stefan

Ende erreicht, wie geht es weiter?

Weil sie unabhängig bleiben wollten, hätten sie keinen Verein gegründet. Aber damit beginnt jetzt die Frage nach der Zukunft. Mit Verein im Hintergrund wäre klar, dass der Erfolg und das Vertrauen an einem gewählten Gremium hängen. Bei „ÜB hilft“ jedoch steht und fällt alles mit den Gründern, also den Leuten um Gabriel Kiefer, in die die Spender ihr Vertrauen steckten.

„Wir hätten ‚ÜB hilft‘ gerne erst beerdigt, wenn der Krieg zu Ende ist.“
Gabriel Kiefer

„Wir haben in kurzer Zeit eine gut funktionierende Marke aufgebaut“, freut sich Kiefer. Jetzt gehe es darum, in aller Öffentlichkeit klipp und klar zu sagen: „ÜB hilft ist beerdigt.“ Denn wenn das in den Köpfen der Leute nicht ankommt, so die Sorge Kiefers, könne jemand „Schindluder“ mit der Marke treiben und versuchen, weiter Spendengeld einzusammeln, das er in betrügerischer Weise für eigene Zwecke nutzt.

Deshalb, so Kiefers deutliche Botschaft: „Ende Juni 2022 hört die Organisation auf zu existieren. Die Marke ‚ÜB hilft‘ wird versenkt.“

Wenn noch Geld übrig bleibt

Was „ÜB hilft“ seit Kriegsausbruch leistete

Gabriel Kiefer zieht zufrieden Bilanz. Sie seien sofort mit dem Lebensnotwendigsten zur Stelle gewesen, als die großen Hilfsorganisationen in der Ukraine erst ihre Strukturen aufbauten. Sie hätten bei der Ankunft von Flüchtlingen in Überlingen unterstützt und für ein freundliches Klima und eine Willkommenskultur mit gesorgt. Sie hätten in kurzer Zeit viel Spendengeld eingesammelt und damit Güter wie Medikamente gekauft, die in der Ukraine schwer erhältlich sind.

Die Arbeit ging ihnen bis zuletzt nicht aus. In der Firma Pulsfog von Matthias Stahl stapelten sich nach wie vor Hilfsgüter, führten aber zunehmend zu Platz- und Logistikproblemen in der Firma. In den neuen Flüchtlingsunterkünften in den ehemaligen Kramer-Wohnungen weißelten die Helfer von „ÜB hilft“ die Wände und schleppten Möbel, mussten diese Arbeit aber auf immer weniger Schultern verteilen.

„Die Marke ‚ÜB hilft‘ wird versenkt.“Gabriel Kiefer
„Die Marke ‚ÜB hilft‘ wird versenkt.“Gabriel Kiefer | Bild: Hilser, Stefan

Gabriel Kiefer sagt, dass letztlich alles nur noch am Kernteam von etwa sechs Personen hängengeblieben sei. Sie hätten über Wochen hinweg durch ihr Ehrenamt Arbeit und Familie vernachlässigt, seien jetzt aber an einem Punkt angelangt, wo es nicht mehr weitergeht.

Ende Juni 2022 ist damit Schluss für die Gruppierung unter dem Namen „ÜB hilft“. Wobei die Manpower einzelner Personen weiterhin geleistet werde. „Wir hätten ‚ÜB hilft‘ gerne erst beerdigt, wenn der Krieg zu Ende ist“, bedauert Kiefer. Der Krieg tobt noch weiter, und es ist noch Geld da.

Kiefer rechnet mit etwa 5000 bis maximal 11.000 Euro, die „ÜB hilft“ noch zu vergeben hat. Ein Großteil davon gehe an eine Tettnanger Organisation, die in der Ukraine ein Heim für Waisenkinder unterstützt, deren Eltern im Krieg getötet wurden.