Das wäre was geworden: Am Freitag, 13. November, sollte im Nikolausmünster die Hauptversammlung der Überlinger Hänselezunft stattfinden. Richtig, im Münster. Stadtpfarrer Bernd Walter erteilte seinen Segen dafür. Unter Coronabedingungen hätten in keinem anderen Raum in Überlingen 200 Männer Platz gefunden, weshalb der Chef der katholischen Pfarrei (Bernd Walter) dem Chef der Hänselezunft (Harry Kirchmaier) großzügig für eine solche Veranstaltung das Kirchenportal aufgesperrt hätte.

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Nach der Narrenmesse zum Narrentag im Januar 2020 – lange ist‘s her – vertraute der Pfarrer auf das gesittete Benehmen der Hänsele und hegte also keine Bedenken gegen eine derart profane Veranstaltung im geweihten Raum. Doch sagte Kirchmaier die Sitzung mittlerweile wieder ab, weil von Amts wegen die Höchstzahl der Besucher bei öffentlichen Veranstaltungen auf 100 begrenzt wurde. 200 bis 250 Männer sind bei Hänseleversammlungen normal, und wenn er nur mit 100 tagen darf, verzichtet Hänselevater Kirchmaier lieber, wie er in einem Brief an seine Zunft vermeldete.

Das Rottweiler Rössle im Überlinger Münster am Narrentag im Januar.
Das Rottweiler Rössle im Überlinger Münster am Narrentag im Januar. | Bild: Hilser, Stefan

Nur hundert Hänsele im Münster. Und wie verhält es sich mit Gottesdienstbesuchern? „Bei religiösen Veranstaltungen“, sagte Bernd Walter, seien mehr Besucher im Raum erlaubt, sofern sie die Corona-Abstände einhalten.

Zieht der Papst dem Hirten die Hammelbeine lang?

Bernd Walter, der sich mit Freuden an seine Aktion erinnert, bei der er das geschnitzte Christkind aus dem Hochaltar zu einem Kuhstall trug, wäre findig genug, der Hänseleversammlung einen religiösen Charakter umzuhängen, frei nach Jesus von Nazareth: Lasst die Hänsele zu mir kommen.

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Innerhalb der katholischen Kirche ist man sich gar nicht einig, wie weltlich es in Kirchen(häusern) zugehen darf. Der aktuelle Papst, Franziskus, zählte sicher nicht zu denen, die dem Überlinger Hirten die Hammelbeine lang ziehen würden, wenn er eine so heilige Halle der Narretei öffnete. Ob er die Versammlung nicht dadurch zum religiösen Akt machen hätte wollen, indem er den Hänsele, einer Teufelsfigur, die Beichte abnimmt? Dazu der Pfarrer: „Ach Gott, nein, da wäre ich ja nicht mehr fertig geworden.“

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