Wer dieser Tage Münzen in den Telefonschlitz am Überlinger Mantelhafen wirft, hört klirrendes Metall. Das Kleingeld fällt erbarmungslos in die Ablage des Fernsprechers. Kein Groschen wird mehr angenommen – heute nicht, und auch sonst nie wieder.

Jetzt noch die verstaubte Telefonkarte nutzen

Seit Ende November hat die Telekom die Münzzahlung bei Telefonzellen und Fernsprechern bundesweit deaktiviert – so auch in Überlingen. Noch geht es dem Unternehmen zufolge mit Telefonkarten (wer sie noch findet). Ab Ende Januar soll aber auch diese Zahlungsfunktion nicht mehr möglich sein, heißt es.

Bundesweit betrifft das 12.000 verbliebene Telefonzellen und Freisprecher. In Überlingen sollen es noch 13 Geräte sein, so die Angaben des öffentlichen Telefonbuchs im Internet.

Unklarheit über Zahl in Überlingen

Doch weder die Stadtverwaltung Überlingen noch die Pressestelle der Telekom können diese Zahl bestätigen, geschweige denn eine Zahl nennen. Die Pressestelle der Stadt Überlingen verweist auf die Telekom. Diese schreibt: Zahlen auf regionaler Ebene könne man nicht nennen. „Der Rechercheaufwand für unsere Fachkollegen wäre zu hoch“, so Sprecher Hubertus Kischkewitz.

Ein vergilbter Fernsprecher am Mantelhafen.
Ein vergilbter Fernsprecher am Mantelhafen. | Bild: Cian Hartung

Wer sich aber in der Überlinger Innenstadt umschaut, entdeckt jedoch noch vereinzelte Exemplare. Beispielsweise am Mantelhafen, in der Mühlenstraße oder am Münsterplatz. Wie viele es insgesamt auch sein mögen, bis 2025 sollen sie jedenfalls alle abgebaut sein, so die Telekom.

Smartphone verdrängt Hörer

Hintergrund der Maßnahme sei, dass der Bedarf an öffentlichen Telefonen seit Jahren stark rückläufig sei. Seit längerem würden diese in Absprache mit Kommunen abgebaut. Die Telekom begründet das mit der Verbreitung der Smartphones, Energiesparmaßnahmen und die Unwirtschaftlichkeit der Telefonzellen.

Ein Anblick, der in den vergangenen Jahren immer seltener geworden ist: Ein Mensch mit dem Hörer am Ohr in einer Telefonanlage.
Ein Anblick, der in den vergangenen Jahren immer seltener geworden ist: Ein Mensch mit dem Hörer am Ohr in einer Telefonanlage. | Bild: Jäckle, Reiner

Mit dem Ende der Telefonanlage verschwindet ein Relikt aus vergangenen Zeiten aus der Öffentlichkeit. Wer Überlinger Fernsprecher kaufen möchte, kommt aber zu spät. Die Anlagen seien nicht mehr erhältlich, so Telekom-Sprecher Kischkewitz. Diese würden stattdessen recycelt. Lediglich in Form von öffentlichen Bücherregalen werden sie überdauern, so wie beispielsweise auf dem Rathausplatz in Stetten. Vereinzelte Objekte gibt es für schlappe 1400 Euro noch bei Ebay zu finden.

Legendärer Klau einer Telefonzelle

Das Ende der Telefonanlagen weckt Erinnerungen an einen kuriosen Telefonzellenklau in Überlingen-Lippertsreute. Gottfried Mayer, damaliger Lippertsreuter Ortsvorsteher, ließ während der Fastnacht 2012 in einer Nacht- und Nebelaktion die örtliche Telefonzelle abtransportieren. Wegen eines gekappten Kabels fiel im halben Ort der Strom aus. Zuvor hatte er vergeblich versucht, diese käuflich zu erwerben.

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Mehrere Wochen suchte die Polizei vergeblich, bis Mayer seine Tat der Polizei beichtete. Der Streich kam ihm teuer zu stehen, damit das Gericht das eingeleitete Strafverfahren gegen ihn einstellte. Inzwischen verfügt das Dorf über eine gelbe Zelle, die die Kommune später von privater Seite als Bücherregal erwerben konnte.