Schönes Sommerwetter, mit der Familie im Garten, Musik und gutes Essen: Die Tauffeier für den kleinen Quinn Carlos Eisele und seine Halbschwester Fienna Schulz war aus Sicht der Eltern ein Erfolg. „Für uns war es toll, einfach ein stimmiges Fest“, blickt Christine Strohmaier-Eisele zurück.

Bei der Taufe von Quinn Eisele und Fienna Schulz (von links): Quinn Eisele, Taufpatin Nicole Stehle, Dekanin Regine Klusmann, Fienna ...
Bei der Taufe von Quinn Eisele und Fienna Schulz (von links): Quinn Eisele, Taufpatin Nicole Stehle, Dekanin Regine Klusmann, Fienna Schulz, Taufpate Thomas Strohmaier und Taufpatin Martina Dienstberger. | Bild: Strohmaier-Eisele

Schon kurz nach der Geburt von Sohn Quinn habe sich die 40-Jährige mit ihrem Mann Oliver Eisele Gedanken über eine mögliche Taufe gemacht. Dieser sagt ehrlich: „Ich wäre nicht auf die Idee gekommen.“ Im Gespräch seien sich die Eltern dann aber schnell einig gewesen und haben sich für eine Taufe, genauer eine Gemeinschaftstaufe, entschieden.

Quinn und seine Halbschwester sollen denselben Weg gehen, den sie einmal gegangen sind – so die Prämisse der Eltern. Sowohl Oliver als auch Christine Strohmaier-Eisele wurden getauft, sind später aber aus der Kirche ausgetreten. „Es ist leichter, später auszutreten als einzutreten“, so die Meinung der Mutter. „Wir wollten unseren Kindern nichts vorenthalten, nur weil sie es zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht selbst entscheiden kann.“

„Es ist leichter, später auszutreten als einzutreten.“
Christine Strohmaier-Eisele

Ein weiterer Grund, weshalb sich die Eltern für die Taufe entschieden haben, sei die Kultur, mit der die Kinder aufwachsen. „Weihnachten, Ostern, Pfingsten sind alles christliche Feste, die wir feiern. Sie sollen verstehen, warum es diese Feste gibt“, sagt Oliver Eisele.

Deswegen befürworteten die Eltern die Taufe – obwohl sie selbst kein Kirchenmitglied mehr sind. Doch ist es überhaupt möglich, sein Kind in einem solchen Fall taufen zu lassen? Regine Klusmann, Dekanin der Evangelischen Kirche Überlingen, erklärt: „Jeder kann getauft werden. Wichtig ist nur, dass die Taufpaten Kirchenmitglieder sind.“ Sie geben bei der Taufe das Versprechen ab, das Kind christlich zu erziehen.

Nicht nur Quinn wurde im Garten von Familie Strohmaier-Eisele getauft. Auch Oliver Eiseles Tochter Fienna wurde von Dekanin Regine ...
Nicht nur Quinn wurde im Garten von Familie Strohmaier-Eisele getauft. Auch Oliver Eiseles Tochter Fienna wurde von Dekanin Regine Klusmann gesegnet und in der Kirchengemeinschaft aufgenommen. | Bild: Strohmaier-Eisele

Dieses Versprechen gaben die Taufpaten auch bei der Taufe für Quinn und Fienna ab. Dekanin Regine Klusmann war im Garten der Familie Strohmaier-Eisele dabei und gab den Kindern den Segen Gottes mit auf den Weg. „Viele Taufen finden mittlerweile im Freien statt, die Zeremonie muss nicht zwingend in der Kirche sein“, sagt Klusmann.

Regine Klusmann, Dekanin: „Viele Taufen finden mittlerweile im Freien statt, die Zeremonie muss nicht zwingend in der Kirche ...
Regine Klusmann, Dekanin: „Viele Taufen finden mittlerweile im Freien statt, die Zeremonie muss nicht zwingend in der Kirche sein.“ | Bild: Stefan Hilser

Zahl der Kindertaufen ist rückläufig

Doch nicht alle Eltern lassen ihre Kinder taufen. Viele sind in den vergangenen Jahren von dem Aufnahmeritual in die Kirchengemeinschaft abgerückt. Wie Dekanin Klusmann weiß, werden in Überlingen jährlich etwa 40 Kinder durch eine Taufe in die Evangelische Kirche aufgenommen. Vor etwa zehn bis 15 Jahren seien es weit mehr Kinder gewesen.

Auch Celia Glasse aus Überlingen hat sich bewusst gegen eine Taufe ihres Sohns Jonas entschieden. „Ich möchte kein Bündnis machen, mein Kind biblisch zu erziehen. Ich möchte nicht, dass da ein Zwang dahintersteht“, begründet die 32-Jährige. Sie ist der Meinung: Egal wie christlich ein Kind erzogen wird, geht es am Ende immer noch seinen eigenen Weg. Und so soll ihr Sohn später selbst entscheiden dürfen, ob er in die Kirche eintreten möchte oder nicht.

Celia Glasse mit ihrem Sohn. Die 32-Jährige hat den kleinen Jonas nicht taufen lassen.
Celia Glasse mit ihrem Sohn. Die 32-Jährige hat den kleinen Jonas nicht taufen lassen. | Bild: Familie Glasse

Glasse selbst wurde als Kind von ihrem Großvater getauft und streng christlich erzogen. Als Teil einer exklusiven Brüdergemeinde der evangelischen Kirche wachte sie jeden Morgen mit der Bibel auf, im Glauben, die Erde sei nur 6000 Jahre alt und der Gott habe nur Mann und Frau geschaffen.

„Ich möchte kein Bündnis machen, mein Kind biblisch zu erziehen. Ich möchte nicht, dass da ein Zwang dahinter steht.“
Celia Glasse

„Später gab es für mich keine kurzen Röcke, keine Partys am Wochenende, keinen Kuss geschweige denn Sex vor der Ehe“, erzählt Glasse ehrlich. Wie sie heute beschreibt, sei ihr das alles „zu eingreifend in die Persönlichkeit“ gewesen. „Es war sehr gesetzlich und dadurch war die Selbstbestimmung eingeschränkt“, blickt die 32-Jährige zurück. Deswegen trat Celia Glasse schließlich aus der Brüdergemeinde aus.

Kind soll später Religionsunterricht besuchen

Dass die Überlingerin nun kein Kirchenmitglied mehr ist, bedeutet für sie aber nicht, dass sie den Glauben an Gott aufgegeben hat. „Ich glaube an Gott, möchte aber nicht, dass mir vorgeschrieben wird, wie ich zu leben habe“, erklärt sie. Glasse ist wichtig, dass ihr Sohn später den Religionsunterricht in der Schule besucht und über Gott Bescheid weiß. Sie betont: „Was er mit diesem Wissen dann macht, ob er in die Kirche geht oder nicht, das kann er selbst entscheiden.“

Zu den Personen

Das könnte Sie auch interessieren