Jürgen Baltes

Um Punkt 9.20 Uhr war sie wieder an Land – die Schatzkiste, welche die Tauchgruppe Überlingen (TGÜ) am Vorabend ihres traditionellen Dreikönigstauchens im See versenkt hatte. Damit dauerte die Suche deutlich länger als in den Vorjahren. „Sie war recht gut versteckt“, sagte Manuel Sigwart vom Tauchclub Singen. Er hat die Kiste mit drei Kollegen „nur aus Zufall“ in 40 Metern Tiefe direkt an der Abbruchkante der Steilwand entdeckt. Die Singener kommen schon seit Jahren zu dem Ereignis, das am Freitag sein 50. Jubiläum gefeiert hat. Zum ersten Mal haben sie den Schatz geborgen. Die Belohnung: zwei Gutscheine und eine Flasche Rum.

Erst registrieren, dann ab ins Wasser: Die Tauchgruppe Karlsruhe – ganz königlich.
Erst registrieren, dann ab ins Wasser: Die Tauchgruppe Karlsruhe – ganz königlich. | Bild: Jürgen Baltes

Nach zwei Jahren Corona-Pause war die Freude groß bei den Tauchern, die teilweise von weit her anreisten, aus dem Schwarzwald, Österreich oder aus der französischsprachigen Schweiz. Bereits kurz vor acht Uhr stiegen die ersten am Minigolfplatz ins Wasser. Gegen zehn Uhr tummelten sich bereits über 100 Taucher vor der Uferlinie, insgesamt nahmen rund 200 Taucher teil. Ein Höhepunkt des Dreikönigstauchens: Nur an diesem Tag darf vom Minigolfplatz auch nach rechts statt nur nach links getaucht werden. Ansonsten ist es 100 Meter rund um Anlegestellen und Häfen verboten.

An Dreikönig darf hier ausnahmsweise auch nach rechts getaucht werden – und natürlich nach unten!
An Dreikönig darf hier ausnahmsweise auch nach rechts getaucht werden – und natürlich nach unten! | Bild: Jürgen Baltes

Die Steilkante des Ufers zieht viele Teilnehmer an den Überlinger See. „Ich mag dieses Revier“, sagte Klaus Eckert aus Karlsruhe. „Wir hatten sicher 20 Meter Sicht, das ist schon toll.“ Davon zeugen auch die Zahlen. Schätzungen zufolge würden hier pro Jahr rund 60 000 Tauchgänge absolviert, sagt Dirk Diestel, Vorstand der Tauchgruppe Überlingen.

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Was Diestel etwas schmerzt: die schwindende Mitgliederzahl des Clubs. „Wir sind jetzt noch knapp 30.“ In den vergangenen Jahren habe man rund 20 Mitglieder verloren. Auch der Tauchpunkt am früheren Campingplatz fehle. Und den einst zugesagten Trockenraum im Gastronomie-Gebäude des Landesgartenschau-Geländes habe man auch nie bekommen.

Die Schatzkiste wird geborgen (von links): Christian Sutter, Pascal Epp, Nicolai Bestek.
Die Schatzkiste wird geborgen (von links): Christian Sutter, Pascal Epp, Nicolai Bestek. | Bild: Jürgen Baltes

Zwei Stunden nach Beginn tummelten sich vor dem Klubraum der TGÜ am Parkhaus Post die ersten, deren Sauerstoffflaschen schon leer waren. Hier warteten Glühwein und „heiße Rote“, Kaffee und Kuchen. Diestel war sich sicher: „Selbst wenn wir das Event irgendwann einmal nicht mehr veranstalten sollten, werden sich hier alle an Dreikönig treffen.“ Doch davon war erst einmal nicht die Rede.

Fotos vom Dreikönigstauchen 2023: So verlief die Schatzsuche

Bilder des Markdorfer Sporttauchers Benjamin Fuchs zeigen, wie die in etwa 40 Metern Tiefe versteckte Schatzkiste beim Dreikönigstauchen am 6. Januar geborgen wurde. Die Unterwasserbilder können Sie sich hier ansehen.

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