Die Versorgung mit Lebensmitteln ist zu 100 Prozent gesichert. Das liest man immer wieder. In diesem Zusammenhang fällt auch immer wieder der Begriff „systemrelevant“. Also Berufe oder Einrichtungen, die für das Bestehen des Systems in besonderem Maße wichtig sind. Lebensmittelproduktion, LKW-Fahrer, Pflegepersonal, Ärzte, Feuerwehr, Polizei und viele mehr. Doch wie sieht es eigentlich mit ganzen Unternehmen aus, die systemrelevant sind, die die Bürger beispielsweise mit Wasser, Strom, Gas und Internet versorgen? Gerade jetzt, wenn viele Menschen zu Hause sind, verbrauchen sie mehr Ressourcen. Kann es hier deshalb zu „Lieferengpässen“ kommen?

Internet ist wichtiger denn je

„Die Auslastung des Internet-Netzes hat mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie stark zugenommen“, gibt Teledata, ein regionaler Internet- und Serviceprovider mit Sitz in Friedrichshafen, Auskunft. „Insgesamt sind wir aber gut aufgestellt“, sagt Jana Klesz aus der Marketing-Abteilung. So haben sie erst zeitnah ihre Netzkapazitäten erweitert und einen Notfallplan erstellt. „Damit wollen wir den Kunden unsere versprochene Leistung bieten“, sagt Jana Klesz. „Man merkt, viele arbeiten von zu Hause. Das Internet ist wichtiger den je.“

Netzauslastung hat sich verdoppelt

So habe sich die Netzauslastung zu Stoßzeiten im Prinzip verdoppelt. Neben dem Datenverkehr habe sich auch der Telefonverkehr um ungefähr 50 Prozent erhöht. Es sei insgesamt eine stärkere Auslastung bei allen Netzbetreibern festzustellen. Insbesondere an Netzgrenzen, wo Carrier ihre Datenverkehre zusammenschalten, käme es bei Stoßzeiten zu Engpässen. Teledata sei davon allerdings nicht betroffen.

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Da viele Unternehmen auf Home-Office umgestellt haben, hat sich der Bandbreitenbedarf oft kurzfristig und überraschend erhöht, heißt es in einer Pressemitteilung der Teledata. Solange die Corona-Pandemie anhalte, rechne das Unternehmen weiterhin mit steigenden Datenmengen. „Viele Unternehmen nutzen erfolgreich die neuen Kommunikationsmedien. Anfangs kam es dadurch zu Störungen, mittlerweile laufen diese Anwendungen jedoch störungsfrei“, heißt es weiter.

Das Unternehmen musste reagieren

Einschränkungen drohen in Form geschlossener Kundenzentren. Außerdem wäre alles auf Online-Kommunikation umgestellt, und auch die Hardware in Form von Fritz-Boxen würde nur noch versendet. „Im weiteren Netzausbau sehen wir stärkere Einschränkungen, da wir hier auf externe Dienstleister angewiesen sind, die zunehmend nur noch im Notbetrieb arbeiten. Hier werden sich Projekte verzögern“, äußert sich das Unternehmen. „Teledata ist jedoch insgesamt auf den Ansturm vorbereitet und gut aufgestellt“, sagt Jana Klesz.

Trinkwasser ist durch das Virus nicht in Gefahr

Der systemrelevanteste Rohstoff ist Wasser. Das Allerwichtigste: „Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 wird nicht über Trinkwasser verbreitet, die Trinkwasserqualität ist durch das Virus nicht in Gefahr“, sagt Maria Quignon, Pressesprecherin der Bodenseewasser-Versorgung in Sipplingen. „Die Aufbereitungsanlage auf dem Sipplinger Berg entkeimt das Wasser und entfernt unerwünschte Mikroorganismen und Viren. Somit kann das Wasser aus dem Hahn nach wie vor unbedenklich genutzt werden.“ Das deutsche Umweltbundesamt äußert sich ähnlich: „Eine Übertragung des Coronavirus über die öffentliche Trinkwasserversorgung ist nach derzeitigem Kenntnisstand höchst unwahrscheinlich.“

Wasserverbrauch ist etwas höher

Vier Millionen Menschen in Baden-Württemberg werden mit dem Wasser aus Sipplingen versorgt. Die derzeitige Wasserabgabe an die 183 Verbandsmitglieder sei etwas höher als in den Vergleichsmonaten Januar bis März des letzten Jahres. Es gebe allerdings keine Anhaltspunkte dafür, dass dies auf die Corona-Krise zurückzuführen ist. „Und besondere Spitzen bemerken wir sowieso nicht. Die berühmte Halbzeitpause schlägt bei der Fernwasserversorgung nicht in einem Anstieg des Wasserverbrauchs durch“, sagt Maria Quignon.

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Zur Sicherstellung der Wasserversorgung habe die Bodensee-Wasserversorgung Maßnahmen getroffen. Für wichtige Funktionen wurden jeweils zwei räumlich getrennte Teams gebildet, die bei Erkrankungen die Aufgaben übernehmen können. Des Weiteren verfüge man über ein Krisenmanagement und einen Pandemieplan. Außerdem stehe man in engem Kontakt mit dem Landesgesundheitsamt und dem Ministerium ländlicher Raum Baden-Württemberg.

Wasser durch mehrstufige Systeme gesichert

Auch laut Alexander Belard, Wassermeister des Stadtwerk am See, ist und bleibt das Trinkwasser sicher: „Mehrstufige Systeme wie Ozonierung, UV-Bestrahlung oder Chlor-Desinfektion deaktivieren in unseren Wasserwerken in Friedrichshafen und Überlingen die Viren“, sagt Belard. Stadtwerk-Chef Alexander-Florian Bürkle führt weiterhin an: „Wir sind bestmöglich vorbereitet und haben bereits eine Vielzahl an Maßnahmen umgesetzt, um die Versorgung jederzeit zu gewährleisten. Unsere Notfallpläne sind aktuell und liegen in der Schublade.“ Außerdem sei die Netzleitstelle, die Schaltzentrale des Stadtwerks, 24 Stunden am Tag im Dreischichtbetrieb besetzt. Dadurch sei sie komplett autark.

Stromverbrauch ist gesunken

Das geringste Problem der systemrelevanten Ressourcen ist wohl der Strom, und das trotz Home-Office. Wieso, erklärt Stadtwerk am See Pressesprecher Sebastian Dix: „Wir können einen massiven Einbruch an Stromverbrauch verzeichnen. Der große Wegfall an Industrieverbrauch wird durch private Haushalte nicht kompensiert. Die Großindustrie verbraucht viel mehr.“ So wurden aus dem Stromnetz Überlingen am Mittwoch, 25. März 2020, 227 000 Kilowattstunden an Strom geliefert. Am selben Tag des Vorjahres, Montag, 25. März 2019, waren es noch 259 000 Kilowattstunden. Das entspricht einem Abfall von rund 12 Prozent. Laut Sebastian Dix sei der Hauptgrund dafür der Wegfall von Industrie, Gastronomie und Einzelhandel. Allerdings sei dies natürlich lediglich nur eine Momentaufnahme, die auch von anderen Faktoren wie Wetter, Produktionen und mehr beeinflusst werde.

Die Bereitstellung von Strom sei darüber hinaus kein Hochrisikoprojekt. Wenn Kollegen krank werden würden, hänge die Versorgung nicht von diesen einzelnen Mitarbeitern ab. So hätte laut Sebastian Dix eher die Netzverbesserung in nächster Zeit ein Problem, das habe aber keinen Vorrang. Die Netzleitstelle sei am Anfang besonders geschützt worden und man sorge dafür, dass die Leistungsfähigkeit aufrecht erhalten wird. Sebastian Dix sagt abschließend: „Die Kollegen sind mit Hochdruck dabei, die sichere Stromversorgung zu gewährleisten. Es gibt keine Sorgen und keine Probleme bei der Versorgung mit Gas, Wasser und Strom.“