Der Ton macht die Musik, sagt man gern. Ein gutes Beispiel ist der jüngste Auftritt von Ute Stegmann, Geschäftsführerin der Deutschen Bodensee Tourismus GmbH (DBT), vor dem Überlinger Gemeinderat. Stegmann gelang es mit ihrem Lagebericht zur Echt-Bodensee-Card (EBC), mehr Sympathien für das Projekt und die gemeinsame Gästekarte zu gewinnen als ihre Vorgänger. Ein Beschluss dazu war jedoch nicht vorgesehen.

Datenschutzrechtliche Bedenken an Karte sind ausgeräumt

Allerdings hat sich auch die Karte selbst verändert, sie kommt inzwischen ohne elektronischen Chip daher und die datenschutzrechtlichen Bedenken sind ausgeräumt. Für einen Preis von 1 Euro (ab 2021 sind es 1,10 Euro) pro Gast und Nacht oder einen entsprechenden Zuschlag auf die Kurtaxe ermöglicht sie vor allem die kostenlose Nutzung des Personennahverkehrs und Extras oder Vergünstigungen bei touristischen Anbietern. Stegmann räumte ein: „Wir sind nicht so gestartet, wie wir das wollten, und haben auch einige Fehler gemacht.“ Sie sei angetreten, selbstkritisch das Beste daraus zu machen.

Jürgen Jankowiak, Geschäftsführer Überlingen Marketing und Tourismus GmbH: „Wir haben schon einige Runden gedreht.“
Jürgen Jankowiak, Geschäftsführer Überlingen Marketing und Tourismus GmbH: „Wir haben schon einige Runden gedreht.“ | Bild: Hilser, Stefan

Gemeinderat hatte im November 2015 breite Zustimmung signalisiert

„Wir haben schon einige Runden gedreht“, erklärte Jürgen Jankowiak, Geschäftsführer der Überlingen Marketing und Tourismus GmbH (ÜMT). Ihm hatte der Gemeinderat im November 2015 breite Zustimmung signalisiert und eine Teilnahme mit dem Start der Karte im April 2017 in Aussicht gestellt. Ein halbes Jahr später ruderten die Gremien zurück.

Jankowiak setzt weiter auf werbewirksames Qualitätsmerkmal für Region

Mittlerweile habe man einige Hausaufgaben gemacht, betonte Jankowiak. Stadtverwaltung und ÜMT hätten sich auf die Einführung der Überlinger Gästekarte sowie das elektronische Meldesystem konzentriert, das seit November 2018 verpflichtend sei. Nach wie vor setzt Jankowiak auf eine höherwertige Alternative und die Stärkung eines werbewirksamen Qualitätsmerkmals für die Bodenseeregion, wie es das in anderen Regionen längst gebe.

Ute Stegmann, Geschäftsführerin der Deutscher Bodensee Tourismus GmbH: „Sie sprechen mir bei vielen Dingen aus dem Herzen.“
Ute Stegmann, Geschäftsführerin der Deutscher Bodensee Tourismus GmbH: „Sie sprechen mir bei vielen Dingen aus dem Herzen.“ | Bild: Lisa Dünser Fotografie

Stegmann: positive Rückmeldungen in aktueller Umfrage

Ute Stegmann verwies auf die positiven Rückmeldungen zur EBC bei einer aktuellen Umfrage. Sie räumte allerdings gleich ein, dass diese aufgrund einer geringen Beteiligung (etwa 800) nicht repräsentativ sein könne und begrenzte Aussagekraft habe. Dass in Überlingen inzwischen von Gästen explizites Interesse an der Karte formulierte werde, hatte Jürgen Jankowiak schon deutlich gemacht. Es gebe sogar vereinzelt Stimmen, die wegen dieses fehlenden Angebots die Wahl ihres Ferienorts möglicherweise ändern wollten.

Kritik aus dem Rat: Weiterhin keine große Kommune beteiligt

Kritikpunkt aus der Ratsrunde war, dass sich nach wie vor keine richtig große Kommune beteilige. Genannt wurden insbesondere Friedrichshafen, Lindau und Meersburg. „Sie sprechen mir bei vielen Dingen aus dem Herzen“, betonte Ute Stegmann. Eine Beteiligung von Konstanz sei derzeit aus mehreren Gründen nicht realistisch. Doch liefen zahlreiche aussichtsreiche Gespräche mit mehreren Kommunen, darunter Lindau, Kressbronn oder Uhldingen-Mühlhofen. Friedrichshafen sei noch nicht auf dem Weg, sagte Stegmann. Dort gebe es bislang weder eine Kurtaxe noch ein Meldewesen.

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Im Nahverkehr zahlreiche Busse überfüllt

Viele Bedenken gegenüber der Karte seien inzwischen ausgeräumt, erkannte Stadtrat Günter Hornstein (CDU) eine positive Weichenstellung. Allerdings fehlten ihm wichtige Kommunen als Mitstreiter und im Nahverkehr seien zahlreiche Busse überfüllt.

Verkehrsverbund Bodo bemüht sich um Verbesserungen

Bernd Hasenfratz vom Verkehrsverbund Bodo konnte hier nur die Bemühung um Verbesserungen entgegenhalten. Ein Ausbau des Netzes, wie es von der Bonndorferin Sonja Straub (CDU) gefordert wurde, sei mit den EBC-Mitteln auf keinen Fall zu machen.

„Wenn wir am Bodensee mit anderen Regionen mithalten wollen, kommen wir um die EBC nicht herum“, erklärte Lothar Thum (FWV/ÜfA) und warnte davor, immer nur auf die anderen zu schielen. Wenn man von Überlingen auf andere zeige, „dann zeigen mehrere Finger zurück“, sagte Thum.

Oberbürgermeister: Überlingen auch Orientierung für andere

Und Oberbürgermeister Jan Zeitler sah Überlingen auch als Orientierung für andere: „Wir dürfen die Rolle unserer Stadt auch nicht unterschätzen.“ Überlingen werde hier sehr genau beobachtet.

Raimund Wilhelmi schlägt Konferenz zum Erfahrungsaustausch vor

„Der Einstieg war desaströs“, erklärte Kristin Müller-Hausser (BÜB+) und sah hier den Grund für das schlechte Image der EBC. Aus ihrer Sicht werde der öffentliche Personennahverkehr von den Feriengästen kaum genutzt. Herbert Dreiseitl (LBU/Grüne wandte sich direkt an Ute Stegmann: „Sie machen Ihre Sache gut, das kommt rüber.“ Er schlug eine gemeinsame Konferenz zum Erfahrungsaustausch aus. Kritik hielt Raimund Wilhelmi an den bescheidenen Vergünstigungen neben dem Personennahverkehr entgegen: „Die Vorteile kommen doch nur von den Betrieben, da kann man keine großen Rabatte erwarten.“

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