Die Verbretterungsaktion des Eingangsbereichs eines Ladengeschäfts an der Überlinger Hofstatt endete am 25. September vor Gericht. Handwerker hatten am 4. September am Geschäft an der Überlinger Hofstatt eine große gläserne Geschäftstür ausgebaut und den Eingang dann mit Brettern zugenagelt.

Michael Stehle, der Eigentümer des Gebäudes, sieht sich durch die Berichterstattung im SÜDKURIER vollkommen zu Unrecht als „Hardliner“ angeprangert und spricht jetzt von einem Räumungstitel gegen seine Mieterin Judith Braun. Der Überlinger Unternehmer möchte zu dem von ihm beauftragten Abtransport der defekten Glastüre einiges klarstellen.

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Judith Braun zieht mit ihrem Geschäft „Up to Lake“ Ende des Monats aus. Die Geschäftsfrau hatte sich nach eigenem Bekunden nach Stehles Aktion in einem Eilverfahren an das Amtsgericht Überlingen gewandt, und spricht von einem für sie erfolgreichen Abschluss des Verfahrens. Dass Stehle einen Räumungstitel gegen sie erwirkt hat, dem widerspricht Braun, da es nach ihrer Aussage vor Gericht einen Vergleich gegeben habe.

Michael Stehle: „Ich sage immer, wer in Frieden kommt, der geht auch in Frieden.“
Michael Stehle: „Ich sage immer, wer in Frieden kommt, der geht auch in Frieden.“ | Bild: Stef Manzini

Passanten sahen sich am Abend des 4. September an ein Szenario „wie im Wilden Westen“ erinnert, als zwei Arbeiter nach Geschäftsschluss die Ladentüre ausbauten und den Bereich mit Grobspanplatten quasi verschlossen.

Judith Braun war, durch einen Anruf alarmiert, daraufhin herbeigeeilt, wie sie sagt. Die Geschäftsfrau gibt an, von dieser Aktion völlig überrascht worden zu sein. Bereits seit Juni habe sie die schadhafte Ladentür bei ihrem Vermieter moniert, an der zwei Schließbolzen nicht mehr richtig funktionieren würden. Dieser Umstand stelle eine Gefahr für ihre Kunden dar, berichtete Judith Braun gegenüber dieser Zeitung.

„Up to Lake“ mit Brettern verriegelt

Genau diesem Umstand habe er Rechnung getragen, sagt jetzt Stehle, der von der Brisanz und Dringlichkeit des Sachverhalts erst am 25. August durch seinen Anwalt Eppler erfahren haben will. Judith Braun sagt, ihrem Vermieter habe seit Mitte Juni ein Angebot einer Fensterbaufirma vorgelegen. Stehle befand sich nach eigenen Angaben im Urlaub und veranlasste dann aber auf Drängen seines Rechtsanwalts innerhalb einer Woche den Ausbau der Tür und die Sicherung des Ladens mit den Spanplatten. Ein Geschäftsbetrieb war für „Up to Lake“ danach unmöglich geworden, da die Kunden den Laden nicht mehr betreten konnten.

Judith Braun: „Ich möchte unter diesen Umständen auch nicht länger hier sein, und freue mich auf meine neuen Räume.“
Judith Braun: „Ich möchte unter diesen Umständen auch nicht länger hier sein, und freue mich auf meine neuen Räume.“ | Bild: a

Stehle: „Wollten Geschäftsbetrieb nicht stören“

Michael Stehle sagt: „Natürlich ist der Ausbau der Tür nach Feierabend durchgeführt worden, um den Geschäftsbetrieb nicht zu stören. Wir haben die Aktion mit einem anwaltlichen Schreiben vom 31. August 2020 ohne exakten Termin angekündigt, wir wussten ja nicht genau, wann wir Handwerker dafür finden würden. Frau Braun hätte sich ja bei mir nach dem genauen Termin erkundigen können. An einen Einbau einer Behelfstür habe ich ehrlich gesagt gar nicht gedacht, da das Mietverhältnis mit Judith Braun bereits schwierig war, und ich ein baldiges Ende herbeisehnte.“

Unstimmigkeiten wegen Miethöhe

Unstimmigkeiten mit ihrem Vermieter hatte Judith Braun bereits im September gegenüber dieser Zeitung eingeräumt. Wie Stehle bestätigt auch sie, dass es dabei vor allem um die Höhe der Miete gegangen sei. Die Geschäftsfrau sieht die Unstimmigkeiten aber auch in der defekten Eingangstüre begründet.

Michael Stehle hatte vor drei Jahren zwei aneinandergrenzende Ladenflächen an der Überlinger Hofstatt/Hafenstraße gekauft. Judith Braun befindet sich insgesamt seit zehn Jahren an diesem Standort, wechselte aber zum 1. Mai in den kleineren Laden. „Da waren wir sehr kulant, haben wegen Corona auf eineinhalb Monatsmieten verzichtet, und sind Frau Braun auch mit einem geringeren Mietzins für den kleineren Laden als ursprünglich von uns beabsichtigt entgegengekommen“, erklärt Stehle jetzt dazu und legt entsprechende Schriftstücke vor.

Umzug des Ladens an den Münsterplatz

Zur Unterzeichnung eines Mietvertrages kam es dennoch bis zum heutigen Zeitpunkt nicht. Die Ladenmiete sei aber von ihr stets bezahlt worden, betont Judith Braun. „Nach der Verbretterungsaktion wandte ich mich mit meiner Anwältin in einem Eilverfahren an das Amtsgericht Überlingen. Dieses konnte aus meiner Sicht erfolgreich abgeschlossen werden. Herr Stehle muss mir laut Gerichtsbeschluss bis Ende Oktober den angrenzenden Laden kostenlos für meinen Räumungsverkauf zur Verfügung stellen. Danach wird das Mietverhältnis beendet sein“, gibt sie weiter an.

Darüber sei er sehr froh, sagt Stehle, und ergänzt: „Zieht der Mieter zum vereinbarten Termin dennoch nicht aus, gilt der Räumungsvergleich als Titel für die Zwangsräumung“ – dies sei Wortlaut im Vergleichsurteil.

Judith Braun wird zum kommenden Jahr die ehemaligen Geschäftsräume der Firma Adrion am Überlinger Münsterplatz beziehen.

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