Diese Situationsbeschreibung ist in Zeiten von Corona undenkbar: Der Kursaal gleicht einem Bienenstock, emsig wuseln Eltern und Kinder durch die Tischreihen, auf denen sich Kleidungsstücke, Spielsachen und Babyutensilien stapeln. Prall gefüllte Einkaufstaschen werden zur Kasse getragen, wo der Inhalt für einen günstigen Preis den Besitzer wechselt.

Nach 53 Börsen vorerst Schluss

So zumindest lief die Kleiderbörse, die zweimal im Jahr vom Familientreff Kunkelhaus und dem städtischen Kinderhaus St. Angelus organisiert wird, die letzten 53 Male ab. So sollte es auch wieder im vergangenen März laufen – doch dann kam Corona. Aufgrund der sich rasch entwickelnden Infektionslage zog Johanna Nagel vom Orga-Team die Notbremse: „Als die Anordnung von der Stadt kam, waren die Nachrichten aus dem Fernsehen auf einmal ganz nah. Und natürlich war ich traurig, dass unsere monatelange Vorbereitung nun umsonst war. Aber die Absage war sicher die richtige Entscheidung.“

Nicht nur ein Überlinger Schicksal

Mit diesem Schicksal war das Kleiderbörsen-Team nicht allein – flächendeckend wurden auch alle anderen Börsen und Flohmärkte abgesagt und bleiben es auch bis auf Weiteres. Dadurch ist es für Familien derzeit schwierig, an günstige Kinderkleidung, Schuhe, Kindersitze oder Fahrzeuge zu kommen. „Durch den Wegfall der Kleiderbörse und die Schließung der Läden musste ich mehr als sonst auf Neuware aus dem Onlinehandel zurückgreifen. Dabei fehlte dann auch der Gedanke der Nachhaltigkeit“, bedauert die zweifache Mutter Yvonne Jekat laut einem Pressetext des Familientreffs. Auch vermissen viele Eltern die Möglichkeit, nicht mehr benötigte Kindersachen zu verkaufen, um die Haushaltskasse etwas aufzufüllen. Geld, das in Zeiten von Home-Office, fehlender Kinderbetreuung und Kurzarbeit besonders fehlt.

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Dieser Not möchte das Team um Johanna Nagel mit einem Online-Angebot begegnen: Alle Personen, die Artikel rund ums Kind kaufen oder verkaufen wollen, können sich auf der Plattform eBay Kleinanzeigen im Zeitraum vom 4. bis einschließlich 12. Juli vernetzen. Wer etwas anzubieten hat, nutzt das Schlagwort „KleiderbörseÜB“ im Titel der Anzeige. Dies kann somit als Suchfilter verwendet werden, damit sich das Verkaufen und Stöbern richtig lohnt. Auch die konkrete Suche nach bestimmten Produkten ist durch weitere Filterbegriffe möglich. „Wir erhoffen uns von dieser Aktion einerseits ein großes Kaufinteresse für die Artikel durch die zeitliche Begrenzung der Aktion und andererseits eine große Auswahl an günstigen Artikeln aus der nächsten Umgebung mit kurzen Abholwegen“, so Johanna Nagel.

Hilfe für die Helfer erbeten

Doch auch Unterstützende benötigen manchmal Hilfe. Von der größten Kleiderbörse am See profitieren normalerweise nicht nur viele Familien aus der Umgebung, sondern auch die Veranstalter, das Kinderhaus St. Angelus und der Familientreff Kunkelhaus. Die beiden Einrichtungen kooperieren seit über 25 Jahren und befinden sich seit 2017 gemeinsam unter dem Dach des Familienzentrums Altstadt. Dass die Börse im Frühjahr abgesagt werden musste, traf beide empfindlich. „Es ist sehr schade, dass die Frühjahrsbörse nicht stattfinden konnte. Dies wird sich natürlich auch auf unsere Finanzen auswirken“, erklärt Christine Schroff. Die erste Vorsitzende des Vereins Familientreff Kunkelhaus e.V. unterstützte die Idee des Online-Angebots sofort: „Wir möchten mit unserem großen Pool an Kontakten den Verkäufern viele Käufer bescheren und freuen uns auf Spendenbeteiligungen.“

Hoffen auf den Oktober

Die Verantwortlichen und auch die Familien hoffen, dass im Oktober wieder eine klassische Börse im Kursaal stattfinden kann. Bis dahin bleibt die Möglichkeit, zwischen dem 4. und dem 12. Juli virtuell durch das reichhaltige Angebot zu schlendern.

Weitere Informationen zur Aktion und Tipps zum Kauf und Verkauf gibt es unter www.familientreff-kunkelhaus.de und bei Johanna Nagel unter kleiderboerse.ueberlingen@gmail.com

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