Mit der Zustimmung zum Bebauungsplanentwurf und zum städtebaulichen Vertrag, in dem das Geldinstitut sich auch auf den Bau von Wohnungen einlässt – nach den Kriterien des Wohnbaulandmodells, das 30 Prozent von preisgedämpften Mietwohnungen vorschreibt. Wie gerne die Verantwortlichen diese Zusage gemacht haben, darüber wollten sie sich nach der Entscheidung nicht dezidiert äußern. Der Genossenschaftsbank steht dieser Aspekt zumindest gut zu Gesicht.

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Ein halbes Dutzend Verantwortliche um den Vorstandssprecher Andreas Tyrra hatten geduldig ausgeharrt, die Sitzung und die Debatte des Gemeinderats im Pfarrsaal verfolgt. Am Ende schienen sie durchaus erleichtert nach zwei einstimmigen Beschlüssen. „Die Volksbank trägt die Stadt in ihrem Namen, das ist Verpflichtung“, sagte ein nach dem klaren Votum ebenso erleichterter OB Jan Zeitler: „Wir sind gespannt, was Sie Schönes am Stadteingang zaubern werden. Wir werden Sie dabei begleiten. Gutes Gelingen!“

„Wir haben konstruktive Gespräche geführt“, hatte Zeitler vorneweg erklärt: „Der Vorstand war regelmäßig bei uns im Rathaus zu Gast. Ich glaube, jetzt sind wir hier ein Stück weiter.“ Tatsächlich hatte Baubürgermeister Thomas Kölschbach zuvor schon betont, dass der Vertrag von der Volksbank bereits unterzeichnet vorliege. „Ich wäre auch zeichnungsbereit“, sagte der OB, bevor das Gremium dem städtebaulichen Vertrag seine einhellige Zustimmung erteilte.

Oberbürgermeister Jan Zeitler.
Oberbürgermeister Jan Zeitler. | Bild: Hilser, Stefan

Ende gut, alles gut – das könnte man auch beim Bebauungsplanentwurf sagen, den Tobias Rexer von der Agsta Umwelt GmbH noch einmal vorstellte. Mit den entscheidenden Änderungen an der Lippertsreuter Straße und der Einbeziehung der Waldhornstraße bis zur Einmündung in die Hohle Straße, die in diesem Zuge erstmals endgültig hergestellt werden soll. Wie wichtig dem ganzen Gremium der Erfolg des Vorhabens nach dem ersten Scheitern war, zeigte das Bedürfnis aller Fraktionen, sich mit einem kurzen Statement zu Wort zu melden.

„Bei der Planung des Volksbank-Areals an der Lippertsreuter Straße müssen berechtigte Interessen zusammengebracht werden“, erklärte Marga Lenski für LBU/Grüne: „Einerseits die Entwicklungsmöglichkeiten der Volksbank und andererseits die städtebauliche Konzeption für diesen wichtigen Eingangsbereich der Stadt.“ Der neue Entwurf für ein „urbanes Gebiet“ sei ein guter Kompromiss. Wichtig sei ihrer Fraktion allerdings, dass in der weiteren Planung „die Baugrenzen strikt eingehalten werden“ und die Bäume den nötigen Freiraum bekommen, um gesund wachsen und ihren klimatologischen und städtebaulichen Zweck erfüllen zu können. „Wir sind gespannt, wie die Volksbank diesen zentralen Eingangsbereich nun konkret planen, gestalten und aufwerten wird.“

Andreas Tyrra
Andreas Tyrra | Bild: Hilser, Stefan

Stadtrat Günter Hornstein (CDU) dankte der Volksbank, dass sie die geäußerten Wünsche in der neuen Planung erfüllt und sich „zum Standort Überlingen bekannt“ habe. Das sei ein ganz wichtiges Zeichen an die Stadt. Hornstein betonte dies vor dem Hintergrund, dass lange Zeit Gerüchte über einen geplanten Wegzug der Bank kursierten. Der Kompromiss aus verschiedenen Nutzungen sei aus Sicht seiner Fraktion gelungen. Besonders erfreulich nannte er die Schaffung von Wohnraum und die Berücksichtigung des Überlinger Wohnbaulandmodells.

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Erleichterung war auch den anderen Stimmen in der Runde zu entnehmen. Von den letzten Diskussionen in den Gremien sei er „nicht so begeistert gewesen“, räumte Robert Dreher (FWV/ÜfA) ein. „Doch im Nachhinein muss ich sagen, dass die Verzögerung nun doch zu einem guten Ende kommt.“ Dies werde sich auch in der neuen Planung widerspiegeln, denn es habe sich einfach viel verändert. „Wir müssen heute ein positives Signal an den Bauherrn senden“, sagte Dreher: „Wir sind uns des Ernstes der Lage bewusst.“

„Was lange währt, wird endlich gut“, sagte Ingo Wörner (FDP) und machte es kurz: „Wir freuen uns, dass wir die Volksbank haben in der Stadt halten können, auch im Hinblick auf die Sicherung der Arbeitsplätze.“ Seine Fraktion werde die Volksbank mit ihrer Entscheidung unterstützen. „Wir halten den Bebauungsplan jetzt ebenfalls für sehr gelungen“, erklärte Manuel Wilkendorf (SPD), „und wir freuen uns, dass es nun bald weiter geht.“ Auf diesem Weg wolle auch die SPD die Volksbank begleiten und unterstützen.

Bild 3: Stadteingang bekommt ein neues Gesicht – Stadträte machen den Weg für Volksbank frei
Bild: Hanspeter Walter

Als „Einzelwortmeldung“ (OB Zeitler) kam auch Roland Biniossek zu Wort. Er sei der Volksbank sehr dankbar, dass sie nicht nur die Anregungen von LBU/Grüne zu der Gestaltung an der Lippertsreuter Straße aufgenommen hat, sondern auch auf die Anregung aus der Mitte des Gemeinderats zur Berücksichtigung von Wohnbebauung.

„Die erste Ablehnung war für uns überraschend gekommen“, erklärte Volksbankchef Andreas Tyrra. Umso zufriedener war er mit jetzigen einstimmigen Votum. Corona habe die Planungen zum zweiten Anlauf zwar verzögert. „Doch unsere Strategie, eigene Geschäftsräume zu schaffen und andere Nutzungen zu ermöglichen, ist nach wie vor die gleiche.“ Offen sei, wie groß die jeweiligen Anteile seien.