Die Gebühren für die Betreuung von Kleinkindern werden leicht steigen und das Angebot an Plätzen in den Kindertagesstätten muss dringend ausgebaut werden. Dies war Konsens bei der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause. Die neue Gebührensatzung und der Kindergartenbedarfsplan wurden vom Gremium mehrheitlich beschlossen.

63 Kinder stehen auf Wartelisten

Adelheid Hug, Leiterin der Abteilung Bildung, Jugend und Sport, berichtete, dass auch in diesem Jahr nicht alle Kinder einen Platz in einer städtischen Einrichtung bekommen und zurzeit 33 Kinder unter drei Jahren und 30 Drei- bis Sechsjährige auf den Wartelisten stehen. Dies obwohl die Geburtenzahlen in Überlingen niedriger ausfielen, als vom Statistischen Landesamt berechnet: 2020 wurden demnach 48 Kinder weniger geboren als erwartet. Die Zahl der Jungen und Mädchen zwischen ein und drei Jahren ist um 47 niedriger als die Prognose.

Neubauten dringend empfohlen

Da auch im kommenden Kindergartenjahr der Bedarf an Plätzen höher ist als das Angebot und die Prognosen einen weiteren Anstieg bis 2025 im Bereich der unter Dreijährigen vorsehen, appellierte die Verwaltung, „dringend den Bau einer neuen, auf Dauer angelegten Kindertagesstätte im Baugebiet ‚Südlich Härlen‘ anzugehen“. Der Beginn der Erschließung des Baugebiets soll ab 2022 erfolgen, womit der Kindergarten-Neubau ein Jahr später starten könnte.

Familien meiden Überlingen als Wohnort

In den Erläuterungen zu diesem Punkt heißt es: „Dieser Mangel führt aktuell dazu, dass Familien, welche nach Überlingen ziehen möchten und deshalb wegen ihres Betreuungsbedarfs mit der Stadt Überlingen in Kontakt treten, diese Entscheidung mangels Betreuungsangebot im U3- und im Ü3-Bereich revidieren und Überlingen als Wohnort meiden.“

Anpassung der Betreuungs-Gebühren

Laut Adelheid Hug, Leiterin der Abteilung Bildung, Jugend und Sport, empfiehlt das Regierungspräsidium den Gemeinden eine 20-prozentige Deckung der Kosten ihrer Kitas durch die Elternbeiträge. Da Überlingen darunter liegt, wurden die Gebühren einem Gemeinderatsbeschluss folgend in den zurückliegenden Jahren in kleinen Schritten angepasst. Der Beitrag für die Eltern wird demnach ab September 2021 je nach Leistungsumfang zwischen 2,5 und neun Prozent und im kommenden Jahr um 1,5 bis 2,5 Prozent angehoben werden. Damit wäre man bei einer Deckung von 17 Prozent der Betriebsausgaben, so Hug weiter. Nötig würde die Steigerung durch eine Tariferhöhung für das Personal sowie neue Regelungen beim Personalschlüssel.

Neu ist, dass Eltern von Kleinkindern im ersten Monat der Ganztagsbetreuung künftig nur die Hälfte bezahlen, da die Kinder während der Eingewöhnung oft nur stundenweise in der Kita sind.

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Die Räte äußerten nach der Vorstellung der neuen Gebührenordnung vor allem Zustimmung. Lediglich ein Punkt wurde kritisiert. Auf Nachfrage von Roland Biniossek (BÜB +) stellte sich heraus, dass die um Stellungnahme gebetenen Elternbeiräte nur eine knappe Woche Zeit dazu hatten. Das in Zukunft anders zu handhaben und den Eltern mehr Zeit einzuräumen, bekam die Verwaltung als Auftrag mit.

Interimslösungen sind notwendig

Zur Überbrückung sei ein provisorisches Kinderhaus nötig, sagte Adelheid Hug. Die Stadt prüfe derzeit mögliche Standorte. Dies konkretisierte der Oberbürgermeister bei der Diskussion weiter. Auf die Frage von Kristin Müller-Hausser (BÜB+), wie solche Provisorien aussehen könnten, antwortete Jan Zeitler: „Container – das hört sich zwar hart an, die haben sich aber bewährt.“

Jan Zeitler, Oberbürgermeister: „Container – das hört sich zwar hart an, die haben sich aber bewährt.“
Jan Zeitler, Oberbürgermeister: „Container – das hört sich zwar hart an, die haben sich aber bewährt.“ | Bild: Stadt Überlingen

Als mögliche Standorte für die flexiblen Lösungen wären der Sportplatz am Burgberg oder auch der Schättlisberg denkbar. Dazu könnten Wald- und Naturgruppen als Interimsmöglichkeit in Betracht gezogen werden. Zeitler brachte dafür den Uferpark ins Gespräch, wo während der LGS bereits das „Grüne Klassenzimmer“ erfolgreich tätig sei.

Höchststand wird 2025 erwartet

Bernadette Siemensmeyer (LBU/Grüne) regte an, künftig Kindergartenneubauten mit zwei Etagen zu planen. „Das kostet weniger Platz, ist günstiger und kein Nachteil für die Kinder.“ Laut Zeitler wird so bereits beim Neubau in Nesselwangen geplant. Die Prognosen sagen den Höchststand der Zahlen bei den unter Dreijährigen im Jahr 2025 voraus und zehn Jahre später sogar ein Absinken der benötigten Plätze. Die Gefahr eines möglichen Überangebots sahen die Räte aber nicht. Sonja Straub (CDU) wies auf die aktuelle, noch ausbaufähige Versorgungsquote von 40 Prozent bei den ganz Kleinen und 47 Prozent bei den Drei- bis Sechsjährigen hin.

Manuel Wilkendorf (SPD) erinnerte an die zu erwartende Zunahme an Wohnraum auf dem ehemaligen Kramergelände. Hier ergänzte Jan Zeitler: „Bei der Größe sollte eine Gemeindebedarfsfläche angedacht werden.“

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