Die vergangenen eineinhalb Jahre haben die Gesellschaft mächtig durchgewirbelt. Diese Entwicklung ging auch an Ilenia Lanari, Künstlerin aus Oberuhldingen, nicht spurlos vorbei. Die gebürtige Südtirolerin hat diese fließende Realität in ihren Bildern anschaulich verarbeitet. Unter dem Motto „Kunst und deren Reflexion in der Pandemie-Zeit“ sind etwa 20 ihrer Werke von Freitag, 24. September, bis Sonntag, 26. September, in der Freien Kunstakademie Überlingen zu sehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Ausstellung ist ihre Abschlussarbeit im Rahmen des Diplom-Studiengangs „Diplom der Malerei“, den sie an der Freien Kunstakademie in Überlingen absolviert hat. Dabei hat sich die Mutter, die seit 2010 in Oberuhldingen lebt, dem Medium Wasser verschrieben. „Die Beweglichkeit des Wassers oder der verwaschenen Oberfläche im Wind ist für mich eine Metapher für die Unbeständigkeit der Realität und vor allem unserer Vorstellungen“, erklärt die Künstlerin. „Unbeständigkeit ist nichts anderes als die Vergänglichkeit der Phänomene: Alles ist vergänglich und verändert sich, nichts ist ewig.“

„Am Hafen ohne Boote“ heißt dieses Kunstwerk. Lanari stellt vom 24. bis 26. September in der Freien Kunstakademie aus.
„Am Hafen ohne Boote“ heißt dieses Kunstwerk. Lanari stellt vom 24. bis 26. September in der Freien Kunstakademie aus. | Bild: Ilenia Lanari

Bewegungen im Wasser symbolisieren Wirbel der aktuellen Zeit

In der symbolischen Qualität von Wasser hat sie ein geeignetes Medium gefunden, die aktuelle Zeit visuell umzusetzen. Die Bewegungen im Wasser, die glitzernden Farben, die Wirbel, die scheinbar wahllos entstehen und wieder verschwinden, haben viele Gemeinsamkeiten mit der Erfahrung, die aktuell viele Menschen auf der ganzen Welt machen. Und eines wurde selten so deutlich wie jetzt: Jeder sieht seine persönlichen Widerspiegelungen und reflektiert die Wirklichkeit auf seine eigene Art.

Zu Person und Ausstellung

„Mit meinen Arbeiten möchte ich den Betrachter zum Nachdenken über die subtile Grenze zwischen Realität und Illusion einladen“, sagt Ilenia Lanari. „Reflexion ist für mich wie eine Metapher der Kunst.“ In der Natur könne man den Widerschein und die Lichtreflexe beobachten. Die Kunstwerke der Oberuhldingerin beinhalten in einer ähnlichen Weise Widerschein von beobachteten Gegenständen, inneren Erfahrungen und verschiedenen Reflexionen.

„Mit meinen Arbeiten möchte ich den Betrachter zum Nachdenken über die subtile Grenze zwischen Realität und Illusion einladen.“
Ilenia Lanari, Künstlerin

„Kunst sollte als Metamorphose betrachtet werden, als ständige Umwandlung“, sagte Willi Baumeister bereits 1960. Genau nach diesem Motto malte Ilenia Lanari ihre Bilder. „Die vergangenen 15 Monate haben eindrucksvoll gezeigt, dass es keinen Stillstand gibt“, erklärt die Künstlerin. „Und damit verbunden wird klar, dass der Mensch, auch wenn er es noch so sehr wünscht, Dinge, Ereignisse, Momente und Zustände nicht festhalten kann.“

Das könnte Sie auch interessieren

Eine wichtige Lehre in den Jahren an der Kunstakademie sei für sie gewesen, dass sie den immensen Unterschied zwischen dem Sehen von etwas ohne Pinsel oder Bleistift in der Hand und dem Sehen beim Malen erkannt habe.

Im Kontext mit dem Denken stellt sich die Frage, ob es einen relevanten Unterschied zwischen Denken und Sehen gibt. Darauf hat Ilenia Lanari eine klare Antwort: „Denken und Sehen sind keine teilbaren Handlungen: Wir sehen, was wir denken und wir denken, was wir sehen.“ Es werde häufig gesagt, dass ein Maler das male, was er sehe. „Dies ist aber nicht der Fall“, betont sie. „Es ist richtiger zu sagen, dass der Maler sieht, was er malt.“ Und sie liefert die Begründung sofort hinterher: „Jeder Künstler sieht etwas anderes.“

Ilenia Lanari zwischen ihren Kunstwerken in der Freien Kunstakademie Überlingen.
Ilenia Lanari zwischen ihren Kunstwerken in der Freien Kunstakademie Überlingen. | Bild: Ilenia Lanari