Mit eigenem Engagement haben sich die Überlinger Teilorte an die Landesgartenschau angedockt. Die von der Stadt geförderten und teilweise auf umfangreichen Eigenleistungen fußende LGS-Plus-Projekte, die eigens dafür ausgeschrieben waren, stießen in den Teilorten allerdings auf ganz unterschiedliche Resonanz.

Für Lippertsreute war dieses Angebot der Anlass, neben dem schon länger bestehenden historischen Pfad weitere Themenwege durch das Dorf und das Landschaftsschutzgebiet zu konzipieren und professionell auszuschildern.

Deisendorf: Pläne für Bachrenaturierung und Erlebnisweg zerschlugen sich

Deisendorf dagegen hatte zwar den einen oder anderen Anlauf genommen – mit einer geplanten Bachrenaturierung und Erlebniswegen. Doch am Ende kam aus verschiedenen Gründen nichts Vorzeigbares heraus, wie Ortsvorsteherin Karin Müller sagt.

Nußdorfs Ortsvorsteherin Anja Kretz und ihr Vorgänger Dietram Hoffmann, hier im September 2019, mit dem Faltblatt „Spazieren und Wandern rund um Nußdorf“, das als LGS-Plus-Projekt entstanden ist.
Nußdorfs Ortsvorsteherin Anja Kretz und ihr Vorgänger Dietram Hoffmann, hier im September 2019, mit dem Faltblatt „Spazieren und Wandern rund um Nußdorf“, das als LGS-Plus-Projekt entstanden ist. | Bild: Hanspeter Walter

Nußdorf: Mehrere Wanderwege durchs Nussbachtal und zur Birnau

Fast in Nußdorf ist schon, wer den Park-and-Ride-Platz der Landesgartenschau auf dem ehemaligen Kramer-Areal ansteuert. Doch wer dort ankommt, will mit dem Shuttle möglichst schnurstracks nach Westen Richtung Innenstadt und Uferpark. Wer versehentlich die falsche Richtung einschlägt, könnte in Nußdorf immerhin mehrere ausgeschilderte Wanderwege durch das Nussbachtal und zur Birnau genießen, wie sie Ortsvorsteherin Anja Kretz und ihr Vorgänger Dietram Hoffmann ausgearbeitet haben. „Doch echte Gartenschaubesucher sind uns in Nußdorf bislang kaum begegnet“, sagt Kretz.

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Nesselwangen: Naturbühne konnte wegen Corona noch nicht oft genutzt werden

Eine Naturbühne hat sich der kleinste Teilort Nesselwangen im Rahmen der LGS-Plus-Projekte in Eigenleistung geschaffen. Befestigt werden konnte sie unter anderem mit Steinen der abgetragenen Ufermauer, die hier zu einem festen Veranstaltungsort neben der Kirche beitragen konnten. Quasi Premiere hatte die Bühne noch beim traditionellen Nesselwanger Gartenfest im Jahr 2019, wie Ortsvorsteher Wolfgang Käppeler berichtet. Doch kam 2020 Corona in die Quere und auch 2021 musste das Fest erneut abgesagt werden. Für mehrere Freiluftgottesdienste hat man die neue Bühne auch in den beiden Pandemie-Jahren immerhin schon nutzen können.

Bonndorf: Bemalte Bienen und Blumen werben für LGS

Zu der ursprünglich in Bonndorf geplanten Sanierung des kleinen Dorfteiches kam es zwar nicht, wie Ortsvorsteher Dominik Schatz erklärt. Stattdessen stellte der Teilort während des Lockdowns Holz zum Aussägen von Bienen und Blumen zur Verfügung, die die Kinder anschließend bunt bemalen konnten. An der Durchgangsstraße machen die kleinen Kunstwerke nun indirekt auf die Landesgartenschau aufmerksam. „Wir haben viel mehr Radfahrer als sonst“, beobachtet Schatz ebenfalls und führt dies in Teilen auch auf die LGS zurück. Spürbar werde die Großveranstaltung auch in den rund 20 Beherbergungsbetrieben, zu denen auch der Haldenhof gehört, die sich sonst jedoch nahezu ausschließlich auf Ferienwohnungen beschränken.

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Hödingen: Noch mehr Wanderer als sonst unterwegs

„Wir werden seit dem Frühjahr geradezu überschwemmt von Wanderern“, konstatiert Martin Keßler, der Hödinger Ortsvorsteher. Dass noch mehr Menschen als sonst die Höhenwege und Aussichtspunkte rund um den Teilort genießen, führt er weniger auf die Landesgartenschau als auf den Bewegungsdrang aufgrund der zahlreichen Pandemie-Beschränkungen zurück. „Die Leute wollen einfach raus an die Luft“, erklärt Keßler. Wer unterwegs ist, trifft hier und da in der Landschaft jedoch auf eines der sechs Feldkreuze, die die Dorfgemeinschaft im Rahmen ihres LGS-Plus-Projekts aufwendig und professionell saniert hat.

Tobel muss nach Erdrutschen weiter gesperrt bleiben

Verschlossen bleibt den Wanderern allerdings weiterhin der Hödinger Tobel, der als wildromantischer Einschnitt hinunter nach Süßenmühle führt. Nach Erdrutschen musste der Wanderweg durch den Tobel 2014 gesperrt werden, eine Lösung zur Sicherung ist immer noch nicht in Sicht. Zum einen liegt der Tobel teilweise auf privatem Grund, zum andern überschattet der tödliche Unfall in der Marienschlucht im Jahr 2015 hier mögliche Szenarien als Menetekel. Da hatte ein Erdrutsch eine Frau beim Wandern in den Tod gerissen.

Jeder Themenweg in Lippertsreute hat sein Symbol.
Jeder Themenweg in Lippertsreute hat sein Symbol. | Bild: Hanspeter Walter

Bambergen: Vaterunser-Erlebnisweg nicht nur für Bibelfeste

Bambergen zählte dank der Freikirche Lindenwiese zu den den ersten, die einen Beitrag präsentieren konnten. Der Vaterunser-Erlebnisweg ist allerdings nicht nur für Bibelfeste etwas. Auch wer in der reizvollen Landschaft zu Ruhe und Besinnung kommen will, findet hier die Gelegenheit dazu. „Wir haben die Faltblätter dazu ausgelegt und es kommen immer wieder Besucher hierher“, beobachtete Ortsvorsteher Daniel Plessing. „Das kommt gut an.“ Und dann hat Bambergen schließlich noch den Haustierhof Reutemühle, der ohnehin ein Magnet für Familien mit Kindern ist. Ansonsten fehle es dem Teilort einfach an einer gastronomischen Einrichtung.

Lippertsreute: Führungen sind bei Besuchern beliebt

Da ist Lippertsreute deutlich besser versorgt. Und wer schon mal dort ist, der entdeckt auch schnell den historischen Dorfrundgang oder die drei verschiedenen Themenwege in die Umgebung, sei es zu den Hofläden oder den Obstanlagen. Der Zugang zur Wallfahrtsstätte Maria im Stein im Aachtobel ist wie die gesamte Schlucht allerdings nach wie vor aus Sicherheitsgründen gesperrt. „Zu unseren Führungen kommen immer wieder interessierte Besucher“, freut sich Ortsvorsteher Siegfried Hanßler. Der nächste Rundgang zur Dorfgeschichte mit Hermann Keller ist am 28. August vorgesehen.

Im Uferpark haben die Teilorte einen eigenen Pavillon und informieren im Wechsel.
Im Uferpark haben die Teilorte einen eigenen Pavillon und informieren im Wechsel. | Bild: Hanspeter Walter

Bei der LGS sind die Teilorte mit einem eigenen Pavillon präsent

Doch wer es von den Besuchern nicht in die Überlinger Teilorte schafft, dem begegnen sie zumindest in Kurzform auf dem Gartenschaugelände. Im Uferpark präsentieren sich die Sieben unweit der Silvesterkapelle in einem eigenen Pavillon. Die sieben Stelen mit Bäumen vor dem Pavillon zeigen die Himmelsrichtung der Ortsteile an und ihre Entfernung (Luftlinie) von Überlingen. Die Stelen und Bäume werden nach der Landesgartenschau in den einzelnen Ortsteilen an zentralen Stellen dauerhaft platziert: Für Hödingen ein Birnbaum (Sipplinger Klosterbirne), für Bonndorf eine Hauszwetschge, für Nesselwangen eine Mirabelle, für Bambergen ein Apfelbaum (Roter Berlepsch), für Deisendorf eine Linde, für Lippertsreute ein Apfelbaum (Topas) und für Nußdorf natürlich ein Nussbaum.

Teilort-Abend am 15. September geplant

Bei einem Teilortsabend präsentieren sich am 15. September Bambergen, Deisendorf und Lippertsreute von 19 bis 21 Uhr auf der Seebühne im Uferpark und versprechen ein abwechslungsreiches Programm der Vereine, das vom Musikverein Harmonie begleitet wird.