Eigentlich hätte Monika Helfer am gestrigen Sonntag den Bodenseeliteraturpreis 2020 bekommen sollen. Aber die Verleihung ist wegen Corona auf 2021 verschoben. Dennoch musste Überlingen an diesem Wochenende nicht auf die Ausgezeichnete verzichten. Im Rahmen der Jahrestagung der literarischen Gesellschaft Forum Allmende las Helfer am Freitag in der Franziskanerkirche aus ihrem Erfolgsroman „Die Bagage“. In den Bestsellerlisten, wo er sich monatelang ganz oben hielt, ist der schmale Band, zwischen all den Krimis, Schnulzen- und Fantasyromanen, die diese Verkaufsrangübersichten normalerweise dominieren, eine ungewöhnliche Erscheinung.

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Knapp, schnörkellos, aber wortmächtig verdichtete Helfer die Geschichte ihrer bitterarmen Vorfahren aus dem Bregenzerwald, der „Bagage“, auf gerade mal 159 Seiten zu einem Roman, der lange nachhallt. Apropos Nachhall: Helfer, die das Hörbuch zu „Die Bagage“ selbst eingelesen hat, trägt gut vor. Doch in der Franziskanerkirche war die Akustik derart schlecht, dass oft nur einzelne Satzfetzen bei den Zuhörern ankamen. Glücklich, wer sich schon vorab ein Buch besorgt hatte und mitlesen konnte.

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Im Mittelpunkt steht die schöne Maria, der unterstellt wird, ihre fünftes Kind, Grete, sei das Ergebnis eines Seitensprungs während Marias Mann Josef als Soldat im Ersten Weltkrieg kämpfte. Grete ist die Monika Helfers Mutter. Und mit den Sätzen: „Maria war schwanger. Meine Mutter war in ihrem Bauch“, beendete Helfer auch ihre dreiviertelstündige Lesung. Waltraut Liebl vom Forum Allmende hatte vorab die 1947 in Au im Bregenzerwald geborene Autorin kurz vorgestellt. Sie hat zahlreiche Romane Erzählungen und Kinderbücher veröffentlicht, teils auch mit ihrem Mann Michael Köhlmeier. Den Bodensee-Literaturpreis, den Helfer für ihr Gesamtwerk erhalten hat, wird ihr am 19. September 2021 auf der der Landesgartenschau überreicht.

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