Die Idee kam der Ortschaftsrätin Friederike Lenz im Jahr 2014. Nicht nur ihr waren die auf der schnurgeraden Ortsdurchfahrt zu schnell fahrenden Autos ein Dorn im Auge. Könnte man den Fahrern nicht etwas bieten, dass sie dazu verleitet langsamer zu fahren, ohne ihre Aufmerksamkeit zu sehr vom Straßenverkehr abzulenken?

Schnell findet die Initiatorin Mitstreiterinnen

Sie hatte kurz zuvor von dem Trend „Strick- und Häkel-Guerillas“ gehört, der aus den USA nach Deutschland schwappte. Es ging darum, hässliche Bauruinen zu verschönern, aber auch Bäume waren bereits eingehäkelt worden. „Da dachte ich mir, das wäre doch eine schöne Möglichkeit, Autofahrer dazu zu bringen, aufmerksamer und langsamer durch unser Dorf und vor allem vorbei am Kindergarten zu fahren“, sagt Friederike Lenz. Sie fing an, bunte Flicken zu häkeln, 40 Maschen breit, 22 Reihen hoch. Fünf oder sechs Mitstreiterinnen fanden sich schnell.

Die Häkeleien sollen dazu beitragen, dass Autofahrer langsamer durch den Ort fahren.
Die Häkeleien sollen dazu beitragen, dass Autofahrer langsamer durch den Ort fahren. | Bild: Julia Rieß

Zunächst wurden die zwei Linden am Kindergarten und am Kirchplatz, sowie der Ahorn am Ortseingang Richtung Überlingen eingekleidet. Als der erste Baum bei der Kirche bunt leuchtete, meldeten sich immer mehr Helferinnen. Über 20 Frauen haben am Ende bei dem Guerilla-Projekt mitgearbeitet. „Die Wolle haben wir selber finanziert, wir haben aber auch Woll-Spenden erhalten“, erzählt Friederike Lenz. Die Häkel-Guerillas verwenden nur Synthetik-Wolle, die schnell trocknet und elastisch ist. Schaden tue das den Bäumen nicht, dessen habe sich Lenz zuvor versichert.

Ob die Autofahrer tatsächlich langsamer fahren, lässt sich objektiv nicht sagen. „Aber ich habe schon den Eindruck, dass die Autofahrer aufmerksamer durchs Dorf fahren“, sagt die Initiatorin. „Manche halten auch an und fotografieren die Kunstwerke.“

Manche Autofahrer halten auch an und fotografieren die Kunstwerke, hat Initiatorin Friederike Lenz beobachtet.
Manche Autofahrer halten auch an und fotografieren die Kunstwerke, hat Initiatorin Friederike Lenz beobachtet. | Bild: Julia Rieß

Wind und Wetter gehen an den Häkeleien nicht spurlos vorbei, und so mussten die Nesselwangerinnen immer mal wieder die Flicken ersetzen. Insgesamt drei Mal hat die Truppe die Häkeleien erneuert. Dabei greifen sie auch gerne das aktuelle Geschehen auf oder senden eine Botschaft: „Slow!“, gehäkelt mit reflektierender Wolle, ermahnte die Autofahrer, im Bereich des Kindergartens besonders aufmerksam zu fahren.

Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 zierte die Deutschlandflagge einen Baum. Und auch die Häkelversion des Nesselwanger Wappens war bereits am Baum. Die Anzahl der behäkelten Bäume erhöhte sich im Laufe der Jahre dank der engagierten Nesselwangerinnen. Inzwischen sind es sieben.

Die bunten Häkeleien an den Bäumen sind zu einem Markenzeichen des Teilorts geworden.
Die bunten Häkeleien an den Bäumen sind zu einem Markenzeichen des Teilorts geworden. | Bild: Julia Rieß

Das Projekt bis zur Landesgartenschau fortzuführen, war Friederike Lenz‘ erklärtes Ziel. Das hat sie geschafft. Die Häkelbäume sind zu einem Markenzeichen für das Dorf geworden. Deshalb dürfen sie auch auf der Landesgartenschau, bei der Vorstellung des Teilortes, nicht fehlen. „Das ist schon ein Highlight für uns“, sagt Friederike Lenz, „und gleichzeitig ein schöner Schlusspunkt“.

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Denn die Ära Häkelbäume geht nun wie geplant zu Ende. Die Frauen haben über die Jahre viel Zeit und Geld investiert. „Wir lassen die Bäume angezogen, solange es noch schön aussieht, vielleicht noch den nächsten Winter über. Wenn die Farben verblasst sind, ziehen wir sie aus“, so Lenz.

In ihrem Garten hat Friederike Lenz noch ihren ganz persönlichen Häkelbaum. Vielleicht wird der noch ein wenig länger bunt bleiben, denn sie kleidet ihn derzeit noch einmal komplett neu ein, bis in die Äste. Ganz auf das Häkeln verzichten könne sie nicht, erklärt sie: „Ich bin nun mal eine Handarbeitstante, durch und durch.“