Der Überlinger Dirk Diestel lebte mit seiner Familie in den Jahren 2005 bis 2011 in Taiwan. Die SARS-Epidemie ging dort gerade so zu Ende, die Schweine- und Vogelgrippe schlug noch voll zu. „Die Schule meiner Kinder wurde geschlossen, ich habe das alles schon einmal erlebt.“ Taiwan habe seine Lehren gezogen, es wundere ihn nicht, dass das Land bislang sehr glimpflich in der Corona-Krise davon kommt.

„Ich hätte statt 900 gleich 9000 Masken bestellen sollen.Dirk Diestel, Fotograf aus Überlingen
„Ich hätte statt 900 gleich 9000 Masken bestellen sollen.Dirk Diestel, Fotograf aus Überlingen | Bild: Hilser, Stefan

Als Corona auch Europa erreichte, ahnte Diestel schon früh, dass Mundschutz knapp werden könnte. Geschäftspartner in China hätten ihm geholfen, eine Lieferung mit 900 Gesichtsmasken zu ordern. Diestel betreibt einen Handel mit Ersatzteilen für Motorroller, daher die Beziehungen nach China.

Drei Wochen ab Bestellzeitpunkt

Über das Drehkreuz Hongkong seien die Masken geliefert worden, beim Zoll in Leipzig mussten noch ein paar Formalitäten geklärt werden. Doch nach insgesamt drei Wochen zwischen Bestellung und Lieferung kamen die Masken Anfang dieser Woche bei ihm an. 700 US-Dollar habe er bezahlt, alleine die Frachtgebühren hätten bei 120 Dollar gelegen. Doch habe es vom Hersteller über den Händler niemanden gegeben, der mit Wucherpreisen für sich einen Vorteil herauszuschlagen versuchte. Sein Preis lag bei 50 US-Cent pro Stück, Schwarzmarktpreise lägen mittlerweile bis fünf bis acht US-Dollar.

Alles gespendet

Auch Diestel wollte für sich keinen Vorteil schinden, geschweige denn, irgend etwas daran verdienen. Er spendete die Masken in Überlingen an die beiden städtischen Altenheime Sankt Ulrich und Franziskus, an die Polizei, ans DRK, an die Caritas/Tafel, an die Feuerwehr und an die Pflummern-Apotheke. Ein paar Masken habe er für sich und seine Familie behalten. Der Bedarf, das spürte Diestel bei den Schenkungen, ist groß. „Ich hätte statt 900 gleich 9000 Stück bestellen sollen“, sagte er im Nachhinein.

Apothekerin verärgert über Wucherpreise im Handel

Dorothee Endepols, Inhaberin der Pflummern-Apotheke, nahm die Masken dankbar für sich und Ihr Team an. An der Theke stehen sie zwar hinter Glasscheiben, doch im direkten Kundenkontakt, wenn im Bereich der Verkaufsregale Beratungen stattfinden, gäben ihr die Masken „ein gutes Gefühl“. Sie hätte längst selbst auf dem freien Markt welche besorgt, ist aber entsetzt darüber, zu welchen „Mondpreisen“ sie angeboten werden. Der Großhandel könne keine mehr liefern, und Einzelne versuchten, aus der Notlage mit exorbitanten Preisaufschlägen Profit zu schlagen. „Und dabei machen wir nicht mit“, sagt Endepols, die Diestel seit vielen Jahren kennt und die Spende von ihm gerne angenommen hat.

Auf Vorrat für die Polizei

Auch die Polizei wurde bedacht. „Dirk Diestel hat uns dankenswerterweise 100 Gesichtsmasken zur Verfügung gestellt“, gab Revierleiter Günter Hornstein Auskunft. „Wir haben sie nach Rücksprache mit dem Polizeipräsidium Ravensburg in den Pool der Schutzmasken eingebracht, aus dem alle Dienststellen des Polizeipräsidiums bedient werden.“ Die Masken würden von den Kollegen im täglichen Dienst verwendet, wenn beim Einsatz der Mindestabstand von 1,5 bis 2 Metern nicht unbedingt eingehalten werden kann. „Derzeit verfügen wir noch über ausreichend Masken für diese Einsatzanlässe. Da die Lieferung von weiteren Masken derzeit bekanntermaßen nicht konkret absehbar ist, verschaffen uns die jetzt vorhandenen Masken Sicherheit, die anstehenden Einsätze mit dem entsprechenden Schutz der Kollegen durchführen zu können.“

Diestel empfiehlt: Im Supermarkt Maske tragen

Beim Großteil der Masken handle es sich um Standardmasken, erklärte Diestel. Seit ein, zwei Tagen wird nun auch hierzulande darüber diskutiert, ob man solche Masken in der Öffentlichkeit tragen soll. In Österreich herrscht eine Pflicht dazu beim Betreten von Supermärkten, auch die Stadt Jena verordnet es. Diestel, mit Pandemie-Erfahrungen aus Taiwan gerüstet, vertritt die Meinung: „Alleine schon das gute Gefühl, wenn Dein Gegenüber eine Maske trägt, ist sehr wertvoll. Natürlich schützt man mit einfachen Masken nicht in erster Linie sich selbst, sondern den anderen. Wenn jedoch beide eine Maske tragen, schützt man sich gegenseitig. Und da ist selbst die einfachste Maske deutlich besser als gar keine.“

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