Wenn ihr Magen knurrt, strömen mehrere Dutzend Überlinger Schüler zur Mittagszeit aus den Schulgebäuden. Abseits des Schulgeländes wird die Schutzmaske dann abzogen – von morgens bis Schulschluss müssen sie diese aufgrund der Corona-Pandemie derzeit tragen.

Beliebte Treffpunkte in der Mittagspause sind die beiden Gastronomiebetriebe „Nudel Emma“ und der Imbiss „Mega Döner“ an der Hochbildstraße. Beide verkaufen Essen zum Mitnehmen. Auch der Edeka an der Lippertsreuter Straße ist eine beliebte Anlaufstelle. An diesen Orten kaufen Schüler nicht nur ihr Mittagessen, sondern verbringen auch ihre Pausen – selten unter Einhaltung der Corona-Regeln.

Leitsystem mit separatem Ein- und Ausgang bei der „Nudel Emma“

Seit der Pandemie haben die Betreiber der „Nudel Emma“ ein Leitsystem mit separatem Ein- und Ausgang für die Kunden eingeführt. Im Innenbereich dürfen sich nur fünf Kunden gleichzeitig aufhalten. Doch diese Regel wird von Schülern in der Mittagspause nicht immer eingehalten, bestätigt auch Noah Ilicic von der Justus-von-Liebig-Schule.

Schüler Noah Ilicic: „Die Mittagspause kann ich nutzen, um einmal ohne Maske durchzuatmen.“
Schüler Noah Ilicic: „Die Mittagspause kann ich nutzen, um einmal ohne Maske durchzuatmen.“ | Bild: Cian Hartung

In der dichten Schlange der „Nudel Emma“ wartet der 17-Jährige und sagt: „In der Schule habe ich fast den ganzen Tag die Maske auf. Hier habe ich ein paar Minuten, um durchzuatmen.“ Ihn störe es, wenn zu viele Schüler ohne Abstand vor dem Laden warteten. „Das ist nicht so angenehm“, sagt der Elftklässler.

Natalie Suroveckij (17) von der Constantin-Vanotti-Schule: „Das Ansteckungsrisiko ist in der Mensa genau so hoch wie auf dem Schulhof oder hier vor dem Laden.“
Natalie Suroveckij (17) von der Constantin-Vanotti-Schule: „Das Ansteckungsrisiko ist in der Mensa genau so hoch wie auf dem Schulhof oder hier vor dem Laden.“ | Bild: Cian Hartung

Natalie Suroveckij (17) von der Constantin-Vanotti-Schule kommt regelmäßig in der Mittagspause zu dem Lokal. Sie trägt Maske und hält Sicherheitsabstand und sagt: „Das Ansteckungsrisiko ist auf dem Schulhof genau so hoch wie hier vor dem Laden. Es sind ja ohnehin überall die gleichen Menschen.“

Betreiber sehen Möglichkeiten der Regeln ausgeschöpft

Robert Kindlein und Rocco Plaul von der „Nudel Emma“ sehen ihre Möglichkeiten zur Einhaltung der Corona-Regeln ausgeschöpft. „In den eigenen Geschäftsräumen haben wir unsere Regeln aufgestellt. Aber vor dem Laden ist öffentlicher Bereich. Dort haben wir kein Hausrecht“, sagt Produktionsleiter Plaul. Die Abstandsregelungen würden nicht eigenständig eingehalten. Die Mitarbeiter müssten in den Mittagspausen immer wieder auf sie aufmerksam machen. „Wir hatten auch schon Diskussionen mit Schülern, die sich einfach dumm gestellt haben“, so Plaul.

Rocco Plaul (l.) und Robert Kindlein (r.) vor der „Nudel Emma“ haben alle ihre Möglichkeiten zur Einhaltung der Corona-Regeln in und vor ihrem Laden ausgeschöpft.
Rocco Plaul (l.) und Robert Kindlein (r.) vor der „Nudel Emma“ haben alle ihre Möglichkeiten zur Einhaltung der Corona-Regeln in und vor ihrem Laden ausgeschöpft. | Bild: Cian Hartung

Was sie letztlich tun können? „Nichts wirklich“, meint Mitarbeiter Kindlein. „Wir wollen ja nicht das Ordnungsamt rufen und unsere eigenen Kunden denunzieren.“ Man könne natürlich immer sagen, dass Schüler dann kein Essen mehr von uns bekommen. „Das wollen wir aber nicht.“

Acht Schilder für die Corona-Regeln beim Döner-Laden reichen nicht aus

Saskia Stabe, Schülerin vom Gymnasium Überlingen, vor dem Döner-Laden an der Hochbildstraße: „Ich finde es grenzwertig, dass viele hier keine Maske tragen.“
Saskia Stabe, Schülerin vom Gymnasium Überlingen, vor dem Döner-Laden an der Hochbildstraße: „Ich finde es grenzwertig, dass viele hier keine Maske tragen.“ | Bild: Cian Hartung

Auch auf der anderen Straßenseite vor dem „Mega Döner“ bilden sich in den Mittagspausen regelmäßig Schlangen von Schülern. Auch hier von Sicherheitsabstand keine Spur, Masken werden nur spärlich getragen. In der Schlange steht Saskia Stabe (17), Zwölftklässlerin vom Gymnasium Überlingen. Sie findet: „Es ist grenzwertig, dass viele hier keine Maske tragen.“ Neben ihr fügt ihr Klassenkamerad Tristan Klingenhäger (17) hinzu: „Manchmal gibt es auch Schüler, die sich an einem vorbei durch den Eingang zwängen. Der Mindestabstand wird hier nicht von allen eingehalten.“

Valat Duman, Betreiber vom „Mega Döner“ sagt: „Wir müssen in der Mittagspause schnell arbeiten und rufen immer wieder: ‚Abstand halten!‘“
Valat Duman, Betreiber vom „Mega Döner“ sagt: „Wir müssen in der Mittagspause schnell arbeiten und rufen immer wieder: ‚Abstand halten!‘“ | Bild: Cian Hartung

Nur eine Tür als Ein- und Ausgang hat der Döner-Laden, dafür aber acht Schilder, die auf das Maske-Tragen und den Sicherheitsabstand hinweisen, zeigt der Betreiber Valat Duman. „Während der Stoßzeiten geht es schnell. Wir müssen dann arbeiten und rufen immer wieder: ‚Abstand halten!‘“ Auf jeden Kunden könne er nicht achten, doch er und seine Mitarbeiter täten, was sie könnten.

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Neben den beiden Gaststätten ist auch der Edeka-Supermarkt an der Lippertsreuter Straße ein beliebtes Ziel der Schüler. Der Filialleiter Stephan Dörflinger erklärt, dass man versucht, Schüleransammlungen vor dem Markt zu verhindern. Über die Pressestelle von Edeka-Südwest lässt er mitteilen: „Kunden, die keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen oder Mindestabstände nicht einhalten, werden von unseren Mitarbeitern auf die geltenden Regelungen hingewiesen. Unsere Mitarbeiter können im Einzelfall auch Hausverbote aussprechen.“

Das sagen Überlinger Schulleiter zum Corona-Risiko der Schüleransammlungen

Hans Weber, Leiter des Gymnasiums Überlingen: „Wir werden keine Lehrer abstellen, die die Warteschlange vor dem Döner-Imbiss beaufsichtigen.“
Hans Weber, Leiter des Gymnasiums Überlingen: „Wir werden keine Lehrer abstellen, die die Warteschlange vor dem Döner-Imbiss beaufsichtigen.“ | Bild: Stefan Hilser

Weniger Sanktionsmöglichkeiten haben dagegen die Überlinger Schulen. „Abseits des Schulgeländes können wir die Einhaltung der Regeln nicht überprüfen“, meint Hans Weber, Schulleiter des Gymnasiums Überlingen. Seine Schüler hätten in der Mittagspause vom Nachmittagsunterricht auch die Option, sich Essen mitzunehmen oder in der eigenen Mensa zu essen. „Aber in der Öffentlichkeit ist es die Aufgabe des jeweiligen Gastronomen, des Ordnungsamts und des Einzelnen, die Hygiene-Regeln einzuhalten und zu überwachen“, so Weber. Er und seine Lehrerkollegen appellieren dennoch regelmäßig an die Eigenverantwortung der Schüler. Doch er sagt auch: „Wir werden keine Lehrer abstellen, die die Warteschlange vor dem Döner-Imbiss beaufsichtigen. Das ist weder rechtlich haltbar noch von den personellen Ressourcen möglich.“

Thomas Gundelsweiler, Schulleiter der Constantin-Vanotti-Schule: „Außerhalb des Schulgeländes kann die Einhaltung der Regeln nur vom Ordnungsamt oder von der Polizei kontrolliert werden.“
Thomas Gundelsweiler, Schulleiter der Constantin-Vanotti-Schule: „Außerhalb des Schulgeländes kann die Einhaltung der Regeln nur vom Ordnungsamt oder von der Polizei kontrolliert werden.“ | Bild: SK

Die Schüler der Constantin-Vanotti-Schule müssen für ihre Selbstverpflegung derzeit das Schulgelände verlassen. Dort ist die Cafeteria aufgrund von Corona momentan geschlossen, teilt Schulleiter Thomas Gundelsweiler mit. Die Schulleitung teile den Schülern aber immer wieder mit, dass sie auch außerhalb des Geländes für die Einhaltung der Corona-Regeln verantwortlich sind. Aber er stellt klar: „Sobald sie das Schulgelände verlassen, ist es mit der Aufsicht vorbei. Dort können die Regeln nur vom Ordnungsamt oder der Polizei kontrolliert werden.“

Was können die Stadt und das Ordnungsamt tun?

Die Stadt Überlingen lässt auf SÜDKURIER-Anfrage mitteilen, dass das Ordnungsamt vor den Läden abhängig personeller Auslastung „sporadische Kontrollen“ mache. Eine Garantie zur Einhaltung der Corona-Maßnahmen könne aber auch die Stadt nicht geben und weist auf die Verantwortung der Betreiber hin. „Die Ladenbetreiber sind laut Corona-Verordnung dazu angehalten, dass in ihrem Betriebsablauf die Schutzmaßnahmen zur Verringerung des Infektionsrisikos eingehalten werden. Dies ist Teil des Hygienekonzeptes der Unternehmen.“

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Die Stadtverwaltung unterstütze die Ladenbetreiber in ihren Maßnahmen zur Umsetzung der Corona-Verordnung und gibt einen Rat: „Ein Ladenbetreiber kann ohne vorherigen Antrag Markierungen auf dem Boden vor den Geschäften anbringen, um der wartenden Kundschaft eine Orientierung zur Einhaltung der Abstandsregeln zu bieten.“

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