Kinder, Lehrer und Rektoren sind sich einig: Es ist schön, dass die Schüler der Grundschulen seit Montag wieder im Wechselunterricht zur Schule kommen dürfen. Die neunjährige Pixie freut sich besonders, dass sie ihre Freunde „endlich“ wieder sehen darf. „Ein bis zwei Monate lang habe ich sie nicht gesehen“, erzählt Pixie.

Pixie besucht die 4. Klasse in der Grundschule Hödingen: „Im ersten Lockdown war ich alleine in der Betreuung. Das war ganz schön langweilig.“
Pixie besucht die 4. Klasse in der Grundschule Hödingen: „Im ersten Lockdown war ich alleine in der Betreuung. Das war ganz schön langweilig.“ | Bild: Mona Lippisch

Das Mädchen besucht die vierte Klasse der Grundschule Hödingen, in den vergangenen Wochen war sie täglich in der Notbetreuung der Schule. „Im ersten Lockdown war ich alleine in der Betreuung. Das war ganz schön langweilig“, sagt die Schülerin.

Lernen in der Notbetreuung in der Grundschule Hödingen: Viertklässlerin Pixie und Erstklässler Mark.
Lernen in der Notbetreuung in der Grundschule Hödingen: Viertklässlerin Pixie und Erstklässler Mark. | Bild: Mona Lippisch

In den vergangenen Wochen waren noch ein paar wenige Schüler aus anderen Klassenstufen mit Pixie in der Notbetreuung, wie beispielsweise der Erstklässler Mark. „Ich bin schon lange hier“, sagt er. „Das Lernen mit den anderen macht mir Spaß und das Spielen im Garten.“

Diese Schüler der vierten Klasse der Grundschule Hödingen freuen sich, dass der Unterricht nun wieder wochenweise im Klassenzimmer stattfindet.
Diese Schüler der vierten Klasse der Grundschule Hödingen freuen sich, dass der Unterricht nun wieder wochenweise im Klassenzimmer stattfindet. | Bild: Mona Lippisch

Auch die Kinder, die in den vergangenen Wochen nicht in der Notbetreuung waren, sind glücklich über den Unterricht in der Schule. „Es ist hier viel besser und macht Spaß, weil man seine Freunde wiedersehen kann und nicht alleine lernen muss. Auch die Lehrer können es in der Schule besser erklären als daheim“, sagt Drittklässlerin Susen. Und Leo ergänzt: „Am Anfang war es komisch, weil wir uns so lange nicht gesehen haben und so lange nicht mehr in der Schule waren.“

Drittklässler der Grundschule Hödingen an ihrem ersten Schultag im Klassenzimmer nach einigen Wochen Digitalunterricht.
Drittklässler der Grundschule Hödingen an ihrem ersten Schultag im Klassenzimmer nach einigen Wochen Digitalunterricht. | Bild: Mona Lippisch

„Komisch“ waren die ersten Unterrichtsstunden im Klassenzimmer nach vielen Wochen Digitalunterricht auch für Lehrerin Judith Zimmer. „Es war zwar schön, die Kinder wiederzusehen, aber sie waren auch sehr ruhig. Deswegen war die Situation anfangs etwas komisch. Wir haben uns alle lange nicht mehr gesehen“, sagt Zimmer. Nach einer Weile hätten sich die Schüler wieder an das Lernen im Klassenzimmer gewöhnt und seien „lockerer“ geworden.

Lehrerin Judith Zimmer, Grundschule Hödingen: „Es war schön, die Kinder wiederzusehen. Aber sie waren auch sehr ruhig, deswegen war die Situation anfangs etwas komisch
Lehrerin Judith Zimmer, Grundschule Hödingen: „Es war schön, die Kinder wiederzusehen. Aber sie waren auch sehr ruhig, deswegen war die Situation anfangs etwas komisch | Bild: Mona Lippisch

Während sich Schüler und Lehrer an die neue Situation gewöhnen müssen, steckt Kathrin Diestel, Rektorin der Grundschule Hödingen, in umfangreichen Planungen. Welche Klassen dürfen wann zur Schule kommen? Wie wird der Digitalunterricht weiterhin gestaltet? Wer kümmert sich um Lernpakete für die Zeit zu Hause? Diese und viele weitere Fragen müssten jederzeit neu geklärt werden.

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„Wir gestalten den Wechselunterricht so, dass in jeder Woche zwei Klassen Präsenzunterricht haben. Diese Woche sind es die 3. und 4. Klasse – außerdem gibt es noch die Notbetreuung„, erklärt Diestel. Die Gruppen dürften sich untereinander nicht mischen und die Gruppengröße sei auf etwa 14 Kinder festgelegt. So habe es das Land vorgeschrieben.

Kathrin Diestel, Rektorin der Grundschule Hödingen: „Wir gestalten den Wechselunterricht so, dass in jeder Woche zwei Klassen Präsenzunterricht haben.“
Kathrin Diestel, Rektorin der Grundschule Hödingen: „Wir gestalten den Wechselunterricht so, dass in jeder Woche zwei Klassen Präsenzunterricht haben.“ | Bild: Mona Lippisch

Mit dieser Regelung kommt jeder Schüler auf 12 bis 15 Schulstunden in einer Woche, in der Präsenzunterricht auf dem Programm steht. Für die Kinder, die nicht in der Schule sind, findet weiterhin Fernunterricht statt. Die Kombination aus Präsenz- und Digitalunterricht fordert die sieben Lehrkräfte an der kleinen Schule, sagt Diestel. „Wir haben ein straffes Programm. Wird eine Lehrerin krank, dann wird es schon eng. Deswegen hoffen wir, dass alle gesund bleiben und wir keinen Plan B brauchen.“

Präsenzunterricht findet in der Grundschule Lippertsreute wochenweise statt

Ähnlich wie in Hödingen sieht es an der Grundschule Lippertsreute aus. Auch hier findet der Präsenzunterricht für die Kinder wochenweise statt. „In der ersten Woche haben wir die 1. und 3. Klasse da, kommende Woche dann die Klasse 2 und 4“, erklärt Rektorin Carmen Kindler, die außerdem geschäftsführende Schulleiterin der Stadt Überlingen ist. Dazu komme eine Gruppe der Notbetreuung.

Mit Abstand und dafür ohne Maske: Die Schülerinnen Milena, Lina, Viky und Sina (von links) haben seit Montag wieder Präsenzunterricht – zumindest eine Woche lang. Die dritte Klasse wechselt die Präsenzphase an der Grundschule Lippertsreute wochenweise mit der vierten Klasse.
Mit Abstand und dafür ohne Maske: Die Schülerinnen Milena, Lina, Viky und Sina (von links) haben seit Montag wieder Präsenzunterricht – zumindest eine Woche lang. Die dritte Klasse wechselt die Präsenzphase an der Grundschule Lippertsreute wochenweise mit der vierten Klasse. | Bild: Mona Lippisch

Wie Kindler berichtet, würden sich sowohl die Schüler als auch die Eltern über den Wechselunterricht freuen. Auch, wenn es organisatorisch in den Familien eine Herausforderung bleibe. „Nun müssen die Eltern wochenweise ihren Plan ändern, einmal sind die Kinder in der Schule, einmal daheim. Es ist nicht einfach für Berufstätige“, weiß die Rektorin.

Carmen Kindler, Rektorin der Grundschule Lippertsreute: „Es gibt keine Pflicht für Präsenzunterricht.“
Carmen Kindler, Rektorin der Grundschule Lippertsreute: „Es gibt keine Pflicht für Präsenzunterricht.“ | Bild: Mona Lippisch

Weiter berichtet Carmen Kindler von einem Kind, das nicht zum Präsenzunterricht in die Grundschule kommen darf. „Die Eltern erlauben es nicht und es gibt nun einmal keine Pflicht für Präsenzunterricht„, so Kindler. Sie könne auch diese Entscheidung verstehen – vor allen, wenn es Familienmitglieder gibt, die zur Risikogruppe gehören.

Da hängen sie wieder: Die Jacken der Kinder in der Grundschule Lippertsreute. In den vergangenen Wochen war hier deutlich weniger los. Nur die Schüler mit Anspruch auf Notbetreuung durften in die Schule kommen.
Da hängen sie wieder: Die Jacken der Kinder in der Grundschule Lippertsreute. In den vergangenen Wochen war hier deutlich weniger los. Nur die Schüler mit Anspruch auf Notbetreuung durften in die Schule kommen. | Bild: Mona Lippisch

Besonders froh ist Rektorin Kindler über die Möglichkeit, sich als pädagogische Fachkraft zwei Mal in der Woche auf das Coronavirus testen lassen zu können. „Wir versuchen im Kollegium die gleichen Tage für die Tests zu wählen, damit wir uns die Ergebnisse einheitlich zurückmelden können“, sagt sie.

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Auch ein Corona-Impftermin für Kindler steht bereits: Am 10. März findet die erste Impfung für die Rektorin im Landkreis Sigmaringen statt, den zweiten Termin ergatterte sie im Mai in Ravensburg. „Es ist schön, zu wissen, dass ich nach der Impfung vor einem schweren Krankheitsverlauf geschützt bin“, findet Kindler.

Schüler der Wiestorschule haben zwei Tage pro Woche Präsenzunterricht

Noch keine Impftermine gibt es dagegen für die Lehrer an der Gemeinschaftsschule Wiestor (Stand Dienstag). „Ich möchte mich unbedingt impfen lassen, habe aber noch keinen Termin bekommen“, sagt etwa Lehrerin Nadine Raquet. „Ich weiß ja nicht, was ich in mir trage und was ich an 20 Kinder und ihre Familien weitergeben kann.“

Auch in der Wiestorschule findet seit Montag Wechselunterricht statt. Wie Rektor Jürgen Mattmann erklärt, kommen alle Schüler der Grundschule und der Abschlussklassen an zwei Vormittagen in der Woche zur Schule. „So wollen wir vermeiden, dass wir die Kinder aus den Augen verlieren“, sagt Mattmann.

Jürgen Mattmann, Rektor der Wiestorschule: „Unser Ziel ist es, neue Inhalte an den Präsenztagen einzuführen. Zu Hause sollen die Kinder die Inhalte dann wiederholen und vertiefen.“
Jürgen Mattmann, Rektor der Wiestorschule: „Unser Ziel ist es, neue Inhalte an den Präsenztagen einzuführen. Zu Hause sollen die Kinder die Inhalte dann wiederholen und vertiefen.“ | Bild: Mona Lippisch

Der Digitalunterricht findet nicht mehr statt – in den Tagen, an denen die Schüler zu Hause sind, machen sie Aufgaben, die sie dann in der Schule wieder besprechen. „Unser Ziel ist es, neue Inhalte an den Präsenztagen einzuführen. Zu Hause sollen die Kinder die Inhalte dann wiederholen und vertiefen“, so Rektor Mattmann.

Der Start des neuen Wechselsystems an der Wiestorschule habe gut funktioniert, wie Grundschullehrerin Nadine Raquet bestätigt: „Die Kinder waren zwar alle wahnsinnig nervös, aber froh, endlich wieder hier zu sein.“

Seit Montag findet auch in der Wiestorschule wieder Präsenzunterricht statt, hier die Eingangsklasse 1 mit Lehrerin Nadine Raquet.
Seit Montag findet auch in der Wiestorschule wieder Präsenzunterricht statt, hier die Eingangsklasse 1 mit Lehrerin Nadine Raquet. | Bild: Mona Lippisch

Für die Lehrerin selbst ist die Rückkehr an die Schule auf der einen Seite ein „gutes Gefühl“. „Den Kindern die Inhalte vor Ort zu erklären ist schöner als von zu Hause aus, genauso wie das Vorbereiten auf den Unterricht“, sagt Raquet. Auf der anderen Seite betrachtet die Lehrerin den Wechselunterricht aber auch mit Respekt. „Bis vor wenigen Tagen war ich daheim. Jetzt bin ich in der Schule und mit den Kindern zusammen. Da ist ganz klar etwas Unsicherheit da.“

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