Der Neubau eines Pflegezentrums gehört zu den größten und drängendsten Projekten der Stadt Überlingen. Die Betriebserlaubnis für das Altenheim St. Ulrich läuft dem aktuellen Standard gemäß im Jahr 2024 aus. Ersatz soll im neuen Stadtquartier Südlich Härlen beim Krankenhaus entstehen. Bauherr ist der Spital- und Spendfonds, dessen Stiftungsrat der Gemeinderat ist. In dessen jüngster Sitzung wurde jetzt der Planungsstand des Projekts vorgestellt.

„Das Pflegezentrum gibt den Anstoß für ein Baugebiet. Das ist ungewöhnlich“, betonte Stadtkämmerer Stefan Krause als erster Vortragender. Er fasste die Genese zusammen. Aus dem nicht offenen Planungswettbewerb war der Entwurf des Architekturbüros Hähnig und Gemmeke aus Tübingen als Sieger hervorgegangen. Die Vergabe folgte im Februar 2021. Im selben Monat wurde Rainer Storz aus Bempflingen mit der Projektsteuerung beauftragt.

Projektbudget derzeit bei 34 Millionen Euro

Seitdem seien die Pläne von allen Beteiligten überarbeitet worden und die Nutzfläche orientiere sich mit 7600 Quadratmetern an den Vorgaben, erläuterte Krause. Die Kostenobergrenze für die im Architektenvertrag festgeschriebenen Gewerke belaufe sich zurzeit auf rund 20 Millionen Euro. Das gesamte Projektbudget wird in den Sitzungsunterlagen mit 34 Millionen Euro, inklusive Zuschlag für eventuelle Baukostensteigerungen, beziffert. Als mögliches Einsparpotenzial nannte der Stadtkämmerer Küchengeräte, die eventuell aus der alten Einrichtung übernommen werden könnten. Dazu gebe es Überlegungen, am neuen Standort auch für das Altenheim St. Franziskus sowie externe Kunden zu kochen.

126 Betreuungsplätze geplant, auch für Tagespflege

„Wir sind, was die Flächenplanung angeht, auf Erfolgskurs unterwegs“, freute sich Krause. Dazu hob er hervor, dass nach dem aktuellen Planungsstand insgesamt 126 Betreuungsplätze geschaffen würden. Darin sind 15 Tagespflegeplätze enthalten sowie acht Plätze für junge Pflegebedürftige. Auch eine beschützende Abteilung, wie es die Planer nennen, ist vorgesehen: Hier können beispielsweise Menschen mit Demenz einziehen.

Förderkredit in sprichwörtlich letzter Minute

Mit großer Erleichterung berichtete Stefan Krause, dass der Förderkredit in sprichwörtlich letzter Minute von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bewilligt worden sei. Am Folgetag sei das Programm kurzfristig eingestellt worden.

Bild 1: Planung des Pflegezentrums Südlich Härlen geht in die nächste Runde
Bild: Schönlein, Ute

Architekt Martin Gemmeke stellte den aktuellen Planungsstand vor. „Das Pflegezentrum besteht aus zwei identischen Baukörpern mit jeweils einem Innenhof“, beschrieb er das Gesamtensemble. Es schmiege sich an den Drumlin an, einen eiszeitlichen Hügel. Aufgrund der Hanglage verfügten die beiden Gebäudeteile über unterschiedliche Geschosszahlen. So seien die Funktionsräume alle in der unteren Etage des nördlichen Baukörpers angesiedelt. Der Haupteingang und das Foyer befinden sich im südlichen Abschnitt.

Bäder als Fertigmodule und variable Trennwände

Martin Gemmeke nannte einige bauliche Details. So sollen die Bäder der Zimmer als Fertigmodule geliefert werden. Das spare Kosten, erfordere aber eine hohe bauliche Präzision. Für Flexibilität in der Nutzung sollen beispielsweise variable Trennwände sorgen. Damit ließe sich ohne viel Aufwand aus zwei Einzelzimmern ein Doppelzimmer machen. Viel Licht sollen die beiden begrünten Innenhöfe bieten, dazu wird es einen Gemeinschafts- und einen Demenzgarten geben.

Projektsteuerer rät, elf Prozent Kostensteigerung einzuplanen

Das Haus wird nach dem Energieeffizienz-Standard 55 errichtet und an das Fernwärmenetz der Solarthermie-Anlage angeschlossen, die an der Aufkircher Straße entsteht wird. Projektsteuerer Rainer Storz lobte die Güte der Planung und betonte, noch handele es sich um einen Vorentwurf und Schätzungsniveau. Er bezifferte die Gesamtkosten inklusive Außenanlagen mit 28 Millionen Euro und riet dazu, eine Kostensteigerung von elf Prozent einzuplanen.

Hohe Kosten durch nötige Technik

Storz ergänzte, dass Pflegeheime grundsätzlich techniklastige Betriebe seien, was sich auf der Kostenebene niederschlage. Als Beispiel nannte er eine adiabate Kühlung für die Gemeinschaftsräume. Sie wird auch Verdunstungskühlung genannt, basiert auf Wasser und kann die Raumtemperatur maximal um drei bis vier Grad senken. Das sei keine erforderliche, aber angesichts der zu erwartenden steigenden Temperaturen eine sinnvolle Maßnahme, sagte Storz.

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Das Thema Nachhaltigkeit beschäftigte Bernadette Siemensmeyer (LBU/Grüne). Sie erkundigte sich nach der Fassade und der Dachbegrünung. Gemmeke schilderte, dass die Häuser verputzt würden und eine extensive Dachbegrünung mit Systemaufbau geplant sei. Die endgültige Gestaltung hänge noch von den dann gültigen Vorschriften in Sachen Fotovoltaikanlagen ab.

Entwurf kommt im Gemeinderat gut an

„Ich finde den Entwurf richtig gut“, sagte Kristin Müller-Hausser (BÜB+). Sie fragte jedoch nach, ob die Küche nicht zu klein ausgefallen sei. Martin Gemmeke räumte ein, dass hier die Feinsteuerung noch fehle. Ulf Janicke (LBU/Grüne) wollte wissen, ob die Fenster wie im ersten Entwurf alle bis zum Boden reichen sollen. Die Antwort lieferte Oberbürgermeister Jan Zeitler. Man habe sich von Pflegeexperten beraten lassen. Um für Menschen mit einer Sehbehinderung nicht zur Gefahr zu werden, müssten die Fenster farblich abgesetzt und mit einem Glasriegel versehen werden.

Bevor der Stiftungsrat die Freigabe der Leistungsphase 2 einstimmig beschloss, lobte Ulf Janicke das Projekt: Es sei „im Spannungsfeld von Wirtschaftlichkeit und Lebensqualität außerordentlich gut gelungen“. Jan Zeitler schloss die Debatte: „Ich freue mich drauf.“