Italiener. Multi-Gastronom. Erfolgreicher Geschäftsmann. „Pizza-Pate“. Familienvater. Pino Arena. Wer ist der Mann, der mit neun Jahren zum Vollwaisen wurde, mit 21 aus Sizilien nach Deutschland kam, und hier buchstäblich vom Tellerwäscher – vielleicht nicht zum Millionär, dazu macht er keine Angaben – aber auf jeden Fall zu einem der erfolgreichsten Gastronomen am Bodensee wurde. Antworten? Soviel ist sicher, er ist eine schillernde Figur.

Bei „Pizza-Pate“ muss Pino Arena lachen

Pino Arena betreibt mit seinem Geschäftspartner, Freund und ehemaligen Chef Nico Tatavitto elf Lokale am westlichen Bodenseeufer und in Ravensburg. Die beiden Männer kennen sich seit 30 Jahren. Auf ihren sprichwörtlichen Riecher können sie sich verlassen: Kein Restaurant, das dieses Team bisher eröffnete, mussten sie je wieder schließen. Trennten sie sich von einem, wurde es im erfolgreich laufenden Betrieb verkauft. „Pizza-Pate“ nennen manche Pino Arena. Teils ehrfurchtsvoll, teils boshaft gemeint, teils im Spaß. „Pizza-Pate“? Das bringt ihn zum Lachen, er entgegnet: „Wenn ich ein Mafioso wäre, würde ich wohl jetzt auf den Bahamas meine Millionen zählen, anstatt hier fünf bis sieben Tage in der Woche zu arbeiten.“

Pino Arena (rechts) bei der Eröffnung des Café-Ristorante „Riva“ im Juli 2006, mit Privatinvestor Dietmar Bichler und Nico Tatavitto (links)
Pino Arena (rechts) bei der Eröffnung des Café-Ristorante „Riva“ im Juli 2006, mit Privatinvestor Dietmar Bichler und Nico Tatavitto (links) | Bild: Holger Kleinstück

Seit 1998 gibt es in der Überlinger Greth zwei Arena-Lokale

Mit „hier“ meint Pino Arena das feine Ristorante, das seinen Namen trägt, das „Arena“ im ersten Stock der Überlinger Greth. Seit dem 26. November 1998 betreibt er das italienische Restaurant und die Pizzeria „Allegretto“ im Erdgeschoss desselben Gebäudes mit der Außenbewirtung direkt am Landungsplatz. Der Geschäftsmann ist überzeugt: „Würde Doktor Auriga heute noch leben, sähe es in Überlingen und auch in der Kapuzinerkirche ganz anders aus.“

Die Tische des Allegretto draußen vor der Überlinger Greth, direkt am Landungsplatz gelegen, sind einer der beliebtesten Treffpunkte an der Überlinger Seepromenade. Hier vor einigen Jahren aufgenommen mit Kellner Fato Mehmeti.
Die Tische des Allegretto draußen vor der Überlinger Greth, direkt am Landungsplatz gelegen, sind einer der beliebtesten Treffpunkte an der Überlinger Seepromenade. Hier vor einigen Jahren aufgenommen mit Kellner Fato Mehmeti. | Bild: Eva-Maria Bast
Den Anspruch, geobene italienische Küche zu bieten, hat das „Arena“ in Überlingen.
Den Anspruch, geobene italienische Küche zu bieten, hat das „Arena“ in Überlingen. | Bild: privat

Fahrrad und Motorroller statt Ferrari

Apropos Steuerberater: Wenn ein Steuerberater einen Ferrari fahre, ginge das für die Allgemeinheit in Ordnung, meint Arena, bei einem Gastronomen bedeute so ein Fahrzeug den Hinweis auf krumme Geschäfte. Irgendwie klingt er dabei ernüchtert. Allerdings fahre er keinen Ferrari, sondern am liebsten mit dem Fahrrad oder dem Motorroller. „Im Übrigen habe ich einen neun Jahre alten Mercedes.“ Da ist es wieder, das verschmitzte Lächeln des unprätentiösen Mannes mit den schulterlangen grauen Haaren. Seine Gäste und Freunde sehen ihn meist an der Kaffeebar seiner Pizzeria stehend, oft mit dem Handy am Ohr.

Mit 21 kam Pino Arena aus Sizilien nach Süddeutschland, das war 1989. Heute ist er Herr über elf Lokale, hier ein aktuelles Foto, das Ende November 2020 in Überlingen entstand, wo er das „Arena“ und das „Allegretto“ in der Greth am Landungsplatz betreibt.
Mit 21 kam Pino Arena aus Sizilien nach Süddeutschland, das war 1989. Heute ist er Herr über elf Lokale, hier ein aktuelles Foto, das Ende November 2020 in Überlingen entstand, wo er das „Arena“ und das „Allegretto“ in der Greth am Landungsplatz betreibt. | Bild: Stef Manzini

In der sizilianischen Heimat gab es keine Perspektive

Der Überlinger Gastronom wurde 1968 im sizilianischen Catania geboren. Nach Deutschland kam Arena 1989, nach dem Militärdienst. Der Grund dafür auszuwandern, war für ihn die Perspektivlosigkeit seiner italienischen Heimat, die er heute nur noch sehr selten besucht. Erste Erfahrungen in der Gastronomie sammelte der Mann, der heute mit dem „Allegretto“ im Greth-Gebäude auch eine gehobene Trattoria führt, quasi als Tellerwäscher in einem deutschen Lokal im bayerischen Wasserburg. Auf die Frage, ob es ein besonders harter Weg war, aus der Küche zum Chef über rund 150 Mitarbeitern, überlegt Arena eine kleine Weile. „Nein, kein besonders harter Weg, aber sehr viel harte Arbeit.“

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Das „Fährhaus“ in Meersburg übernahmen Pino Arena und Nico Tatavitto Mitte 2018. Sie bauten das Tanzlokal grundlegend um.
Das „Fährhaus“ in Meersburg übernahmen Pino Arena und Nico Tatavitto Mitte 2018. Sie bauten das Tanzlokal grundlegend um. | Bild: Jens Knolle

Töchter entschieden sich gegen die Gastronomie

Dass seine beiden Töchter „in dieser komplizierten Zeit“, so Arena lakonisch zum Thema „Corona-Lockdown in der Gastronomie„, einen ganz anderen beruflichen Weg eingeschlagen hätten und studierten, macht den Familienvater froh – es beruhigt ihn, wie er sagt. Seine Frau habe ihm all die Jahre den Rücken freigehalten, denn viel Freizeit bleibe nicht für die Familie übrig bei den Arbeitszeiten und seinem Arbeitspensum, erklärt der Geschäftsmann.

Treffpunkt am Überlinger Landungsplatz: Die Plätze, die das „Allegretto“ im Freien bietet, sind in der Freiluftsaison fast immer voll besetzt.
Treffpunkt am Überlinger Landungsplatz: Die Plätze, die das „Allegretto“ im Freien bietet, sind in der Freiluftsaison fast immer voll besetzt. | Bild: Jäckle, Reiner

„Italienische Gastwirte haben einfach keine gute Lobby“

Generell vermisst Arena den Respekt für die Leistungen der Gastronomie. Die Wertschätzung für die Menschen, die für ihre Gäste kochten, sie am Tisch bedienten. „Ich wünsche keinem, diesen Job zu machen, oft als Mafia und Betrüger diffamiert, haben wir italienischen Gastwirte einfach keine gute Lobby“, sagt Arena, der zusätzlich auch Gastroeinrichtungen verkauft. Die eher nüchterne Einschätzung seines Berufsstandes erklärt jedoch nicht, warum der rührige Wirt es seit der Eröffnung seiner ersten Pizzeria 1992 in Tettnang bis in die heutige Zeit zu einem regelrechten „Pizza-Imperium“ von inzwischen elf Lokalen brachte. „Naja, das ist eben wie bei einem Kind. Wenn es einen Bonbon lutscht und der schmeckt, will es noch einen, und noch einen und so weiter“, dabei lächelt Arena wieder, und ist fast ein bisschen zufriedenes Kind.

Ein Blick ins Innere des „Riva“ in Sipplingen.
Ein Blick ins Innere des „Riva“ in Sipplingen. | Bild: privat

Maßnahmen für Gastronomie „total überzogen“

Gastronomie und Corona – keine einfache Zeit für Pino Arena. Gerade vor ein paar Tagen wurden die festen Zelte vor der Pizzeria an der Überlinger Uferpromenade aufgebaut. Hier sollten Gäste auf Abstand sicher und vor Kälte geschützt speisen können. Eine finanzielle Investition ohne konkrete Perspektive. Wann hier wieder Gäste sitzen werden? Auf diese Frage gibt es zur Antwort nur ein Achselzucken. „Frau Merkel sagt bisher dazu kein Wort, warum schätzt man uns nicht höher?“ Der Gastwirt hält die Corona-Maßnahmen, die die Gastronomie betreffen, für total überzogen. „Wir halten uns ganz streng an die Abstandsgebote und Hygieneverordnungen. Ich frage mich, was ist mit den Bussen und Zügen, da sitzen doch die Menschen dicht an dicht.“

Ein weiteres Arela-Lokal in Überlingen ist Pizzeria/Ristorante „La Vita“, das italienische Küche an der Seepromenade bietet, nur wenige hunder Meter von der Greth entfernt.
Ein weiteres Arela-Lokal in Überlingen ist Pizzeria/Ristorante „La Vita“, das italienische Küche an der Seepromenade bietet, nur wenige hunder Meter von der Greth entfernt. | Bild: Kleinstück, Holger

Wegen Corona bisher keinen Mitarbeiter entlassen

Stolz ist der Chef darauf, bisher keinen seiner rund 150 Mitarbeiter, die teilweise über 20 Jahre für ihn arbeiten, entlassen zu haben. „Wir halten das durch“, erklärt Arena und fügt hinzu: „Ich versuche meinen Leuten eine gute Arbeitsrealität mit fairen Bedingungen zu schaffen.“ Pino Arena hält seine Lokale an 364 Tagen im Jahr geöffnet, Urlaub gab es in diesem Jahr für ihn noch nicht. Am 25. Dezember wird geschlossen, denn dann feiere er mit seiner Familie Weihnachten.

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Zuhause kocht er gerne Fisch

Steckt hinter dem Workaholic also auch ein Familienmensch? „Ich koche zuhause sehr gerne, meist gibt es dann Meeresfisch, zum Beispiel eine Dorade mit Gemüse und Salat und einem ‚Arneis‘, das ist ein Weißwein aus dem Piemonte“, sagt der Weinkenner und -liebhaber. „Wenn wir dann also einmal sitzen, dann sitzen wir sehr lange“, sagt der Familienvater schmunzelnd.

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Ein Hotel könnte noch dazu kommen

Was er für die Zukunft plant? Als Antwort erinnert sich Arena an Sipplingen. In der kleinen Gemeinde investierte das Team Tatavitto/Arena 2006 laut Arena eine Million Euro, um in nur sechs Monaten Bauzeit das „Riva“ zu erschaffen. „Das hätte doch damals niemand gemacht, in so einem kleinen Dorf“, ist sich Arena sicher. Es sei der Standort gewesen, direkt am Seeufer gelegen, der für ihn sofort den Ausschlag gab, erinnert sich der Geschäftsmann. „Als ich das sah, bin ich erst gar nicht mehr aus dem Auto ausgestiegen, um näher zu gucken, ich war sofort überzeugt.“ Dennoch nähmen Tatavitto/Arena nicht jedes Angebot an, das ihnen auf den Tisch flattert. Er verlasse sich vielmehr stets auf seine Spürnase, wie eben in Sipplingen. Ein Hotel halte er noch für ein reizvolles Projekt, da könnte etwas kommen in naher Zukunft, meint er. Generell mache er es sich aber ein klein wenig ruhiger, jedenfalls sei er dabei, es zu versuchen.

Direkt am Bodenseeufer in Überlingen liegt die Kellerwerft, in der Pino Arena seit 2019 ein Restaurant betreibt.
Direkt am Bodenseeufer in Überlingen liegt die Kellerwerft, in der Pino Arena seit 2019 ein Restaurant betreibt. | Bild: privat

Das Geheimnis seines Erfolgs

Zum Abschied gibt der erfolgreiche Gastronom, der so klein startete, dann doch noch das Geheimnis seines Erfolges preis: Er rät jungen Menschen, die seinen Weg einschlagen möchten: „Lernt Deutsch, seid zuverlässig und beständig, ihr braucht die Bereitschaft, viel zu arbeiten. Seid bodenständig und lasst euch nichts zu Kopf steigen. Entwickelt den richtigen Riecher für erfolgreiche Projekte.“ Pino Arenas Motto lautet: „Das Glück im Leben kommt nicht von alleine, man muss es sich selber beschaffen.“