Im Streit mit der Stadt um die selbstgemachten Holzpfosten zur Ausbremsung des Radverkehrs auf der Überlinger Münsterstraße, möchte Galgenhölzle-Wirt Jeckel nicht klein beigeben. Er hatte die Pfosten aufgestellt um, wie er sagt, die schnellen Radler und unberechtigt einfahrende Pkw zu stoppen, weil diese eine große Gefahr für seine Gäste und Kellner darstellten. Jeckel bewirtet Gäste seines Lokals auf beiden Straßenseiten.

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Verwaltung sieht Verstoß gegen Straßenverkehrsrecht

Die Überlinger Stadtverwaltung sieht in der Aktion indes einen Verstoß gegen das Straßenverkehrsrecht, und schickte dem Wirt jetzt in dieser Sache einen Anhörungsbogen. In diesem Schriftverkehr schildert die Stadt, laut Jeckel, auch einen Fall in dem einer der ein Meter hohen und nicht fest verankerten Pfosten auf einen Fahrradanhänger gefallen wäre, ohne allerdings einen Schaden zu verursachen. „Da muss ich ja lachen. Dann müsste die gleiche Verwaltung auch in den überall abgestellten Fahrrädern ein Hindernis erkennen, und das verfolgen“, sagt Jeckel. Natürlich wisse er, dass dem vermehrten Radaufkommen in der Stadt keine Rechnung durch ausreichende Abstellmöglichkeiten für die Räder getragen würde. „Das ist ein Problem“, erkennt der Galgenhölzle-Wirt. Einen Eingriff in die Straßenverkehrsordnung kann er allerdings nicht erkennen, da es sich ja bei der Münsterstraße um eine Fußgängerzone handele, erklärt er.

Als Alternativen Schwellen oder Fahrverbot?

In den Sozialen Netzwerken sorgte Jeckels Aktion für eine lebhafte Diskussion, in der der Galgenhölzle-Wirt viel Zuspruch erfuhr. Auch in der vergangenen Gemeinderatssitzung waren die Pfosten ein Thema. Für die FDP denkt Raimund Wilhelmi darüber nach, Schwellen auf den Straßenbelag aufzubringen oder ein generelles Fahrverbot auszusprechen. „Die Stadt Überlingen sollte sich Maßnahmen überlegen, die gefährliche Situation zu entschärfen“, sagt Stadtrat Wilhelmi.

Jeckel will mit den Pfosten aufrütteln

Eine Behinderung von Menschen mit Rollator oder Rollstuhl, wie sie eventuell durch derartige Schwellen zu erwarten wären, sieht Michael Jeckel durch seine Pfosten-Aktion allerdings nicht. Er argumentiert, diese wären ja im Abstand von einem Meter aufgestellt worden, so kämen Menschen mit Gehbehinderung, Rollstühle oder Kinderwagen ungehindert hindurch. Jeckel ist sich darüber im klaren, dass seine Holzpfosten keine Dauerlösung sind, er wollte mit der Aktion die Stadtverwaltung für sein Problem „aufrütteln“ und um schnelle Abhilfe bitten.

Aufstockung des Gemeindevollzugsdienstes?

Oberbürgermeister Jan Zeitler sagte dazu in der Gemeinderatssitzung, mit dem vorhandenen Personal im Gemeindevollzugsdienst ließe sich dieses Problem nicht mit vermehrten Kontrollen lösen. Zeitler zeigte sich bereit, den Personalstand aufzustocken. Sollte der Gemeinderat dieses Thema priorisieren, könne er diese Aufstockung im nächsten Haushalt einstellen. Zeitler sagte aber auch, er würde für dieses Geld lieber eine Bibliothekarin einstellen. Alle dazu befragten Fraktionen im Überlinger Gemeinderat, (mit Ausnahme der SPD, von der bis zum Redaktionsschluss keine Stellungnahme einging), sprechen sich jedoch gegen eine personelle Aufstockung des Gemeindevollzugsdienstes aus.

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Honstein sieht gesamtgesellschaftliches Problem

Der Leiter der Überlinger Polizeidienststelle und CDU-Stadtrat Günter Hornstein erkennt im Verhalten der angesprochenen Radfahrer ein gesamtgesellschaftliches Problem, dass mit vermehrtem Egoismus und Rücksichtslosigkeit einherginge und nicht nur Überlingen beträfe. Dennoch stellt Hornstein fest: „Dass sich der überwiegende Teil der Fahrradfahrer an die gültigen Regeln hält“.

Die Pfosten von Jeckel offiziell genehmigen?

Dirk Diestel von der BÜB+ hat „eine gewisse Sympathie und auch Verständnis für die Aktion von Herrn Jeckel„, so der Stadtrat. Er spricht sich, genau wie sein Ratskollege von der FDP, für Maßnahmen wie Schwellen oder eine Schranke aus. Die Schwellen könnten dann auch illegal einfahrende Pkw bremsen, so Diestel. Eventuell könnte die Stadt ja sogar die Pfosten von Jeckel offiziell genehmigen, überlegt der Sprecher der BÜB+.

Appell an die Vernunft und optimierte Beschilderung?

Marga Lenski möchte hingegen lieber an die Vernunft der Radfahrer appellieren, und möglicherweise die Beschilderung doch noch einmal optimieren, so die Fraktionssprecherin der LBU/Grünen im Überlinger Gemeinderat.

Dreher: Münsterstraße neu gestalten

Robert Dreher, Stadtrat der Freien Wähler gibt eine kleine Anekdote aus dem Frühsommer 2020 preis: „Zwei Frauen kommen mit ihren Rädern vom Ochsen her. Beim Sport-Schmid sagt die eine, als sie das Verbotsschild auf der Straße überfahren, hier müssen wir absteigen. Sagt die Andere, dann fahren wir eben auf dem Bürgersteig weiter. „So wird also die Münsterstraße gesehen, als asphaltierte Straße mit Bürgersteigen“, sagt Stadtrat Dreher und folgert, wie er berichtet seit der Zeit von Oberbürgermeister Weber: „Es ist eine Umgestaltung der Münsterstraße nötig, damit man sie als Fußgängerzone auch erkennt“.