Kürzlich stolperte ich beim Durchstöbern der verschiedenen Online-Ausgaben der Zeitungen über das Wortspiel „Der Virus kann zum Wirus werden“ des Coaches Wernfried Hübschmann. In dem dazugehörigen Video stellte er den Zusammenhang her zwischen der bestehenden Kontaktsperre und dem Entdecken des neuen Wirgefühls in der Corona-Krise.

Was bei mir hängengeblieben ist? Zum einen, dass wir uns als soziale Wesen an die verordnete, sinnvolle Kontaktsperre halten, weil wir die Schwächeren schützen wollen, auch wenn wir uns gesund fühlen; zum anderen die durchaus christliche Erkenntnis, dass wir jetzt neu entdecken, wie wichtig uns die persönliche Begegnung mit anderen Menschen ist, und wir deshalb versuchen, Nähe herzustellen, indem wir wieder das Briefeschreiben entdecken, das Skypen oder Telefonieren; sogar das gemeinsame Gebet wird uns wichtig, wenn wir um 19 Uhr die Kirchenglocken hören.

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Mir fielen dazu zwei Menschen ein, die in Haft immer wieder den Kontakt gesucht haben nach außen zu Familienangehörigen, Freunden und Gemeinden. Dem einen, Paulus, haben wir viele Briefe in der Bibel und kraftvolle Theologie zu verdanken; der andere ist Dietrich Bonhoeffer, der uns mutmachende Gebete und Texte aus seiner Haft hinterlassen hat, denken Sie nur an das vertonte Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost, was kommen mag“.

Gott tröstet in Krisenzeiten

Beide schreiben ehrlich über ihre Not. Wir müssen also nicht Glück und Freude heucheln, wenn uns zum Klagen und Weinen zumute ist. Bei beiden ist der erste Adressat Gott, weil sie erfahren haben, dass Gott auch in Krisenzeiten tröstet und sie nicht allein lässt in ihren Ängsten und Nöten. In dieser Gewissheit nehmen sie in ihrer angeordneten Kontaktsperre Kontakt auf zu ihren Mitmenschen, und machen ihnen damit Mut, nach vorne zu schauen.

„Alle sind wir gehalten in der Hand Gottes“

„Vom Virus zum Wir=us“. Ja, das Virus verlangt uns in diesen Tagen einiges ab. Vielen, trotz schönem Wetter eingesperrt zu sein in den vier Wänden, ohne Freunde, Enkel und Kinder; andere arbeiten bis an den Rand der eigenen Kräfte in den sogenannten systemrelevanten Betrieben; und alle sind wir gehalten in der Hand Gottes. Menschen wie Paulus und Bonhoeffer erinnern mich daran, dass wir einander brauchen, um uns gegenseitig Mut zuzusprechen, dass wir manchmal kreativ sein müssen, um nicht zu vereinsamen, und daran, dass Gott da ist.

So wünsche ich Ihnen und mir, dass wir bald unsere entfernten Verwandten und Freunde wieder in die Arme schließen können, gemeinsam in den Kirchen Gottesdienste feiern und dann alle Gott loben im privaten wie im kirchlichen Leben.

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